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28.02.10

Vancouver 2010

Maria Riesch wird nach Olympia zur Millionärin

Vor den olympischen Winterspielen schlugen Maria Riesch und ihr Manager Marcus Hoefl einige Werbeangebote aus – und pokerten erfolgreich. Denn durch die zwei Goldmedaillen hat die 25-Jährige ihren Marktwert jetzt verdoppelt. Das nächste Ziel ist ein Heldenstatus wie der von Franz Beckenbauer.

Getty Images/Getty

Eishockey, Männer: Kanada

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Wenn man so möchte, hat Maria Riesch, 25, jetzt die Champions League erreicht. Nach dem Weltmeistertitel 2009 jetzt auch noch Doppel-Olympiasiegerin. Besser geht es kaum – "ein Wahnsinn". Da ist es nur allzu nachvollziehbar, dass sie mit den anderen deutschen Olympioniken am Dienstag beim Empfang in München ein seltenes Privileg genießen darf: Einen Autokorso zum Marienplatz vom Siegestor aus. "Das ist was Besonderes", frohlockt Riesch, "da dürfen sonst nur die FC-Bayern-Spieler durch, und wenn wir es dürfen, dann heißt das schon was."

Riesch ist schließlich Skirennläuferin, und als solche zwar sagenhaft erfolgreich, aber eben erst irgendwo am Anfang einer Reise, von der noch niemand weiß, wo sie endet. Nur die Richtung, die scheint allerspätestens seit Freitag klar, als die groß gewachsene Bayerin in Whistler Creekside nach der Super-Kombination auch das Slalomrennen gewann. Die Richtung heißt: nach oben, und zwar möglichst weit.

Neben der mit zweimal Gold und einmal Silber dekorierten Biathletin Magdalena Neuner, 23, avancierte Maria Riesch zur erfolgreichsten deutschen Olympiateilnehmerin. Selbst erfahrenste Fachleute verblüfft die Allrounderin immer wieder aufs Neue mit ihrer Eigenschaft, Rückschläge auf der Piste fix abzuhaken um fürderhin gestärkt daraus hervorzugehen. Lähmender Druck? I wo! "Wenn man Weltmeisterin und Olympiasiegerin wird – und das souverän –, dann muss man außergewöhnlich sein", sagt der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier, 49, anerkennend.

Auch Rosi Mittermaier, 59, war hin und weg. "Wie cool die Maria das gemacht hat! Es geht hoffentlich weiter so, es werden weitere Olympische Spiele kommen. Wir trauen ihr alles zu", sagte die zweimalige Olympiasiegerin von 1976 in ungewohntem Neudeutsch. Mittermaier ahnt gleichwohl: "Es wird jetzt einiges auf sie einprasseln."

Riesch fühlt sich gewappnet für das, was kommt. Nicht nur sportlich. Sie weiß, dass sie ihr Gold nun vergolden kann auf einem Werbemarkt, der nach liebenswerten Sporthelden lechzt. Und diesem Markt ist die flotte Bayerin durchaus nicht abgeneigt. Eine "perfekte Ausgangsposition" nennt ihr Manager Marcus Hoefl, 36, nun die Olympiasiege für seine Klientin, die er seit Sommer 2009 betreut.

Hoefl, auch Berater von Fußballlegende Franz Beckenbauer, 64, und Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick sagte dieser Zeitung: "Wir haben das Selbstvertrauen gehabt, viele Anfragen vor Olympia nicht abzuschließen, weil wir davon ausgegangen sind, dass es hier in Kanada gut läuft. Das Wichtigste ist, jetzt, gute, langfristige Partner zu finden." Schon vor Vancouver tauchte Rieschs Name ja in der "Forbes"-Liste der zehn bestverdienenden Wintersportler auf. Nun, glaubt Hoefl, "hat sich ihr Marktwert verdoppelt".

