24.11.12

Zweite Bundesliga

Union Berlin gibt das Spiel gegen 1860 aus der Hand

Fehlpässe, wenig Biss. Gegen 1860 München musste sich Union mit einem Remis zufrieden geben - vor den Augen von Englands Ex-Coach Eriksson.

Von Michael Färber
Foto: dpa

Neugierig: Auch Englands ehemaliger Trainer Sven-Göran Eriksson saß beim Spiel auf der Tribüne
Neugierig: Auch Englands ehemaliger Trainer Sven-Göran Eriksson saß beim Spiel auf der Tribüne

Ein Sieg sollte her. Unbedingt. "Mit aller Macht", so hatte Trainer Uwe Neuhaus seiner Mannschaft ins Aufgabenheft für die Partie gegen 1860 München geschrieben, "wollen wir in die obere Tabellenhälfte." Ein Erfolg mit zwei Toren Unterschied hätte es dafür schon sein müssen.

Das Vorhaben misslang. Der Fußball-Zweitligist trennte sich 2:2 (1:0) von den Münchner Löwen, rutschte auf Rang elf ab und muss weiter auf einen Sieg gegen 1860 warten.

Wieder einmal war das Stadion an der Alten Försterei ausverkauft, 16.750 Zuschauer waren gekommen. Darunter ein Gast, wie er prominenter kaum sein könnte. Sven-Göran Eriksson, der Schwede, der einst die englische Nationalmannschaft trainierte, hatte den Weg nach Köpenick gefunden. Er sah eine durchaus flotte Begegnung, wobei sein Hauptaugenmerk schon eher den Gästen gegolten haben dürfte.

Seit der Entlassung von Reiner Maurer am vergangenen Wochenende geistert der Name Eriksson bei 1860 durch die Reihen, weil der 64-Jährige als Wunschkandidat von Investor Hasan Ismaik gilt. Der jordanische Geschäftsmann hatte mit seinen Millionen die Münchner im Frühjahr 2011 vor der Insolvenz gerettet.

1860 München zeigte in 90 Minuten, warum man vom Aufstieg träumt

Eriksson selbst wollte sich nicht zu irgendwelchen Spekulationen äußern. Dies tat dafür Dieter Schneider, Präsident von 1860: "Ich habe auch erst im Stadion erfahren, dass er da ist. Herr Eriksson ist ein freier Mann und professioneller Trainer, und wenn er sich in Deutschland ein Spiel anschauen will, bleibt ihm das unbenommen."

Doch auch Schneider ist lange genug dabei, um zu wissen, dass es Eriksson nicht wegen der tollen Atmosphäre nach Köpenick gezogen hat. Alexander Schmidt, der das Traineramt in München zunächst übernommen hat, blieb angesichts des großen Schattens des Schweden gelassen. "Für mich ist der Druck nicht so groß, weil ich vor allem mit der Entwicklung unserer U23 total zufrieden bin. Und für mich wäre es auch kein Problem, wieder dahin zurückzukehren. In der Mannschaft ist das aber überhaupt kein Thema."

Waren es nun bereits die ersten Auswirkungen des Trainerwechsels oder doch die Aura des Wunschkandidaten Eriksson – 1860 München zeigte in 90 Minuten, warum man sich in der bayrischen Landeshauptstadt zu Saisonbeginn den Aufstieg in die Bundesliga auf die Fahnen geschrieben hatte.

Flink im Vorwärtsspiel und technisch sehr stark präsentierten sich die Gäste. Union hielt mit großem Einsatz und großer Laufbereitschaft dagegen. Dies gelang vor allem in der ersten Halbzeit richtig gut.

Verdienter Lohn war die Führung durch Christian Stuff. Der Innenverteidiger hatte sich wie gewohnt bei einem Eckball am Strafraum eingefunden, und als Torsten Mattuschka das Spielgerät in den Strafraum schlenzte, schraubte Stuff seine 1,99 Meter in die Höhe und köpfte zum 1:0 ein (22.). Zugleich erfüllte der Berliner, der zuvor seinen Vertrag bis Juni 2014 verlängert hatte, mit seinem ersten Saisontor einen großen Wunsch seines Trainers.

Zwei Tore zu Hause hatte Union zuletzt im September geschafft

"Mit dieser Körpergröße und Kopfballstärke muss einfach mehr Gefahr für das gegnerische Tor drin sein", hatte Neuhaus gesagt. Nach der Partie und Stuffs erstem Saisontor stellte der Coach trocken fest: "Diesen Wunsch werde ich jetzt vor jedem Spiel äußern."

Auch am zweiten Tor war das Duo Mattuschka/Stuff beteiligt. Einen Diagonalpass des Kapitäns köpfte Stuff von rechts auf das Tor von 1860-Schlussmann Gabor Kiraly. Der Ex-Herthaner konnte den Ball aber nur abklatschen. Adam Nemec war zur Stelle und staubte ebenfalls zu seinem ersten Saisontreffer ab (81.).

Zwei Tore in der Alten Försterei waren Union zuletzt Ende September beim Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus (3:1) gelungen. Dass zwei Tore diesmal nicht zum Sieg reichten, hatte einen einfachen Grund: "Hauptursache war aus meiner Sicht, dass zu viele unserer Angriffe mit einem Fehlpass verbunden waren. Selbst einfachste Bälle sind beim Gegner gelandet", bilanzierte Neuhaus. Stuff erkannte: "Nach dem 1:1 haben wir das Spiel leider aus der Hand gegeben."

In der Tat erwies sich der Ausgleich als Knackpunkt. Ein Freistoß von Mattuschka blieb in der Mauer hängen. Beim daraus resultierenden Konter fand der Ball – unter gütiger Mithilfe der Unioner – den Weg zu Moritz Stoppelkamp. Dessen Hereingabe vollendete Benjamin Lauth im Stile eines Torjäger in der Mitte eiskalt (53.). Doch es kam noch schlimmer.

"Die Partei war eine Werbung für den Fußball"

Wieder flankte Stoppelkamp von Unions linker Seite in den Strafraum. Dort stieg Lauth im Rücken von Verteidiger Marc Pfertzel zum Kopfball hoch und blieb förmlich in der Luft stehen. Genau so lange, bis er den Ball ins kurze Eck köpfen konnte (70.). Die Abwehr von Union-Torwart Daniel Haas kam zu spät. "Das war für Marc schwer zu verteidigen", nahm Stuff seinen Teamkollegen in Schutz.

Unter dem Strich sei die Partie "eine Werbung für den Fußball gewesen", wie 1860-Präsident Schneider erklärte. Sven-Göran Eriksson wird auf der Tribüne genau hingeschaut haben.

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