19.12.12

Zweite Bundesliga

Wie sich der 1. FC Union auf 2013 vorbereitet

Die Berliner können positiv ins nächste Jahr blicken. Die neue Haupttribüne soll bereits im Februar in Betrieb gehen.

Von Michael Färber
Foto: Matthias Koch

Die Erkenntnis nach dem Fußballjahr 2012 kann nur lauten: Nie war Union besser aufgestellt
Die Erkenntnis nach dem Fußballjahr 2012 kann nur lauten: Nie war Union besser aufgestellt

Am Dienstagmorgen wurde noch einmal gefrühstückt an der Alten Försterei, Trainingspläne für die kommenden Tage verteilt – dann war das Arbeitsjahr für Mannschaft und Trainerteam des 1. FC Union beendet. Der Frust über die spektakuläre Niederlage beim Spitzenreiter Eintracht Braunschweig (3:4) war zwar immer noch greifbar.

Vor allem Simon Terodde ging nach seinem kapitalen Fehler beim Rückpass, der zum 1:1 führte, hart mit sich ins Gericht. "Da habe ich der Mannschaft ganz schön geschadet", sagte der Stürmer, bevor er sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedete.

Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis der Showdown vom Montagabend verarbeitet ist. Die Erkenntnis nach dem Fußballjahr 2012 kann jedoch nur lauten: Nie war Union besser aufgestellt.

Trotz des gescheiterten Sprungs auf Platz vier, trotz der verpassten Chance, den Abstand zum Relegationsplatz auf zwei Punkte zu verringern, "war ja nicht alles schlecht, was vorher gewesen ist", sagte Mittelfeldspieler Markus Karl. Bis zur Niederlage in Braunschweig wurde in 13 Spielen nur einmal verloren. Eine Serie, die selbst den Trainer milde stimmte.

Fehlerquote bei Union noch zu hoch

"Ich bin zufrieden, dass wir uns nach dem schlechten Start so gefangen haben", sagte Uwe Neuhaus. Die Mannschaft hat gerade in den Partien gegen die Aufstiegskandidaten Kaiserslautern (2:0) und Braunschweig gezeigt, zu welchen Leistungen sie in der Lage ist.

Das macht Mut für die restlichen 15 Saisonspiele. "In der vergangenen Saison hatten wir in der Winterpause acht Punkte Rückstand auf Platz drei, jetzt sind es nur fünf", sagte Terodde.

Der Montagabend hat allerdings auch gezeigt, was noch fehlt, um ganz oben angreifen zu können. "Wir haben schon gedacht, dass wir so weit sind, um weiter nach oben zu schauen", gab Offensivmann Silvio zu. Doch die Fehlerquote im Union-Spiel ist schlichtweg noch zu hoch für eine echte Spitzenmannschaft.

Es war der Coach, der den Finger unnachgiebig in die größte Wunde legte. "Mit unserem defensiven Zweikampfverhalten bin ich nicht einverstanden", sagte Neuhaus. Dabei ist seit jeher bekannt: Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften. "Wir kassieren zu viele Gegentore, daran müssen wir ganz intensiv arbeiten", kündigte der Trainer an.

Auch was die Offensive betrifft, spielt gerade das Spitzenduo Braunschweig und Hertha BSC in einer anderen Liga. "Kumbela hat schon eine besondere Qualität, von der die Eintracht profitiert", so Neuhaus. Eine Qualität, die man bei den Köpenickern noch vergeblich sucht, auch wenn positiv festzuhalten bleibt, dass sich Terodde (sieben Tore) und Adam Nemec (vier) akribisch aus ihrem Tief zu Saisonbeginn herausgearbeitet haben.

Für Neuhaus ist der Weg das Ziel

Auch dass Silvio mit seiner Hinrunde unzufrieden ist, darf als positives Zeichen bewertet werden. "Ich wünsche mir für das nächste Jahr mehr Tore von mir", sagte der Brasilianer (ein Tor). Offensichtlich hat er eine Maxime seines Übungsleiters total verinnerlicht: immer weitermachen.

Kurz vor Weihnachten bleibt der sportlichen Leitung somit nichts anderes übrig, als folgendes Fazit zu ziehen: "Es heißt ja immer, die Tabelle lügt nicht. Und sie lügt auch tatsächlich nicht", sagte Neuhaus: "Braunschweig gehört da oben hin, und wir stehen da, wo wir hingehören." Auf Platz sieben also, um genau zu sein.

