17.12.12

3:4-Niederlage

Braunschweigs Kumbela erledigt Union im Alleingang

Die Erfolgsserie des 1. FC Union Berlin ist gerissen. Die Köpenicker unterlagen bei Spitzenreiter Eintracht Braunschweig 3:4.

Foto: dpa

Top-Stürmer Braunschweigs: Dominick Kumbela war mit drei Toren der Mann des Spiels
Top-Stürmer Braunschweigs: Dominick Kumbela war mit drei Toren der Mann des Spiels

Es hatte der krönende Abschluss des Zweitliga-Jahres 2012 für Berlin werden sollen. Mit einem Sieg bei Spitzenreiter Eintracht Braunschweig wollte der 1. FC Union den Abstand auf den Relegationsplatz bis auf zwei Punkte verringern, zugleich hätte die Niederlage der Eintracht Hertha BSC zur Wintermeisterschaft verholfen. Doch daraus wurde nichts. Union verlor 3:4 (2:2).

Vor dem Anpfiff taten die Fans auf beiden Seiten zunächst ihren Unmut über das am 12. Dezember von der DFL beschlossene Sicherheitspaket Kund. Die Art der Braunschweiger Fans, die in ihrem Block Bengalos zündeten, war der Sache jedoch in keiner Weise hilfreich. Als mit dem Anpfiff die Braunschweiger ihr Team schließlich unterstützten, ernteten sie wütende Pfiffe und Proteste vom Berliner Anhang, der beschlossen hatte, 12:12 Minuten zu schweigen. So wie er es schon im Vorfeld der DFL-Vollversammlung getan hatte.

Das Schweigen wird gebrochen

Doch auch die Unioner hielten die Stille dieses Mal nicht durch. Gut drei Minuten waren gespielt, als sie ihr Schweigen brachen. Weil Christopher Quiring einen Eckball auf die Reise geschickt hatte, Adam Nemec völlig unbedrängt zum Kopfball hochsteigen und zum 1:0 vollenden konnte (4.). Genau das hatte sich die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus vorgenommen: ein schnelles Tor, um den Gegner aus der Reserve zu locken.

Das Vorhaben gelang zunächst, der Schock über den frühen Rückstand saß den Braunschweigern doch arg in den Gliedern. Obendrein machte sich mehr und mehr bemerkbar, wie sehr der Eintracht die drei Stammkräfte Dennis Kruppke, Norman Theuerkauf und Dennis Dogan fehlten. Bei Union wiederum ersetzte Silvio den Gelb-gesperrten Torsten Mattuschka ordentlich. So wurde im Stadion an der Hamburger Straße schnell deutlich, dass es ein Spiel der Stürmer werden sollte. Was nicht unbedingt positiv gemeint sein muss.

Beispiel Simon Terodde. Zehn Minuten waren vorbei, als den Unionern der Atem stockte. In Ermangelung einer Anspielstation entschied sich der Angreifer in Höhe der Mittellinie für einen Rückpass – und fabrizierte eine Bogenlampe in die völlig verwaiste eigene Hälfte, mit verhängnisvollem Ausgang. Domi Kumbela erlief den Ball, ließ sich bei seinem Alleingang auch nicht von Union-Torwart Daniel Haas stoppen und schob ein. Verteidiger Fabian Schönheim rutschte bei seinem Rettungsversuch mit dem Spielgerät noch mit ins Tor, 1:1.

Jetzt entwickelte sich jenes Spitzenspiel, das man erwartet hatte. Beide Teams hatten nur eine Ausrichtung: nach vorne. Silvio tanzte über rechts in den Strafraum, flankte auf Michael Parensen, dessen Kopfball gerade noch rechtzeitig abgeblockt wurde (17.). Kurz darauf versuchte es Markus Karl mit der Hacke (18.), praktisch im Gegenzug verzog Kumbela nur knapp (19.). Eine Begegnung, die Spaß machte, trotz der nasskalten Witterung.

Es war Union, das als Erster daraus Kapital schlagen konnte. Silvio bediente Terodde, der von Ermin Bicakcic gestoppt wurde, den Ball aber direkt vor die Füße von Nemec spielte. Und der Slowake fackelte nicht lange. Mit viel Gefühl schoss er den Ball über den zu weit vor seinem Kasten stehenden Daniel Davari ins Tor, 2:1, Union lag wieder vorn (32.). Doch auch die Führung hielt nur bis drei Minuten vor der Pause. Christian Stuff ließ im Strafraum das Bein stehen, Braunschweigs Orhan Ademi nahm die Vorlage dankend an, und Kumbela ließ sich den Elfmeter nicht entgehen. Mit 2:2 ging es in die Pause.

Und wieder waren es die Unioner, die hellwach ins Spiel gingen. Silvios Kopfball aus Nahdistanz nach einer Kohlmann-Ecke konnte Davari nur mit Glück klären (47.). Wie man es besser macht, zeigte auf der anderen Seite – na klar – Kumbela. Der Eintracht-Kapitän war Schönheim enteilt, schaute kurz und schob aus spitzem Winkel an Haas vorbei (57.) – ein Klassetor, das das Stadion in ein Tollhaus verwandelte.

Quirings Tor zu spät

"Spitzenreiter, Spitzenreiter" skandierten die 21.200 Zuschauer. Und das Spiel nahm noch mehr an Fahrt auf. Union wollte mit aller Macht wenigstens einen möglichen und auch nicht unverdienten Punkt mitnehmen, brachte mit Steven Skrzybski für Silvio einen frischen Stürmer. Braunschweig drängte auf die endgültige Entscheidung – und bekam sie eine Viertelstunde vor Schluss. Freistoß von Mirko Boland von der rechten Seite, Union-Verteidiger Christian Stuff fälschte den Ball noch unglücklich ab – Keeper Haas konnte nur noch hinterherschauen, wie den Braunschweigern auch noch der Innenpfosten zur Seite stand. Die Unioner, die sich bis dahin teuer verkauft hatten, waren geschlagen. Da half auch Quirings später Treffer nicht mehr.

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