24.11.12

Zweite Liga

Union hofft auf ersten Sieg gegen 1860 München

Die Berliner treffen auf die Münchner Löwen - die dritte Mannschaft, die kurz vor einem Spiel gegen Union den Trainer gewechselt hat.

Foto: picture alliance / dpa

Verlängert: Christian Stuff (vorne) beim 1. FC Union
Verlängert: Christian Stuff (vorne) beim 1. FC Union

Uwe Neuhaus musste schmunzeln, als er vom Trainerwechsel sprach. Nicht dass seine Zeit beim 1. FC Union sich plötzlich dem Ende nähern würde. Es war der Blick auf den Gegner, der den Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten ein wenig staunen ließ. "Zum dritten Mal hat eine Mannschaft den Trainer gewechselt, kurz bevor wir gegen sie spielen", sagte Neuhaus. Am Sonntag hatte sich der TSV 1860 München von Trainer Reiner Maurer getrennt und den bisherigen Regionalliga-Coach Alexander Schmidt als neuen Übungsleiter präsentiert. Am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) spielen die Münchner Löwen im Stadion an der Alten Försterei mit Schmidt das erste Mal um Punkte.

Es kommt dabei zum Aufeinandertreffen zweier Mannschaften, die im Saisonverlauf mit mehr Widrigkeiten zu kämpfen hatten, als ihnen lieb gewesen ist. Beide haben die selbst formulierten Erwartungen bislang nicht erfüllen können. Union hat sich nach Fehlstart inzwischen zwar stabilisiert. Das gesteckte Ziel, die Plätze fünf bis sieben, liegen allerdings noch ein gutes Stück entfernt, ganz zu schweigen von der erneuten Verletzungsmisere. Bei 1860, wo man sich insgeheim den Aufstieg in die Bundesliga erhofft hat, war die Entwicklung genau andersherum. Nach acht Spieltagen noch ungeschlagen auf Relegationsplatz drei, folgten vier Niederlagen in den vergangenen sechs Partien. Macht unter dem Strich: die Plätze zehn und neun vor dem 15. Spieltag.

Puncec und Jopek fallen aus

So steht vor diesem Mittelfeld-Duell die Frage: Welche der beiden Mannschaften hat ihre Rückschläge besser verarbeitet? "Die Mannschaft wird sich leider stark verändern", verwies Neuhaus auf eines seiner Problemfelder. Innenverteidiger Roberto Puncec (Syndesmoseband) und Mittelfeldspieler Björn Jopek (Muskelfaserriss) fallen sicher aus, der Einsatz von Stürmer Silvio (im Training umgeknickt) ist fraglich. Und dann sind da noch die spielerischen Unzulänglichkeiten, die Union zuletzt offen legte. Und die Einstellung. So, wie die Seinen zuletzt in den ersten 30 Minuten in Regensburg aufgetreten seien, "gewinnst du gegen keine Mannschaft dieser Welt", sagte Neuhaus: "Das ist auch keine Frage des Systems. Wie man ein System mit Leben, mit Seele füllt, so stark ist es dann auch."

Bei den Gästen darf man derweil gespannt sein, inwiefern sie das Chaos in den vergangenen Tagen verkraftet haben. So sah Trainer Schmidt seine Aufgabe vor allem darin, dass sein Team "auch die spielerische Note reinhaut". Die Qualität habe die Mannschaft, sie müsse nur vom Selbstvertrauen her wieder "auf Vordermann gebracht werden". Unter seinem Vorgänger Maurer wurden die Probleme lange durch den erfolgreichen Start verdeckt. Doch immer häufiger wurde moniert, der TSV spiele ohne System. "Jeder rennt rum, wo er will. Wir stehen nie kompakt", murrte Daniel Halfar.

Der überraschende Rücktritt von Aufsichtsrat Hamada Iraki unter der Woche verstärkte die Unruhe noch. Iraki hatte im April 2011 den Kontakt zum jordanischen Investor Hasan Ismaik hergestellt, der mit seinen Millionen die Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Eliteklasse befeuerte. Die Befürchtungen, der Traditionsklub würde nach dem Rücktritt Irakis ins Schwanken geraten, wischte 1860-Präsident Dieter Schneider vom Tisch. "Wir haben einen gültigen Dreijahresplan, der wird erfüllt werden", ließ Schneider wissen.

Neuer Vertrag für Stuff

Ob die Löwen nun an der Alten Försterei zum Sturmlauf ansetzen oder sich zunächst einmal hinten verkriechen werden – "alles ist möglich nach einem Trainerwechsel", sagte Neuhaus. Nur eines solle seine Elf nach den Remis beim FC St. Pauli (2:2) und in Regensburg (3:3) – jene Klubs, die gegen Union mit neuem Trainer angetreten waren – beweisen: "Es wäre Zeit zu zeigen, dass ein Trainerwechsel nicht immer sofort etwas bringt." Es wäre der erste Erfolg gegen 1860 überhaupt.

Zurvor verlängerte Union den Vertrag von Christian Stuff (30) bis zum Sommer 2014. Der Abwehrrecke, seit 2006 bei Union (211 Spiele), hat nach Torhüter Jan Glinker (246) und Kapitän Torsten Mattuschka (241) die drittmeisten Union-Einsätze im Kader. "Ich kann mich kaum noch erinnern, woanders gespielt zu haben", meinte Stuff.

Quelle: fär
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