Vorbereitung
Warum bei Union noch kein Saisonziel ausgegeben wurde
Vier Testspiele, vier Siege, 39:1 Tore – Union zeigt sich treffsicher. Die Euphorie im Umfeld ist groß. Doch der Trainer hält sich zurück.
Als Fan des 1. FC Union kommt man derzeit auf seine Kosten. Vier Testspiele, vier Siege, insgesamt 39:1 Tore, das kann sich sehen lassen. Dass es dabei nur gegen weit unterklassige Gegner ging, soll hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Fakt ist: Berlins Fußball-Zeitligist kommt, da die Hälfte der Vorbereitung nahezu erreicht ist, immer besser in Schwung. Nach dem 5:0 gegen Oberliga-Aufsteiger VSG Altglienicke am Mittwoch befand Trainer Uwe Neuhaus, dass die Seinen "gut kombiniert" hätten, im Abschluss jedoch noch Schwächen zeigten. Nichts, was bis zum Punktspielstart am ersten August-Wochenende nicht noch verbessert werden könnte.
8000 verkaufte Dauerkarten
Die Euphorie rund um die Köpenicker Kicker ist jedenfalls groß, wie 8000 verkaufte Dauerkarten (Rekord) dokumentieren. Und die Erwartungshaltung dürfte kaum kleiner sein nach einer Saison, die auf einem ausgezeichneten siebten Platz endete. Und was machen die Unioner? Sie hüllen sich in Schweigen, anders als noch in der vergangenen Spielzeit, als schon am ersten Trainingstag das Ziel "einstelliger Tabellenplatz" verkündet wurde. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir wirklich so lange abwarten, bis der Kader komplett ist", erklärte Neuhaus.
Es ist an der Alten Försterei zu spüren, wie schwer die Saison 2011/12 auf den Schultern der Verantwortlichen lastet. Bei aller Freude über den fast vollzogenen Sprung ins obere Tabellendrittel – Union selbst hat damit die Latte um einiges höher gelegt und den Druck auf sich selbst erhöht. Das weiß auch der Coach. Vielleicht sei das Zögern "der Tatsache geschuldet, dass wir Schritt für Schritt nach oben gegangen sind", sagte Neuhaus. Und fügte vielsagend hinzu: "So viel Spielraum bleibt da optisch eigentlich nicht." Sechs Plätze, um genau zu sein.
Neuhaus und das Beispiel Fürth
Ist Union schon jetzt ein Kandidat für die Aufstiegsplätze? Neuhaus geht sofort in die Defensivposition. "Das würde ich von mir weisen." Stattdessen benennt der Trainer die Mutter aller Beispiele dafür, wie schwer es ist, tatsächlich den Sprung in die Eliteliga des deutschen Fußballs zu schaffen: "Die SpVgg Greuther Fürth." Insgesamt 15 Jahre brauchten die Franken nach ihrem Aufstieg in die Zweite Liga im Jahr 1997, um in diesem Frühjahr endlich den letzten, längst herbeigesehnten Schritt machen zu können. Dabei belegten sie einmal Platz vier, immerhin siebenmal Platz fünf sowie einmal Platz sechs.
Gerade wenn man diese Tabellenbereiche nimmt und natürlich auch die drei Bundesliga-Absteiger Hertha BSC, 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern dazu nimmt, die für Neuhaus ohnehin stets zu den Favoriten zählen, "dann wird die Luft nach oben hin immer dünner". Man merkt dem Übungsleiter an, wie sehr er nach der richtigen Formulierung sucht. Einer, die seiner Maxime entspricht, sich jedes Jahr verbessern zu wollen. Aber auch einer, die die Erwartungen nicht in unerfüllbare Höhen schraubt. "Wenn man vorher Zwölfter geworden ist, dann ist das einfacher", so Neuhaus.
Schönheim, Kopplin und Haas für defensive Stabilität
Die Frage wird außerdem sein, ob der Trainer seinem Team in dieser Zusammensetzung auch den nächsten Sprung zutraut. Mit Fabian Schönheim, Björn Kopplin und Torwart Daniel Haas wurden – wenn die beiden Letztgenannten denn wieder fit sind – drei Akteure geholt, die für mehr Stabilität in der Defensive sorgen sollen. Union stellte mit 58 Gegentreffern die viertschlechteste Abwehr in der vergangenen Saison.
Eine zu schwere Hypothek, wollen die Köpenicker sich dauerhaft im Vorderfeld der Liga einnisten. Von irgendwelchen Aufstiegsfantasien einmal ganz zu schweigen. Doch noch fehlt ein Spieler, der in der Offensive für einen Qualitätssprung sorgen könnte. Dass Union noch nach einem Angreifer sucht, "ist kein Geheimnis", sagte Neuhaus. Mit ein Grund, warum der Klub bei der Bekanntgabe des Saisonzieles so vorsichtig ist.
Zweitligaauftakt gegen Kaiserslautern
Angst vor einem Rückschlag hat Neuhaus nach Jahren des Aufwärtstrends nicht. "Je höher man kommt, desto schwieriger ist es sicherlich, das zu toppen. Aber Angst darf man davor nicht haben, sondern Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Das ist in den vergangenen Jahren auch bewiesen worden", erklärte Neuhaus. Er kennt aber auch die Mechanismen des Geschäfts: "Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage, alles andere als die ersten drei Tabellenplätze wäre eine Enttäuschung, und wir verlieren dann die ersten beiden Spiele – dann wird schon abgerechnet."
Was bleibt ist Schweigen auf die Frage nach dem Saisonziel. Neuhaus: "Ich weiß auch, dass mir das höchstens drei Wochen länger hilft." Maximal bis zum ersten Punktspiel am 6. August beim 1. FC Kaiserslautern.
















