03.01.13

Zweite Liga

Björn Jopek kämpft bei Union um den Anschluss

Björn Jopek will nach seiner Verletzung unbedingt zurück auf den Platz. Für Trainer Neuhaus ist der 19-Jährige der Aufsteiger des Jahres.

Von Michael Färber
Foto: dapd
Björn Jopek (l.), hier mit Torsten Mattuschka, hat seinen Muskelfaserriss überstanden
Björn Jopek (l.), hier mit Torsten Mattuschka, hat seinen Muskelfaserriss überstanden

Eigentlich ist Winterpause. Die Spieler des 1. FC Union haben noch bis Freitag Urlaub, schalten ab von der Jagd nach Punkten. Das Trainingsgelände an der Alten Försterei war folglich verwaist - wenn auch nicht ganz. Ein Spieler wurde schon vor Weihnachten wieder gesichtet, wie er eifrig seine Runden drehte.

Doch allein die Tatsache, dass Björn Jopek nach seinem überstandenen Muskelfaserriss, zugezogen Ende November, so schnell wie möglich wieder den Fitnessstand von vor der Verletzung erreichen will, macht ihn noch nicht zum Aufsteiger des Jahres beim Berliner Fußball-Zweitligisten.

Dazu bedarf es Leistungen auf dem Platz. Leistungen, die man einem 19-Jährigen so kaum zugetraut hätte. Selbst Uwe Neuhaus musste nicht lange überlegen, um den Profi zu benennen, der ihn am meisten überrascht hat in der Hinrunde der Saison 2012/13. Der Trainer begründete seine Wahl wie folgt: "Björn war torgefährlich und hat gut gespielt. Man konnte nicht erahnen, dass er auch körperlich auf einem richtig guten Zweitliga-Niveau ist."

Aufschwung nach Abstieg

Noch im Sommer war Jopek als Kapitän mit Unions A-Jugend aus der Bundesliga abgestiegen. Dann begann der Aufschwung. Trainingslager mit den Profis, erstes Zweitliga-Spiel Mitte August gegen Eintracht Braunschweig (0:1), inzwischen kommt er auf elf Einsätze, alle von Beginn an, immerhin neun über 90 Minuten.

Erstes Zweitliga-Tor am fünften Spieltag in Ingolstadt (1:2), weitere Treffer gegen Cottbus (3:1) und in Regensburg (3:3) folgten. Nicht umsonst urteilt Kapitän Torsten Mattuschka über den Youngster: "Jopi hat Riesenstandards drauf. Von ihm kann man noch richtig was erwarten. Er ist ruhig und weiß, was er kann. Und wenn man das Vertrauen des Trainers spürt, dann wächst man auch mit jedem Spiel."

Auf Jopeks Qualitäten setzt Union und schottet den Schüler ab. Wohl wissend, dass er nicht nur die Mannschaft spielerisch nach vorn bringen, sondern dem Verein auch als Tafelsilber dienen kann, sollte er irgendwann das Interesse finanzstarker Klubs wecken. Auch daher wurde sein Vertrag im Oktober bis 2015 verlängert.

"Wenn man wie ich in der Hämmerlingstraße aufgewachsen ist und von Anfang an bei Union gespielt hat, dann will man es auch unbedingt auf den Platz im Stadion schaffen", wurde Jopek seinerzeit zitiert. Welchen Sprung er in der zweiten Jahreshälfte gemacht hat, verdeutlicht das Urteil von Nico Schäfer, dem kaufmännisch-organisatorischen Leiter: "Björn ist im Grunde ein Zugang, den wohl die wenigsten auf dem Zettel hatten."

Nicht nur Trainer Neuhaus fühlt sich dabei an Christopher Quiring erinnert. Der Flügelflitzer war vor einem Jahr der Aufsteiger bei Union. Und wird inzwischen mehr und mehr zum Sorgenkind. Sicher, es gibt schlechtere Arbeitsnachweise als den des 22-Jährigen: 17 Einsätze (drei Tore) - aber nur zwei über die volle Distanz.

Die Ursache dafür liegt in der ersten Jahreshälfte, in der sich Quiring zweimal am Oberschenkel verletzte. "Davon hat er sich zu sehr aus der Bahn werfen lassen", sagte Neuhaus, nicht ohne ein wenig Enttäuschung in seiner Stimme: "Ich war mir nie sicher, ob er richtig fit ist. Er hat damit kämpfen müssen, dass er etwas gespürt hat, was nicht relevant ist. Er hat so viel Unsicherheit im Kopf gehabt, dass er darüber die wichtigen Dinge vergessen hat."

Beispiel Quiring als Mahnung

Stattdessen eröffnete Quiring unnötig Diskussionsfelder abseits des Platzes. Sein Spruch nach dem mit 1:2 verlorenen Derby gegen Hertha BSC ("Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg' ich das Kotzen"), den er später als Ausdruck der Enttäuschung und keineswegs als Ost-West-Konflikt verstanden wissen wollte, zuletzt in Braunschweig sein Bekenntnis zur Ultra-Szene seines Klubs (T-Shirt-Aufschrift "Ultras sterben nie") - Statements, die ihn nicht bei jedem in der Popularitätsskala steigen lassen. Und dann war da noch die schonungslose Analyse seines Trainers.

"Er hatte Probleme, ans Limit zu gehen. Er muss defensiv sehr viel an sich arbeiten, auch im Zweikampf. Er hat nie eine Balleroberung. Das ist nicht zweitligatauglich. Das andere ist etwas über dem Durchschnitt."

Keine Frage, Quiring wird sich 2013 anstrengen müssen, verlorenen Kredit wieder zurückzuholen. Und Björn Jopek sollte es eine Mahnung sein, wie schnell ein Höhenflug auch beendet sein kann.

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