Ob das auch auf ihren bundesweiten Bekanntheitswert zutrifft, wird sich erst nach Ende der Wettkämpfe seriös messen lassen. Den Sympathiewerten keineswegs abträglich war überdies, was sich als kleines Drama im Drama abspielte. Nach ihrem durch Nervenstärke und Willenskraft im Schneetreiben erkämpften Slalom-Olympiasieg sah man Maria Riesch zeitweilig recht unglücklich dreinschauen – in jenem Moment nämlich, als sie ihre Schwester Susanne, 22, ganz fest an sich drückte um Trost zu spenden.

Als Viertplatzierte hatte die zweite Weltklasse-Slalomläuferin aus dem Hause Riesch am Freitag im zweiten Durchgang Kurs auf eine Medaille genommen, bis sie im letzten Drittel der Strecke patzte und ausschied. "Für sie war es wahrscheinlich einer der bittersten Momente in der Karriere", fühlte Maria nach und gestand glaubhaft: "So sehr ich mich über mein Gold gefreut habe, so sehr habe ich auch gelitten. Es hilft einem in dem Moment, wenn man so verärgert ist, der ganze gute Zuspruch nichts." Den richtigen Ärger müsse Susanne "jetzt aber selber verkraften".

Auch dies ist eine Devise, die sich die beste deutsche Skirennläuferin seit Katja Seizinger und Co. nach ihrem Weltcupdebüt vor mittlerweile neun Jahren im Knochenjob Leistungssport anerzogen hat: hinfallen, Mund abputzen, aufstehen, weitermachen. Zumal der Alltag keine Zeit zum Luftholen lässt.

Am Samstag etwa flog Maria Riesch mit ihrer Familie schon wieder zurück gen Heimat, am Dienstagabend geht es weiter zum vorletzten Weltcup nach Crans Montana, zwei Wochen später steht der Saisonabschluss in Garmisch-Partenkirchen an. Riesch sagt: "Ich bin noch total motiviert", und kündigte an, von Partyexzessen Abstand zu nehmen: "Brutal die Sau rauslassen werden wir vorher nicht."

Dankbar spannen sie ihr junges Idol zu Werbezwecken für Weltcup und alpine Ski-WM 2011 in ihrer Heimatstadt ein, wo am Freitagabend geschätzte 3000 Fans gemeinsam beim Public Viewing feierten. "Wenn man sich mal vorstellt, was da los ist", staunt Markus Wasmeier, 46, der Doppelolympiasieger von 1994. "So viele junge Leute sind darunter, und die merken: Hey, das ist eine von uns! Was das für eine Motivation auslösen kann, es der Maria nachzutun."

Die ältere der Riesch-Schwestern hat sich längst mit ihrer Rolle als Vorzeigefrau für jedermann arrangiert. Nun gilt es nach dem fantastischen Erfolg von Whistler ("Der größte Tag in meinem Leben") legitimerweise auch persönlich Profit aus der Erfolgswelle zu ziehen – zumal die 25-Jährige nach ihren zwei Kreuzbandrissen 2005 weiß, wie schnell eine Skirennläuferin weg sein kann vom Fenster.

Manager Hoefl hat bereits für die nächsten vier Wochen Termine eingetütet, Einnahmen in neuen Dimensionen winken. Er sagt: "Man muss den Schwung jetzt mitnehmen", betont aber gleichzeitig: "Der Sport wird für Maria immer im Vordergrund stehen. Das ist das A und O. Daran werden wir nicht rütteln, das würde sie auch nicht mitmachen. Maria würde nie etwas tun, was nicht authentisch ist, was nicht zu ihr passt."

In einem Positionspapier hat seine Agentur einige Attribute zusammengetragen. Von "freiheitsliebender Powerfrau" ist da die Rede, von "Gewinner-Attitüde" und von "Geschwindigkeit und Dynamik". Hoefl meint: "Maria hat das Potenzial, in die allererste Liga aufzusteigen, und erste Liga in Deutschland bedeutet für mich: Beckenbauer, van Almsick, Becker." Ein Vermarktungspotenzial wie Maria Riesch haben nicht viele, glaubt ihr Manager. Und das Beste sei: "Sie hat noch mindestens fünf sehr gute Jahre vor sich."

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