08.05.12

Zweite Liga

1. FC Union steht vor großen Herausforderungen

Eine neue Tribüne und eine bessere Defensive: Die Eisernen aus Berlin-Köpenick haben sich für die nächste Saison viel vorgenommen.

Foto: DPA
FC St. Pauli - 1. FC Union Berlin
Geschafft: Union feiert das beste Zweitliga-Jahr seit dem Aufstieg 2009

Uwe Neuhaus steht nicht im Verdacht, sich im Glanz seiner Erfolge ausgiebig zu sonnen. Was natürlich nicht heißen soll, dass der Trainer des 1. FC Union nicht mit Wohlgefallen zur Kenntnis nimmt, wie sich seine Mannschaft entwickelt. "Natürlich genießt man das", sagte der 52-Jährige. Vor allem im Urlaub, wenn Stress und Anspannung der vergangenen Monate abfallen, "wird sich ein Genussgefühl einstellen". Mit Rang sieben wurde das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz deutlich erfüllt, "vor allem spielerisch haben wir enorm zugelegt", sagte der Coach. Erfolgreicher war Berlins Zweitligist unter Neuhaus noch nicht.

"Der Zuspruch der Menschen ist fantastisch und spiegelt die Gesamtentwicklung des Vereins wider, die sich auch in den Zuwächsen bei Mitgliedern und Sponsoren sowie im sportlichen Abschneiden ausdrückt", fasste Klubchef Dirk Zingler das Rekordjahr zusammen. Zuschauerboom (siehe unten), über 10.000 Mitglieder und rund 300 wirtschaftliche Partner haben dazu beigetragen, dass der Klub sich zu einer festen Größe in Liga zwei etabliert hat. "Mit vereinten Kräften werden wir auch die Herausforderungen meistern, die der Tribünenbau kommende Saison mit sich bringt", ist sich Zingler sicher. Dazu gehört auch, dauerhaft einen neuen Platz für das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zu finden. Schon während der Bauarbeiten werden die Profis die Plätze hinter dem Stadion, die bislang den Jugendteams vorbehalten waren, in Anspruch nehmen müssen. Längst hat Zingler in Sachen NLZ klargestellt: "Infrastrukturelle Entscheidungen müssen noch in diesem Jahr im Bezirk getroffen werden." Es braucht vier, fünf Plätze, um die über 20 Nachwuchsmannschaften adäquat unterbringen zu können.

Klar ist: Union will sich auch in 2012/13 weiterentwickeln. Klar ist aber auch: Die Schritte werden kleiner werden. Aufstieg 2009, Klassenerhalt 2010 und 2011, oberes Tabellendrittel 2012 – wer jetzt an den Angriff auf die Aufstiegsplätze 2013 denkt, darf noch als Träumer bezeichnet werden. Leistung bestätigen, Fehler minimieren, dies wird die Marschrichtung für die kommenden Monate sein. Dafür wird die Mannschaft, ganz in der Tradition der vergangenen Jahre, Stück für Stück verstärkt werden. Mit Rückkehrer Björn Kopplin (Bochum) ist der erste Zugang in der Verteidigung schon sicher, Stürmer Simon Terodde und Mittelfeldspieler Tijani Belaid sind inzwischen fest an Union gebunden.

Doch gerade in der Defensive wird Neuhaus nachrüsten müssen. Mit 58 Gegentoren hat Union in Liga zwei so viele Treffer kassiert wie noch nie im Profifußball. Und wieder wurde die Saison mit einer negativen Tordifferenz (minus 3) beendet – nur in Unions Premierenjahr 2001/02 gab es ein Plus (20). "Die Gegentore sind ein ganz wichtiger Punkt in der Vorbereitung für die nächste Saison", blickte Neuhaus bereits nach vorn. Am 17. Juni ruft er seinen Kader für ein Lauftrainingslager in Binz auf Rügen zusammen, Trainingsauftakt ist am 30. Juni in der Alten Försterei. Bis dahin wird er genügend Zeit gefunden haben, um das vergangene Spieljahr ausgiebig genießen zu können.

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