08.07.12

Zweikampf

Union-Tor - Haas' Ausfall ist Glinkers Chance

Neuzugang Daniel Hass sollte die neue Nummer 1 werden. Nun fällt er wochenlang aus – und Publikumsliebling Jan Glinker kommt wieder zum Zug.

Foto: DPA
Daniel Haas (l.) und Jan Glinker (r.)
Konkurrenten im Union-Tor: Daniel Haas (l.) und Jan Glinker (r.) beim Auftakttraining mit Torwarttrainer Holger Bahra

Ob er es vielleicht doch schon geahnt hat, dass noch etwas auf ihn zukommen wird? Daniel Haas zeigte sich zum Trainingsstart des 1. FC Union zumindest angenehm überrascht. "Ich bin davon ausgegangen, dass die ersten Steine fliegen", sagte der Zugang aus Hoffenheim. Soweit ist es nun Gott sei Dank beim Berliner Fußball-Zweitligisten längst noch nicht, selbst dann nicht, wenn man – wie Haas – nach Köpenick geholt wurde, um den Publikumsliebling und die langjährige Nummer 1 Jan Glinker im Tor abzulösen. Es scheint dennoch ein Fluch auf den Neuen zwischen den Pfosten zu liegen. Denn seit Sonnabend ist klar: Haas ist verletzt und fällt für mehrere Wochen aus.

Das hatten sich Trainer Uwe Neuhaus und natürlich auch Haas anders vorgestellt. Anfang kommender Woche soll der Einriss des rechten Innenmeniskus operiert werden. "Das ist sehr bitter für Daniel und uns. Wir müssen nun die Operation abwarten, danach wissen wir, wie lange er voraussichtlich fehlen wird. Natürlich hoffe ich auf einen schnellen Heilungsverlauf, damit er bald wieder ins Training einsteigen kann", sagte Neuhaus. Nachvollziehbar, war Haas vom Coach doch schon Mitte Mai als neue Nummer 1 angekündigt worden: "Ich möchte auch auf der Torhüterposition in der nächsten Saison eine deutliche Weiterentwicklung sehen und bin überzeugt davon, dass er der richtige Mann dafür ist."

20:0 im Test gegen Annaburg

Eine Entscheidung pro Haas ohne Zweikampf mit dem langjährigen Stammkeeper Glinker? "Einen Zweikampf gibt es ja immer", hatte Neuhaus inzwischen relativiert: "Wenn Haas die Leistung nicht so zeigt, wie wir uns das vorstellen, dann muss Glinker natürlich da sein. Aber jetzt muss er erst einmal warten." Die Wartezeit ist dann doch schneller als angenommen vorbei, wobei sich Glinker ohne Zweifel die Voraussetzungen für seine Rückkehr ebenfalls anders vorgestellt hat. Am Sonnabend jedenfalls stand er im Testspiel beim SV Grün-Weiß Annaburg (Sachsen-Anhalt, achte Liga) im Tor. Und blieb ohne Gegentreffer. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Amateure beim 20:0 (6:0) der Unioner (Silvio und Mattuschka trafen je viermal) auch hoffnungslos überfordert gewesen sind.

Schon in der vergangenen Spielzeit hatte Neuhaus mit der Entscheidung, Glinker durch Marcel Höttecke abzulösen, kein glückliches Händchen gehabt. Nach dem zweiten Spieltag laborierte der ehemalige Dortmunder wochenlang an einer Oberschenkelzerrung. Glinker kehrte zurück ins Tor – und blieb. Selbst in der Saison 2010/11 kämpfte sich Glinker wieder heran, nachdem er aufgrund zahlreicher Patzer zunächst in die zweite Reihe versetzt worden war. Glinker nutzte seine Chance, und Höttecke kann sich inzwischen einen neuen Verein suchen.

Bei Neuhaus zählt Leistung

Ein ähnliches Szenario – wenn natürlich auch nicht mit dem Weggang von Haas am Saisonende – könnte nun erneut bevorstehen. Denn trotz aller Ankündigungen im Vorfeld: Bei Neuhaus, so macht es der Trainer jedenfalls immer wieder deutlich, zählt einzig und allein die Leistung. "Ich werde alles tun, nur nicht die Mannschaft schwächen", stellte Neuhaus klar. Soll heißen: Kann Glinker nicht nur in den verbleibenden Trainingswochen, sondern auch zum Saisonstart überzeugen, wird der Coach nicht umhinkommen, den bereits angekündigten Torwartwechsel wieder rückgängig zu machen.

Die ersten Eindrücke, die Haas bislang von Union hat sammeln können, waren jedenfalls "absolut positiv". Auch der Umgang der beiden Torhüter untereinander ist – so zeigen es die ersten Trainingseinheiten – von Konkurrenz und Respekt geprägt. Kein Vergleich zum Szenario Glinker/Höttecke, bei dem sich beide Kandidaten "fast vernichtet" hätten, so Neuhaus. Haas wurde im Übrigen wie Glinker mit einem Vertrag bis 2014 ausgestattet. Dass der Zweikampf um die Nummer 1 auch so lange dauern wird, darf allerdings bezweifelt werden.

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