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16.02.12

Margareta Kozuch

Das Desaster der Volleyball-Nationalspielerin

Die deutsche Volleyball-Nationalspielerin Margareta Kozuch erklärt im Interview bei Morgenpost Online, warum sie bei ihrem polnischen Klub Trefl Sopot streikt.

Gabo/Mey Bodywear

Die beiden Schönheiten wollen bei Olmypia 2012 in London Edelmetall holen. Vorher gab es noch ein Foto-Shooting.

8 Bilder

Sie will doch nur nur spielen, und Margareta Kozuch (25) ist ziemlich gut. Die Spielführerin der Volleyball-Nationalmannschaft überzeugte in Italien, in Russland und seit Anfang der Saison in Polen.

Doch anstatt sich auf ihren Sport und das im Mai bevorstehende Olympiaqualifikationsturnier mit dem deutschen Team konzentrieren zu können, hat sie andere Sorgen: Der Klub Trefl Sopot, polnischer Meister und Champions-League-Achtelfinalist, hat ihr und Nationalmannschaftskollegin Corina Ssuschke-Voigt bisher kein Gehalt gezahlt. Kozuchs Konsequenz: Sie streikte zwei Spiele.

Morgenpost Online: Frau Kozuch, schlachten Sie gerade Ihr Sparschwein?

Margareta Kozuch: Ja, das trifft irgendwie zu. Ich lebe von meinem Ersparten. Zum Glück stellt der Klub eine Wohnung und ein Auto.

Morgenpost Online: Haben Sie von dem Verein überhaupt schon einmal Gehalt bekommen?

Kozuch: Nein, gar nichts.

Morgenpost Online: Wie konnte es so weit kommen?

Kozuch: Das wüsste ich auch gern. So richtig können wir das nicht nachvollziehen – mal wird dies gesagt, mal jenes. Wir hatten im Oktober sehr viel Unruhe im Verein. Anfang Dezember wurde dann der Vorstand ausgewechselt, warum auch immer. Das sind alles Dinge, die wir nicht richtig mitbekommen. Dass neue Leute in neuen Positionen ein bisschen Anlauf brauchen, ist normal. Wir dachten also, die Situation müsste langsam mal in den Griff zu bekommen sein, aber das ist bisher nicht geschehen.

Morgenpost Online: Das klingt sehr undurchsichtig. Wie kommen Sie damit klar?

Kozuch: Es ist keine einfache Situation, aber wir hoffen noch auf ein gutes Ende. Uns wurden viele Versprechen gegeben, die jedoch nicht gehalten wurden. Ich weiß nicht, wie es weitergeht – das verunsichert und belastet mich.

Morgenpost Online: Was hält Sie dann noch dort?

Kozuch: Es war immer schon mein Wunsch, einmal in Polen zu spielen. Ich bin zwar in Deutschland geboren, aber meine Familie kommt aus Polen. Wir haben hier in der Nähe von Danzig, wo ich wohne, auch ein Grundstück, zu dem wir jedes Jahr kommen. Dadurch fühle ich mich mit der Stadt verbunden. Der Ort, das Team, gute sportliche und ökonomische Voraussetzungen – es waren viele Dinge, die mich hierher gezogen haben.

Morgenpost Online: Bereuen Sie den Schritt nicht?

Kozuch: Ich bereue die Entscheidung nicht, so etwas kann überall passieren. Aber es fing schon schwierig an. Die Voraussetzung für mich war, mit meinem Freund zusammen hierherzuziehen. Der Verein hat sich um eine berufliche Lösung auch für ihn gekümmert – das hat dann aber doch nicht geklappt.

Morgenpost Online: Ist aus dem Traum dann nicht ein Albtraum geworden?

Kozuch: Es ist schon frustrierend, aber was das Leben hier angeht, fühle ich mich pudelwohl – sonst würde ich es wahrscheinlich nicht aushalten. Ich fühle mich nicht allein, die Mädels aus dem Team sind da, und wir gehen oft gemeinsam essen. Die Wohnung ist schön, wir sind direkt am Strand – ein bisschen Meeresluft zu schnuppern, das ist wunderbar. Ich vergesse aber nicht, weshalb ich hier bin. Wenn das Drumherum nicht so toll wäre, hätte ich viel früher auf den Tisch gehauen und auch gesagt: "Ich gehe!"

Morgenpost Online: Drei Mannschaftskolleginnen von Ihnen haben das getan. Warum haben Sie die Wechselfrist am 31. Januar verstreichen lassen?

Kozuch: Ich hatte Möglichkeiten zu wechseln und hätte es auch getan, aber ehrlich gesagt, konnten sich die Seiten nicht einigen. Mein Klub hat beteuert, alles werde gut, und sie wollen nicht, dass ich gehe. Dann habe ich entschieden zu bleiben.

Morgenpost Online: Schweißt die Situation die Mannschaft zusammen oder gibt es Spannungen?

Kozuch: Ein Teil der Mannschaft wurde bezahlt – jeder hat andere Verträge. Nur die ausländischen Spielerinnen haben wirklich nichts bekommen. Alle anderen haben wenigstens einen Teil ihrer Gehälter erhalten. Aber es schweißt natürlich zusammen, weil wir uns gegenseitig unterstützen. Am Ende hilft aber nur, wenn ich weiß: Es wurde gezahlt. Dann fällt mir ein Stein vom Herzen.

Morgenpost Online: Sie haben in zwei Ligaspielen gestreikt. Ein drastisches Mittel. Warum sind Sie diesen Weg gegangen?

Kozuch: Ich wurde vor der Kamera gefragt: "Geht es euch besser, nachdem die Situation im Griff ist?" Es hatte sich aber noch überhaupt nichts geändert. Viele wussten das nicht. Es ging mir darum, das publik zu machen und zu sagen: "Wir spielen hier ohne Geld und machen jetzt Druck. Das kann nicht sein!"

Morgenpost Online: Was hat es gebracht?

Kozuch: Es hat ein bisschen Aufruhr gegeben. Dennoch verzögert sich alles, auch wenn ich das Gefühl habe, dass sich etwas bewegt. Ich kann jedoch nicht sagen, ob sich morgen etwas verändert, in den nächsten Wochen oder in einem Monat.

Morgenpost Online: Dienstag sind Sie beim ersten Play-off-Spiel angetreten. Ist das nicht inkonsequent?

Kozuch: Ich hatte zwei Stunden vor dem Spiel mündlich die Garantie bekommen, dass ein Teil des Geldes kommen wird. Nur deshalb habe ich mich umentschieden, doch zu spielen. Ich hoffe weiter.

Morgenpost Online: War nicht auch ein Grund, dass Sie Spielpraxis für die Olympiaqualifikation mit der deutschen Mannschaft benötigen?

Kozuch: Wir haben hier dieses Jahr so viele Spiele: Champions League, polnische Liga, Pokal. Da machen fünf Spiele mehr oder weniger keinen Unterschied. Wichtig ist, dass ich im Training bleibe.

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