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27.02.10

Olympia-Ticker

Kanadierinnen entschuldigen sich für Eis-Sause

Obwohl sich Kanadas Eishockey-Spielerinnen für ihre ausschweifende Jubelfeier nach dem Olympiasieg entschuldigt haben, droht der Sause weiterhin ein Nachspiel. Außerdem: Nach dem Erdbeben in Chile gibt es eine Tsunami-Warnung für Vancouver, und drei deutsche Shorttracker kündigen Rücktritt an.

Getty Images/Getty

Eishockey, Männer: Kanada

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++++ Die kanadischen Eishockey-Spielerinnen haben sich für ihre Jubelfeier nach dem Olympiasieg entschuldigt . Das ganze Team hatte den 2:0-Finalerfolg gegen den Erzrivalen USA auf dem Eis mit Bier und Zigarren gefeiert und sich dadurch den Zorn des IOC zugezogen. "Es tut uns leid, wir wissen, dass es besser gewesen wäre, in der Kabine zu feiern", sagte die kanadische Spielerin Jayna Hefford. Vor allem ihrer Teamkollegin Marie-Philip Poulin könnte wegen der Bier-Party Ärger drohen. Denn in der kanadischen Provinz British Columbia ist Alkoholkonsum erst ab 19 Jahren per Gesetz erlaubt. Poulins 19. Geburtstag ist erst am 28. März. "Die Goldmedaille zu gewinnen, ist das Größte für mich. Ich wollte diesen Moment genießen, und deshalb haben wir auf dem Eis gefeiert", sagte der Teenager. Dass sie durch den Alkoholkonsum gegen das Gesetz verstieß, habe sie in diesem Augenblick gar nicht bemerkt, sagte Poulin und entschuldigte sich: "Das war ein Fehler, ich werde daraus lernen. Das wird nicht wieder vorkommen." Für das IOC ist der Fall damit allerdings nicht erledigt. Laut IOC-Sprecher Mark Adams werde man das Organisationskomitee VANOC schriftlich dazu auffordern, alle Details der wilden Eisparty zu nennen. Er betonte aber auch, dass es sich dabei nicht um eine offizielle Untersuchung handele. ++++

++++ Der deutsche Chef de Mission hat eine positive Bilanz der Olympischen Winterspiele in Vancouver gezogen. "Aus unserer Sicht hat die deutsche Mannschaft eine fantastische Leistung abgeliefert", resümierte Bernhard Schwank am Samstag bei der Abschlusspressekonferenz. "Sie ist intakt geblieben und hat jeden Tag mindestens eine Medaille abgeliefert." Nach 78 von 86 Entscheidungen belegte Deutschland mit 27 Edelplaketten, davon neun goldene, Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Kanada. Die Gastgeber gewannen bis dato nur 21 Medaillen, davon allerdings zehnmal Gold. Dritter der Wertung ist die USA mit 34 Medaillen inklusive acht Gold. ++++

++++ Für die Küste der kanadischen Provinz British Columbia mit der Olympiastadt Vancouver ist am Samstag eine Tsunami-Warnung herausgegeben worden. Nach dem schweren Erdbeben in Chile mit mehr als 120 Toten teilte die zuständige Provinzbehörde PEP (Provincial Emergency Programm) mit, dass gegen 15.11 Uhr Ortszeit (Sonntag 00.11 Uhr MEZ) Ausläufer des Tsunamis auf die Südküste von British Columbia träfen. PEP-Offizielle ergänzten, eine große Welle werde nicht erwartet, tiefliegende Küstengebiete seien allerdings gefährdet. Sie schlugen lokalen Behörden vor, ihre Evakuierungspläne für Häfen, Strände und Gebiete unterhalb des Meeresspiegels zu aktivieren. ++++

++++ Das chilenische Olympia-Team erwägt nach dem schweren Erdbeben in der Heimat mit über 120 Todesopfern einen Verzicht auf die Teilnahme an der Schlussfeier am Sonntag im BC Place von Vancouver. Das Beben vor der Küste Chiles hatte eine Stärke von 8,8 auf der nach oben offenen Richterskala erreicht. Wie der chilenische Mannschaftssprecher Luis Alberto Santa Cruz erklärte, wollen die Sportler so schnell wie möglich Vancouver verlassen. Chile ist mit drei alpinen Skifahrern bei Olympia vertreten. Alle haben ihre Wettbewerbe bereits beendet. ++++

++++ Die deutschen Shorttracker stehen nach den Olympischen Winterspielen von Vancouver vor dem Umbruch . Nach ihrem letzten Wettkampftag kündigten Tyson Heung (Dresden) und Sebastian Praus (Mainz) sowie die Rostockerin Aika Klein ihr bevorstehendes Karriereende an. Alle drei werden in drei Wochen nach der Mehrkampf-WM in Sofia (19. bis 21. März) die Schlittschuhe an den Nagel hängen. "Es war eine sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte, aber leider kann ich vom Sport allein nicht leben", sagte Klein. Die Staffel-Europameisterin, die in Kürze ihr BWL-Studium beendet, hatte in Rang 16 über 1000 m ihre beste Platzierung in Vancouver. Der gebürtige Kanadier Heung war über 500 m überraschend Fünfter geworden. ++++

++++ Auch am letzten Olympia-Wochenende sorgt das Interesse der Fernsehzuschauer für Top-Quote n. 8,5 Millionen Skifans feierten am Freitagabend die zweite Goldmedaille für Maria Riesch vor dem Bildschirm. Die Live-Übertragung der Slalom-Entscheidung mit dem Sieg von Maria Riesch bescherte der ARD um 22.30 Uhr einen hohen Marktanteil von 34,1 Prozent. Zuvor hatten 8,19 Millionen Zuschauer (25,2 Prozent) vergeblich der deutschen Herren-Staffel im Biathlon die Daumen gedrückt. ++++

