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1. FC Union

Polizisten verletzen Union-Fanbetreuer

Das 0:0 des 1. FC Union am Sonntag beim SC Paderborn hat ein Nachspiel. Kein erfreuliches für Berlins Fußball-Drittligisten. Es geht um die Vorkommnisse im Vorfeld der Partie, in deren Verlauf es nicht nur 17 Festnahmen durch die Polizei in Paderborn gab, sondern auch zahlreiche Personen verletzt wurden.

Zu den Verletzten zählen Union-Fanbetreuer Lars Schnell und mit Michael Kühl von der Einsatzgruppe Hooligans (EGH) ein Polizeibeamter, der den Sonderzug nach Paderborn begleitet hatte. Beide haben Anzeige erstattet.

Union hat das Vorgehen der Polizei verurteilt. Laut Klub-Homepage kam es nach Ankunft am Hauptbahnhof sogar zu strafbaren Übergriffen durch die Beamten: „Nach Augenzeugenberichten wurde der Schlagstock vielfach gezielt in Kopfhöhe eingesetzt, ebenso wurde Pfefferspray teilweise Personen direkt ins Gesicht gesprüht“, heißt es auf der Union-Seite. Die Fan- und Mitgliederabteilung des Klubs hat alle Betroffenen aufgerufen, Verletzungen ärztlich attestieren zu lassen und Anzeige gegen unbekannt zu erstatten.

Derweil droht Union vor dem Arbeitsgericht eine Niederlage. Denn im Rechtsstreit um die fristlose Kündigung von Nico Patschinski am 4. März kommt es nach dem geplatzten Gütetermin nun am 3. Juni zur Verhandlung. Der 32-jährige Fußball-Profi konnte bereits gestern einen Teilerfolg verbuchen. So wies Richterin Iris Sanchez Alfonso den Klub an, die am 14. Januar ausgesprochene Abmahnung aus Patschinskis Personalakte zu entfernen und die Mitte Februar ausgesprochene Geldstrafe wegen vereinsschädigenden Verhaltens zurückzunehmen; die einbehaltenen 5000 Euro sind an den Spieler auszuzahlen. Beides hätte vor Gericht „wegen unbestimmter Begründungen keine Aussicht auf Erfolg“, erklärte die Richterin.

In Raum 521 des Arbeitsgerichts wurde schnell deutlich, dass Union seinen ehemaligen Stürmer so schnell wie möglich loswerden will. Union-Geschäftsführer Oskar Kosche, der den beklagten Klub vertrat und ohne Anwalt erschienen war, ließ ohne Umschweife wissen, dass er „mit dem Ziel der Einigung“ zum Gütetermin erschienen ist. Ein Angebot von Union-Seite – es geht um insgesamt rund 240.000 Euro (10000 Euro Monatsgehalt plus Prämien bei einer Vertragslaufzeit bis Ende Juni 2010) – gab es aber ebenso wenig wie konkrete Begründungen für das Vorgehen des Klubs.

Auf diese drängt nun das Arbeitsgericht. Richterin Sanchez Alfonso sprach von einem „Stimmungsbild“, das Kosche in seinen Ausführungen lediglich skizzierte. So hätte Patschinskis Verhalten den „sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg ernsthaft gefährdet“ (Kosche). Zudem hätte es herabwürdigende Äußerungen über Präsidiums-Mitglieder in der Öffentlichkeit gegeben.

Union ist per Auflage des Arbeitsgerichts nun aufgefordert, sich „näher zu konkreten arbeitsvertraglichen Pflichtverletzungen Patschinskis im Einzelnen“ zu äußern. Patschinski-Anwalt Frank Rybak erklärte: „Wenn es keinen Kündigungsgrund gibt, erwarte ich von einem professionellen Verein, dass er das anerkennt. Wir pochen auf Vertragserfüllung, Herr Patschinski hat sich nichts vorzuwerfen.“

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