11.11.12

Zweite Liga

Union Berlin werden gleich zwei klare Elfmeter verwehrt

Trainer Neuhaus schimpfte nach der Nullnummer gegen Aalen nicht nur über die Schiedsrichter. Auch von seinem Team war er enttäuscht.

Von Michael Färber
Foto: dapd

„Aalen wollte doch nur 0:0 spielen“, monierte Union-Kapitän Mattuschka
"Aalen wollte doch nur 0:0 spielen", monierte Union-Kapitän Mattuschka

Noch einmal hatte sich Torsten Mattuschka den Ball zum Freistoß zurecht gelegt, gut 16 Meter vom Tor entfernt. Die reguläre Spielzeit war längst vorbei, es lief die dritte Nachspielminute. Natürlich hallte von den Rängen wieder das "Torsten Mattuschka"-Lied. "Hau ihn rein für den Verein", riefen die 15.102 Zuschauer in der Alten Försterei. Dann ein kurzer Anlauf – und Jasmin Fejzic, der Torwart des VfR Aalen, hatte auch die letzte Chance der Partie zunichte gemacht. Der 1. FC Union spielte nur 0:0 gegen den Aufsteiger der Zweiten Liga. Und haderte im Anschluss mit sich selbst, mit dem Gegner und mit dem Schiedsrichter.

"Aalen wollte doch nur 0:0 spielen", monierte Mattuschka, der Kapitän. Seine Erklärung für den finalen Freistoß lautete wie folgt: "Ich habe mich für die Torwartecke entschieden, weil die Entfernung für einen Schuss über die Mauer zu kurz gewesen ist. Aber ich habe den Ball nicht ganz getroffen." Außerdem sei der Torwart stehen geblieben, weshalb der Schuss nicht zum erlösenden Siegtreffer geführt hat.

Die Szene war irgendwie exemplarisch für das gesamte Spiel. Union investierte viel, blieb aber vor allem in der ersten Halbzeit wieder einmal ohne Durchschlagskraft. Silvio, zunächst einziger Angreifer, bekam kaum Zuspiele. Die Variante des 4-1-4-1-Systems erwies sich, trotz des gleichen Personals wie beim Sieg in Dresden (2:0), als nicht tauglich, um die tapfer kämpfenden Aalener in Verlegenheit zu bringen. Björn Jopek vergab aus fünf Metern noch die beste Chance (18.). Auf der anderen Seite war es VfR-Mittelfeldmann Martin Dausch, der aus 25 Metern den Kasten von Daniel Haas nur knapp verfehlte. Doch es brauchte mehr, bis Union-Trainer Uwe Neuhaus seine Unzufriedenheit mit den Worten "absolut enttäuschend" umschrieb.

Erst nach der Halbzeit erhöhte Union den Druck noch einmal. Auch weil Neuhaus mit Simon Terodde für Linksverteidiger Patrick Kohlmann einen zweiten Stürmer gebracht hatte. Über weite Strecken glich die Partie einem Belagerungszustand des Aalener Strafraums. Folgerichtig gab es Chancen, und was für welche. Nach einer Mattuschka-Ecke köpfte Markus Karl aus fünf Metern an die Latte, den Abpraller drosch Christian Stuff per Scherenschlag über das Tor (51.). Terodde wurde erst im letzten Moment von Tim Kister gestoppt (52.), schließlich war Silvios Kopfball aus Nahdistanz zu ungenau (54.). Wieder einmal blieb nur die Erkenntnis: "Für Ballbesitz kann man sich nichts kaufen", so Neuhaus. Wie unterlegen die Aalener nun waren, verdeutlichte VfR-Coach Ralph Hasenhüttl: "31 Prozent Ballbesitz, so wenig hatten wir noch nie. Und unser Torwart hatte mit 39 Ballkontakten die meisten meiner Mannschaft. Dazu kommen gefühlte 300 Eckbälle gegen uns – wir waren sicher nicht das unglücklichere Team."

69 Prozent Ballbesitz

Apropos Glück. Die Gunst, einen Elfmeter zu bekommen, blieb Union obendrein versagt. "Ich urteile ja sonst nicht über die Schiedsrichter", sagte Neuhaus, "aber wenn es wirklich zwei klare Elfmeter sind, muss man die auch kriegen." Es lief die 23.Minute, als Stuff von Leandro Grech im Strafraum festgehalten wurde. "Deshalb komme ich nicht mehr an den Ball, ein klarer Elfmeter", beschrieb der Gefoulte die Szene. Und in Minute 65 wurde Silvio nach einem Klammergriff von Oliver Barth gnadenlos umgerissen.

In beiden Fällen, die jedem Ringer zur Ehre gereicht hätten, blieb der Pfiff von Schiedsrichter Tobias Christ (Münchweiler) aus. "Stuff wird fast der Arm gebrochen, und bei Silvio war das schon griechisch-römisch", echauffierte sich Coach Neuhaus auch eine halbe Stunde nach Abpfiff noch.

Am Ende musste sich Union sogar noch bei Torwart Haas bedanken, dass er den Schuss von Michael Klauß per Fußabwehr entschärfen konnte (67.). Die Schuld aber nur beim Schiedsrichter zu suchen, greift zu kurz. "Wir haben wieder einmal unsere Chancen nicht genutzt", sagte Mattuschka, der die letzte vergab. So blieb es für Union bei der ersten Nullnummer nach 31 Spielen.

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