Die Niederlage von Braunschweig will er folglich auch nicht als Rückschritt betrachten. "Das wäre der Mannschaft gegenüber unfair." Viel mehr als ein Spiel interessiere Neuhaus der gesamte Weg, den die Seinen bislang zurückgelegt haben. Das sei momentan "wichtiger als ein Tabellenplatz.

Wobei ich natürlich lieber Vierter statt Siebter wäre." Doch die Richtung stimmt. Union hat sich im Vorderfeld platziert, mit Tuchfühlung zur Spitzengruppe. Und auch wenn "wir die Pause alle ganz gut gebrauchen können", so Neuhaus, hätte er auch nichts dagegen gehabt, wenn am nächsten Wochenende gleich weitergespielt würde: "Eigentlich sind wir ganz gut dabei, vor allem körperlich."

Zudem geht die Entwicklung des Kaders weiter. Mit Stefan Nijland (PSV Eindhoven) und Takuma Abe (Tokyo Verdy) spielten bereits zwei Teststürmer vor. Beim Niederländer Nijland lobte Neuhaus dessen "Spielintelligenz, er ist jedoch kein Stoßstürmer, der in den Strafraum geht".

Identifikation von Spielern mit der "Ultra"-Fankultur

Und genau so einen sucht der Trainer. Mit Abe will Union "in Kontakt bleiben", so der Coach. Gut möglich, dass der Japaner im Januar mit ins Trainingslager nach Huelva/Spanien fliegt. Beide hätten jedenfalls sportlich überzeugt.

Abseits des Rasens kann sich nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Klubführung auf ihre Anhänger verlassen – und umgekehrt. Das wurde gerade erst wieder deutlich, als Union dem Ansinnen der Fans entsprach und alle 16 Punkte im Sicherheitspaket der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ablehnte. Selbst Teile der Mannschaft identifizieren sich mit den Ultras, die sich als Vorkämpfer für den Erhalt der von ihnen vorgelebten Fußballkultur verstehen.

Mittelfeldspieler Christopher Quiring zeigte in Braunschweig seine Sympathie sogar auf einem T-Shirt mit der Aufschrift "Ultras sterben nie!!!", zudem feierte er nach Schlusspfiff einen Moment lang auf dem Zaun mit dem mitgereisten Anhang. Ein durchaus zweifelhaftes Vergnügen, genießen die Ultras doch nicht erst seit der Diskussion um das "Sichere Stadionerlebnis" der DFL keinen allzu guten Ruf in der Öffentlichkeit.

Dafür wird der gute Ruf des 1. FC Union als Stadionbauer weiter gepflegt. Denn die neue Haupttribüne ist im Rohbau praktisch fertig. Sechs Träger sind bereits montiert und sollen noch in diesem Jahr ihr Dach bekommen.

Union ab Sommer besser aufgestellt

Spielt das Wetter mit, dann soll der komplette Neubau auch nicht erst zum Heimspiel gegen Aue Anfang März, sondern bereits zum Jahresauftakt gegen Sandhausen (1. Februar) komplett bestuhlt sein. Ein volles Stadion, sprich rund 21.000 Zuschauer, gegen einen wenig namhaften Gegner wäre dann praktisch garantiert.

Auch dass die Gründer der Stadionbetriebsgesellschaft – Klubchef Dirk Zingler, Präsidiumsmitglied Jörg Hinze und Aufsichtsrat Jochen Lesching bzw. deren Unternehmen – ihre Aktien Mitte Dezember auf den Verein übertragen haben, trägt zur Stärkung des Klubs bei.

Die Alte Försterei liegt mehrheitlich in den Händen des 1. FC Union. Und mit den Einnahmen aus dem Verkauf der neuen Vip-Logen und Business-Seats wird Union ab Sommer noch besser aufgestellt sein.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Ice Bucket Challenge So cool ist Helene Fischer
Ex-Präsident Hier wird George W. Bush nass gemacht
Toter US-Journalist Wut und Entsetzen - Reaktionen auf Foleys Tod
Bombensprengung Weltkriegsbombe reißt riesiges Loch in die A3
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Schlammlawine

Viele Tote bei Erdrutsch in Hiroshima

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote