17.11.12

Zweite Liga

Roberto Puncec ist Unions härtester Bodyguard

Innenverteidiger Roberto Puncecs Kompromisslosigkeit lässt die Berliner auf das vierte Spiel ohne Gegentor hoffen.

Foto: picture alliance / dpa

Hellwach: Roberto Puncec hat bislang acht Partien für den 1. FC Union absolviert
Hellwach: Roberto Puncec hat bislang acht Partien für den 1. FC Union absolviert

Es wirkt immer so, als sei er ein wenig schüchtern. Die Worte, die der Kroate wählt, kommen stets mit Bedacht und in Englisch mit leichtem Akzent. Seine Stimme wird dabei nur selten laut, eigentlich nie. Er ist stets freundlich, ja sympathisch, ein netter 21 Jahre alter Fußballprofi eben.

Wer Roberto Puncec im Trikot des 1. FC Union seinen Dienst leisten sieht, könnte zu einer völlig anderen Einschätzung kommen. Kompromisslos wie ein Bodyguard verrichtet der Innenverteidiger seinen Job, schont dabei weder sich noch seine Gegenspieler.

Selbst ein inzwischen wieder verheiltes Veilchen aus dem Spiel in Dresden (2:0) unter seinem linken Auge nahm Puncec mit einem Lächeln hin. So als sei es nur eine Begleiterscheinung, die seine Arbeit beim Fußball-Zweitligisten eben mit sich bringt.

"Ich kam aus einer Liga, in der nicht so körperlich gespielt wurde", stellte Puncec beinahe lapidar fest. Vom israelischen Erstligisten Maccabi Tel Aviv war der Kroate im Sommer an die Alte Försterei gewechselt. Auf Leihbasis, für eine Saison. Vier Monate nach der Verpflichtung darf festgehalten werden: Robert Puncec ist in Berlin endgültig angekommen.

Profidebüt mit 17 Jahren

"Wenn man zu einem neuen Klub kommt, braucht man Zeit. Jetzt, haben wir uns besser kennen und verstehen gelernt", sagte Puncec. Das gilt für die Konstellationen auf dem Platz genauso wie für die Situationen abseits des Rasens.

Uwe Neuhaus, sein Trainer, antwortete auf die Frage, ob Puncec zusammen mit Christian Stuff nun das Innenverteidigerpaar für die kommenden Wochen sei, ohne zu zögern: "Ich müsste ja verrückt sein, sie auseinander zu reißen." Puncec (sprich: Punschetz) dürfte seinen Platz in der Startformation für die Partie am Sonntag bei Aufsteiger Jahn Regensburg (13.30 Uhr, Sky live und im Liveticker von Morgenpost Online) jedenfalls sicher haben.

Sein Nebenmann ist derweil zuversichtlich, dass beim vierten gemeinsamen Auftritt in Folge morgen im Jahnstadion auch zum vierten Mal die Null steht. "Wenn er hellwach ist, dann ist er ein Guter", sagte Stuff. Dass er inzwischen auf dem Platz hochkonzentriert sein kann, hat zum einen mit der besseren Verständigung zu tun. Seit August drückt Puncec zwei- bis dreimal in der Woche die Schulbank, um Deutsch zu lernen.

Inzwischen versteht der Kroate einfache Anweisungen auf dem Platz ebenso wie das, was in der Kabine gesprochen wird. Zum anderen hat er in Prenzlauer Berg eine Wohnung gefunden. Gute Restaurants gebe es dort, ließ er wissen. Endlich kann er sich voll und ganz der Herausforderung widmen, der er sich unbedingt stellen wollte.

Robust und zweikampfstark

"Fußball in Deutschland ist hoch professionell und perfekt organisiert. Deshalb wollte ich unbedingt hierher", so Puncec. Er wollte Teil von dem Besonderen sein, das er bei Union entstehen sieht. Für junge Spieler sei außerdem gerade die Zweite Liga eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.

Das sagt einer, der mit 17 Jahren bei NK Varazdin in der ersten kroatischen Liga debütierte. Dort absolvierte er 53 Partien, ehe es ihn nach Tel Aviv zog, wo er unter anderem auch in fünf Spielen in der Europa League auflief. Hinzu kommen Teilnahmen an der U19-Europameisterschaft 2010, der U20-Weltmeisterschaft 2011 und der – wenn auch erfolglosen – Qualifikation für die U21-EM in Israel 2013.

Nicht umsonst bezeichnete Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter, Roberto Puncec als "europaweit beachtetes Talent" – und fügte der Kaufoption kommenden Sommer gleich einen ausgehandelten Zweijahresvertrag hinzu. Trainer Neuhaus umriss Puncecs Qualitäten jüngst wie folgt: "Für ihn spricht seine Zweikampfhärte und seine Robustheit."

Der so Gelobte beschreibt seine Einstellung auf dem Platz so: "Wenn mich jemand in einem Zweikampf einmal besiegt hat, tue ich alles dafür, damit dies nicht wieder passiert." Fußball kann so einfach sein.

Schönheims Pech öffnete die Tür

Nicht unerwähnt bleiben sollte aber, dass es im Grunde der Platzverweis von Fabian Schönheim im Heimspiel gegen Cottbus (3:1) gewesen ist, der Puncec die Tür zur Stammelf in letzter Konsequenz geöffnet hat. Eine Chance, die er genutzt hat. Zurück blieb ein Fabian Schönheim, der sich seit seiner Rückkehr mit der Rolle des Lückenfüllers auf der linken Seite mal im Mittelfeld, mal in der Abwehr nicht so recht anfreunden kann.

"Immer auf einer anderen Position zu spielen und andere Aufgaben zu haben, ist dann auch schwierig, weil man sich natürlich gerne auf einer Position einspielt", sagte Schönheim. Am Duo Puncec/Stuff führt derzeit aber offensichtlich kein Weg vorbei.

Puncec selbst zeigt Verständnis für seinen Teamkollegen. "Jeder will spielen, das ist doch klar. Doch ich weiß, ich habe eine gute Zeit hinter mir und gute Spiele gemacht." Nanu, ein Anflug von Hochmut?

Mitnichten, lediglich seine Art, neu gewonnenes Selbstbewusstsein zu zeigen. Bleibt nur noch zu klären, wann auch er – wie Schönheim in Dresden – sein erstes Tor für Union erzielen wird. "Ich hoffe, ich kann so schnell wie möglich eins beisteuern", sagte er. Puncec wirkt dabei zurückhaltend, fast schüchtern.

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