Maria Riesch
"Dieser Abschluss ist die absolute Krönung"
Maria Riesch hatte eine Vorahnung: "Schon in der Früh habe ich gefühlt, dass da etwas Besonderes passieren könnte." Am Ende des Tages gab es nach dem Erfolg in der Super-Kombination das zweite Gold für die 25-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen. Trotzdem hat die Doppel-Olympiasiegerin zwiespältige Gefühle.
Frage: "Maria Riesch, nach dem Olympiasieg in der Super-Kombi haben Sie noch Slalom-Gold gewonnen. Sie galten zwar als Kandidatin für eine Medaille, aber haben Sie selbst mit Gold gerechnet?"
Maria Riesch: "Nein, daran hätte ich niemals gedacht. Dieser Abschluss ist die absolute Krönung. Aber ich hatte einfach wieder so einen starken Tag. Schon in der Früh habe ich gefühlt, dass da etwas Besonderes passieren könnte."
Frage: "Ihr Gefühl hat Sie nicht getäuscht. Fühlt sich dieser Sieg denn anders als der erste an?"
Riesch: "Ja, ich kann es jetzt erst so richtig genießen, denn jetzt sind die Olympischen Spiele vorbei. Wenn man da unten steht und weiß, es kommt keiner mehr, man kann nicht beschreiben, was das für ein Gefühl ist. Ich kann nicht mehr sagen, als dass es ein purer Wahnsinn ist. Gold in der Super-Kombi ist schon gut, aber jetzt noch Slalom-Gold - das ist unglaublich."
Frage: "Ist Ihnen der Triumph im Slalom noch wichtiger?"
Riesch: "Naja, die Kombi ist schon auch viel wert, aber da ist die Leistungsdichte nicht so hoch, da wurden nur fünf Leute vorne erwartet. Im Slalom sind es deutlich mehr. Die Abfahrt ist zwar die Königsdisziplin, aber der Slalom ist so spannend, vielleicht die action-reichste Disziplin. Deshalb ist das noch größer für mich."
Frage: "So groß, dass sie erst die dritte Deutsche sind, die zweimal Alpin-Gold bei ein und denselben Spielen gewinnt. Bedeutet Ihnen das etwas?"
Riesch: "Ja, sehr viel. Ich habe was geschafft, was nur zwei vor mir geschafft haben. Mich da einzureihen, bei Rosi Mittermaier und Katja Seizinger, ist eine riesengroße Ehre für mich, einfach Wahnsinn."
Frage: "Im Ziel mussten Sie aber auch Ihre Schwester Susanne trösten, die, eine Medaille vor Augen, einfädelte und ausschied."
Riesch: "Für mich ist es deshalb auch ein Zwiespalt. Für mich ist das der größte Tag in meinem Leben, das zweite Gold, und für meine Schwester der bitterste Tag ihrer Karriere. Für sie ging kurz vor dem Ziel alles zuende, die ganze Welt unter. Ich leide total mit ihr. Wir haben beide geweint. Aber sie wurde von allen im Team gut getröstet, jetzt ist sie wieder wohlauf."
Frage: "Am kommenden Wochenende geht es für Sie im Weltcup weiter. Interessiert Sie das überhaupt noch?"
Riesch: "Zweimal Gold, das ist so großartig - was im Weltcup jetzt noch passiert, ist nicht mehr so wichtig. Trotzdem würde ich gerne noch die Slalom-Kugel gewinnen und gerne den Gesamtweltcup. Aber nichts kann besser sein als zweimal Gold."
Frage : "Im vergangenen Jahr zwei WM-Titel, jetzt dreimal Gold bei Olympia. Was ist nur mit dem deutschen Frauen-Team los?"
Riesch: "Wir sind seit Jahren im Kommen. Dass es jetzt auch bei Großereignissen klappt, ist ein großer Befreiungsschlag. Und dann holen wir hier nur Gold, es ist ja alles Gold. Unser Trainer Mathias Berthold hat vor dem Slalom noch im Spaß gesagt: Silber, Bronze, wer braucht das schon? Wir wollen nur Gold! Das Team schwimmt auf einer Welle des Glücks. Mit dreimal Gold hätte vorher niemand gerechnet."
Frage: "Wird das denn bei der WM 2011 in ihrer Heimatgemeinde Garmisch-Partenkirchen so weitergehen?"
Riesch: "Wir haben jedenfalls eine junge Mannschaft, die noch wachsen und sich an den Erfolgen hochziehen kann. Die Heim-WM ist ein großes Ziel für uns alle."
Lesen Sie am Samstag in der Tageszeitung "Die Welt", was Frank Wörndl, Silbermedaillen-Gewinner im Slalom 1988, Felix Neureuther bei Olympia zutraut.
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