Fußball-Bundesliga
Union-Trainer Neuhaus kritisiert mangelnde Einstellung
Beim 0:2 gegen den abstiegsbedrohten Karlsruher SC bot Union Berlin eine kraftlose Vorstellung. Der Trainer fand danach deutliche Worte.
Uwe Neuhaus wusste nur zu genau, was auf seine Mannschaft am Sonntagnachmittag zukommen würde. "Das Spiel wird zu einer unangenehmen Aufgabe", hatte der Trainer des 1. FC Union vor der Partie beim Karlsruher SC noch orakelt. Der Trainerwechsel von Jörn Andersen zu Markus Kauczinski hatte die Badener in ihrem verzweifelten Kampf um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga zu einem Gegner werden lassen, den man gut und gerne mit einem angeschlagenen Boxer gleichsetzen kann. Nur die Köpenicker Kicker schienen offenbar nicht genau genug zugehört zu haben. Mit 0:2 (0:1) unterlag Union beim Abstiegskandidaten. Verdient, denn trotz aller Bekundungen im Vorfeld hatte der Auftritt der Gäste im Karlsruher Wildpark schon so etwas wie Sommerfußball.
Statt also mit einem Sieg schon jetzt, sechs Spieltage vor dem Saisonende, die 42 Punkte zu erreichen, die man in der vergangenen Spielzeit erst am Schluss sicher hatte, zogen sich die Spieler den Zorn ihres Übungsleiters zu. "Ich ärgere mich über die Einstellung, die vor allem in der ersten Halbzeit zu lasch gewesen ist", zürnte Neuhaus. Die Karlsruher hätten – anders als sein Team – "mit Leidenschaft und Ordnung" agiert, so der Coach. Beides hatte den Berlinern über weite Strecken der Partie gefehlt.
Terodde trifft nur die Latte
Sich nur darauf festzulegen, dass die Begegnung anders verlaufen wäre, hätte Simon Terodde nach 34 Sekunden von der Strafraumgrenze nicht nur die Latte, sondern ins Tor getroffen, ist zu einfach. "Sicher ist es in unserer Situation schwierig, sich zu motivieren", sagte Neuhaus. Union liegt mit 39 Punkten auf dem achten Platz und damit weiterhin im Niemandsland der Liga. Eine einwandfreie Leistung abzuliefern, wie vor der Partie eindeutig gefordert, "ist jedoch unser Beruf", erklärte Neuhaus. Wobei er den Begriff "Beruf" nur allzu deutlich betonte.
Schon in der Pause habe es deshalb deutliche Worte gegeben. Sie waren auch notwendig, denn Union lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit 0:1 zurück. Es lief die 13. Minute, als Christian Timm die große Lücke zwischen den Berliner Innenverteidigern Christian Stuff und Christoph Menz nutzte. Stuff versuchte den KSC-Stürmer in einem Sprint über 30 Meter noch zu stellen – vergeblich. Timm zog humorlos ab, der Ball schlug oben rechts ein. Torwart Jan Glinker war machtlos. Der Plan, auswärts endlich mal wieder zu Null zu spielen, war bereits gescheitert.
Donnerstag gegen Aue
"Wir hätten auf dem Platz zeigen müssen, dass wir gewinnen wollen – das taten wir nicht", bemängelte Unions Michael Parensen, der vom Trainer wieder ins linke Mittelfeld vorgezogen wurde. Neben ihm sollten Chinedu Ede, Kapitän Torsten Mattuschka und Patrick Zoundi, der am Sonntag die fünfte Gelbe Karte erhielt und nun am Gründonnerstag gegen Erzgebirge Aue (18 Uhr, Alte Försterei) gesperrt ist, hinter der einzigen Spitze Terodde für Offensivschwung sorgen. Die Ausbeute gegen die schwächste Abwehr der Liga (57 Gegentore in 28 Spielen) kann jedoch nur mit Wohlwollen als bescheiden bezeichnet werden. Auch nach dem Wechsel.
"Es gelingt nur ganz wenigen Teams, den Schalter nach der Pause umzulegen. Das müssen wir lernen", sagte Neuhaus. Die beiden Chancen durch Terodde, der im Doppelversuch an KSC-Torwart Dirk Orlishausen scheiterte (68.), und Zoundi, dessen Schuss im letzten Moment von Ionut Rada noch von der Linie gekratzt wurde (69.), waren schlichtweg zu wenig.
Tijani Belaid musste im Übrigen bis zur 83. Minute auf der Bank schmoren, ehe er für Mattuschka doch noch ran durfte. Offenbar hatte sich der Tunesier trotz der Chance, für den verletzten Silvio in die Startelf zu rücken, nicht mehr empfehlen können. Schließlich machte Neuhaus deutlich, was er davon hält, die Saison ob der sicheren Tabellenlage nur noch ausklingen zu lassen: "Sollte ich das Gefühl haben, dass dies bei einem Spieler so ist, dann hat er keine Chance mehr bei mir."
Aachen entlässt Funkel
Was ein Trainerwechsel im Endspurt einer Saison bewirken kann, hat man offenbar auch bei Alemannia Aachen bemerkt. Der neue Tabellen-17. zog gestern die Reißleine und entließ Friedhelm Funkel. Der ehemalige U23-Coach Ralf Aussem soll nun retten, was kaum noch zu retten ist. Bei Union wird man nach dem Auftritt in Karlsruhe schon erleichtert sein, dass man die Hürde Aachen bereits vor der Trainerpersonalie übersprungen hat – mit einem 3:1 vor zwei Wochen.















