12.08.12

1. FC Union

Torwart Haas will Einstiegsfehler wieder ausbügeln

Gegen Braunschweig soll Daniel Haas für einen gelungenen Heimauftakt sorgen - als Nachfolger von Union-Ikone Glinker keine leichte Aufgabe.

Foto: Firo
Daniel Haas
Kontakt mit Glinker: Unions neuer Stammtorwart Haas will ein professionelles Verhältnis zum Kontrahenten

Es wird einiges anders sein, wenn der 1. FC Union heute zum ersten Heimspiel der Saison in die Alte Försterei bittet. Da ist schon das Stadion selbst. Genauer gesagt, die Baustelle, auf der der Berliner Fußball-Zweitligist seine Gegner beackern will.

Wo noch vor wenigen Wochen ein großes Loch klaffte, heben sich inzwischen nicht nur die Pfeiler empor, die das neue Schmuckstück tragen sollen, sondern auch schon diverse Traversen, auf denen später die Sitzplätze montiert werden sollen.

Dann ist da natürlich die Erwartungshaltung, die Union im Vorfeld geschürt hat. Platz fünf bis sieben soll es werden, vielleicht sogar ein wenig mehr. Ein Sieg zum Heim-Auftakt gegen Eintracht Braunschweig soll heute (13.30 Uhr, Alte Försterei) unterstreichen: Ja, das von uns ausgerufene Ziel ist realisierbar. 16.750 Zuschauer werden sich in der ausverkauften Försterei die 90 Minuten nicht entgehen lassen.

Mittendrin im ganzen Trubel: Daniel Haas. Der Torwart personifiziert die dritte und sicher nicht unwichtigste Veränderung im Vergleich zur vergangenen Spielzeit. Der 29-Jährige soll maßgeblich dazu beitragen, dass die sportlichen Ziele auch verwirklicht werden können – als Nachfolger von Jan Glinker, dem langjährigen Stammkeeper, der Klub-Ikone, die flugs zur Nummer zwei degradiert wurde.

Wochenlange Trainingspause

Kein leichtes Unterfangen, aber eine Herausforderung, der sich Haas gerne stellt. "Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Und ich freue mich auf die Stimmung", sagte Haas. Es ist zu spüren, wie sehr er auf seine Heimpremiere brennt.

Endlich zeigen, dass er zurecht als neue Nummer eins verpflichtet worden ist. Zumal sein Start bei den Köpenickern alles andere als geglückt bezeichnet werden kann.

Da war der allenfalls brave, aber keineswegs euphorische Empfang zum Trainingsauftakt Ende Juni. Mit einem lockeren Spruch hatte Haas damals versucht, erstes Eis zwischen ihm und den Fans zu brechen ("Ich bin davon ausgegangen, dass die ersten Steine fliegen").

Was folgte, waren eine wochenlange Trainingspause wegen eines Meniskuseinrisses, nur eine Testspiel-Halbzeit gegen den PSV Eindhoven (1:1) und zum Start gleich drei Gegentreffer beim 1. FC Kaiserslautern. Nicht wirklich Ereignisse, mit denen Pluspunkte zu sammeln sind.

Und genau das wurmt Haas. "Mit den drei Gegentoren bin ich natürlich nicht zufrieden", blickt er noch einmal kurz zurück. Und schickt flugs hinterher: "Ich will immer zu Null spielen."

Professionelles Miteinander

Dass dies alle Torhüter wollen, dürfte in der Natur der Sache liegen. Dass Haas es vielleicht noch ein wenig mehr will, ebenfalls. "Ich wusste, dass es eine besondere Situation werden wird", beschreibt er seine Gedanken nach der Unterschrift seines bis 2014 laufenden Vertrages: "Jan ist schließlich schon lange im Verein und hat in dieser Zeit natürlich viel für Union geleistet."

Doch anders als Haas-Vorgänger Marcel Höttecke, der nicht einmal im Ansatz zu einem professionellen Miteinander mit Glinker in der Lage gewesen ist, suchte Haas sogleich den Kontakt mit seinem Kontrahenten.

"Jan und ich sind ähnliche Typen. Deshalb habe ich relativ schnell das offene Gespräch gesucht", erzählte Haas. Eine Maßnahme, die offenbar die richtige gewesen ist. "Auch mit Kilian Pruschke (Unions dritter Torwart, d.Red.) und Holger Bahra (Torwarttrainer, d.Red.) funktioniert es gut. Das ist alles produktiv", sagte Haas.

Muss es auch, denn schon der Gegner heute dürfte den Unionern erneut alles aberlangen. Nicht nur, weil die Braunschweiger zum Auftakt mit dem 1. FC Köln gleich einen der Aufstiegsfavoriten geschlagen haben (1:0). "Braunschweig ist zu allem in der Lage", sagte Neuhaus.

Neuhaus will schnell Tore sehen

Weil die Mannschaft, die ähnlich wie Union keineswegs runderneuert wurde, in einem festen, eingespielten System auftritt. Neuhaus: "Die Eintracht hat eine tolle Ordnung." Folglich sieht der Coach die Aussage seines Braunschweiger Kollegen Torsten Lieberknecht, der 1. FC Union zähle zu den Aufstiegsmitfavoriten, auch eher als Understatement.

"Er will damit von seinem eigenen guten Team ablenken", ist sich Neuhaus sicher. So hofft der Berliner Übungsleiter, dass die Seinen heute an die zweite Halbzeit vom Kaiserslautern-Spiel anknüpfen können, zumindest an deren Anfang.

"Mit den ersten Chancen gleich zwei Tore machen – dass könnte mir am Sonntag auch gefallen", sagte Neuhaus. Und setzt dabei gleichwohl auch auf eine im Vergleich zu Montagabend verbesserte Defensive.

Optimismus behalten

Auch Daniel Haas weiß das. Ebenso wie die Tatsache, dass die neue Abwehrformation vor ihm mit den Zugängen Fabian Schönheim und Roberto Puncec noch Zeit braucht, um besser zu funktionieren. "Natürlich fehlt in der einen oder anderen Situation noch die Abstimmung. Aber das gleich alles reibungslos funktioniert, konnte man auch nicht erwarten", sagte Haas.

Seine Aufgabe, im ersten Heimspiel das Zu-Null zu sichern, wird dadurch nicht leichter. Sein Vorhaben, sich in die Herzen des Union-Anhangs zu spielen, ebenfalls nicht.

So bleibt dem Schlussmann bis zum Anpfiff heute Nachmittag nichts anderes übrig, als seinen Optimismus zu behalten. Also erklärte Haas selbstbewusst: "Ich bin mir sicher, dass die Fans gute Leistungen honorieren werden."

Das haben sie beim 1. FC Union schon immer getan. Daran wird sich ohne Zweifel auch heute nichts ändern.

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