++++ Sam Sullivan , der vor vier Jahren als Bürgermeister von Vancouver bei der Schlussfeier der Olympischen Winterspiele von Turin im Rollstuhl ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit fuhr, ist zu Kanadas Botschafter für die Paralympics ernannt worden. Die Olympischen Winterspiele der Behindertensportler beginnen am 12. März . Sullivan ist inzwischen nicht mehr im Amt. Vor vier Jahren sorgte er bei der Flaggenübergabe mit seinem "Rollstuhl-Shuffle" für Furuore. Mit seinem Engagement bei den Paralympics schließe sich für ihn ein Kreis, sagte Sullivan, der sich weiter für die Anliegen von Behinderten einsetzen will. Er hofft, bei den Paralympics die Lücke im öffentlichen Interesse zwischen den Olympischen Winterspielen und den Paralympics verkleinern helfen zu können. ++++

++++ Die kanadische Eiskunstläuferin Joannie Rochette und Sloweniens Ski-Langläuferin Petra Majdic sind in Vancouver mit dem "Terry-Fox-Preis" geehrt worden. Mit der neu geschaffenen Auszeichnung würdigt das Olympia-Organisationskomitee VANOC Athleten, die die "Welt mit Mut, Demut und athletischen Fähigkeiten" während der Winterspiele berührt haben und "über ein Unglück durch Entschlossenheit triumphiert haben". Zwei Tage vor Beginn des Eiskunstlauf-Wettbewerbes war Joannies Rochettes Mutter in Vancouver gestorben. "Es ist für mich eine große Ehre, diesen Preis zugesprochen zu bekommen", sagte Rochette unter Tränen, "ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Leistung so viele Menschen inspirieren kann." Sie war trotz des Todes ihrer Mutter angetreten und hatte Bronze gewonnen. Langläuferin Majdic war kurz vor dem Wettkampf beim Einlaufen zum Sprintwettbewerb eine Böschung hinab gestürzt. Sie zog sich vier Rippenbrüche und einen Lungenfellriss zu und holte trotz der Verletzungen die Bronzemedaille. "Verfolge deine Ziele, dann wirst du belohnt", sagte die Slowenin bei der Preisübergabe. Die Trophäe in Form einer Holztafel erinnert an den kanadischen Volkshelden Terry Fox, der 1980 mit seinem "Marathon der Hoffnung" ein ganzes Land rührte. Der an Knochenkrebs erkrankte und am rechten Bein unterschenkelamputierte 21-Jährige startete in St. John's, Neufundland, zu seinem Lauf quer durchs Land nach Victoria an der Pazifikküste. Der Lauf wurde am 1. September in Thunder Bay (Ontario) jäh gestoppt, als nach 143 Tagen und 5373 Kilometern Krebs auch in der Lunge diagnostiziert wurde. Terry Fox starb am 28. Juni 1981. Bis heute sind beim "Terry Fox Run" in Kanada und in anderen Ländern mehr als 500 Millionen Kanada-Dollar (349 Millionen Euro) für die Krebsforschung gesammelt worden. ++++

++++ Ski-Rennläuferin Anja Pärson will ihren Rücktritt möglicherweise noch einmal aufschieben. "Ich hoffe, ich kann nach der Pause im nächsten Jahr noch mal zurückkommen. Es sprechen mehr Dinge dafür als dagegen", sagte die Schwedin nach dem Slalom-Wettbewerb. Pärson, die beim zweiten Olympiasieg von Maria Riesch ausschied, hatte zunächst nach dieser Saison aufhören wollen. Eine medizinische Untersuchung in den kommenden Tagen soll Aufschluss darüber geben, ob sie doch weiterfahren kann. "Wer mich kennt weiß, dass ich nur antrete, wenn ich hundert Prozent geben kann", sagte sie. In Whistler hatte Pärson nach einem furchterregenden Sturz in der Abfahrt Bronze in der Super-Kombination gewonnen. Ihr einziges olympisches Gold holte sie 2006 in Turin (Slalom). "Meine Karriere handelte immer davon, Rekorde zu brechen. 99 Prozent von dem, was ich erreichen wollte, habe ich erreicht", sagte sie. ++++

++++ Die Kanadier wollen sich bei der Schlussfeier der olympischen Winterspiele selbst auf die Schippe nehmen . "Wir werden auf kanadische Weise 'goodbye' und 'thank you' sagen. Wir werden wahrscheinlich ein paar Späße über uns machen", sagte John Furlong , Präsident des Organisations-Komitees Vanoc, vor der letzten Veranstaltung am Sonntagabend um 17.30 Uhr Ortszeit im überdachten BC Place. Er deutete an, dass sich Athleten und Zuschauer amüsieren und ein anderes Bild von Kanada gewinnen würden. "Wenn sie nach Hause gehen, werden sie ein bisschen mehr über uns wissen", sagte er. Die Show selbst, fügte der Vanoc-Chef hinzu, werde mit ein paar kanadischen "Mythen aufräumen". Angeblich ist zum Abschluss auch ein Auftritt der weltbekannten Country-Pop-Sängerin Shania Twain geplant. ++++

++++ Mit "Galgenhumor" hat Russlands Eishockey-Nationaltrainer Wjatscheslaw Bykow auf die Kritik in den heimischen Medien am blamablen Viertelfinal-Aus bei Olympia gegen Gastgeber Kanada reagiert. "Lasst uns die Guillotine oder die Galgen herausholen. Wir haben 35 Leute im Kader. Lasst uns sie alle auf dem Roten Platz einen Kopf kürzer machen", wird Bykow in der russischen Zeitung Sowjetski Sport zitiert. Die 3:7-Niederlage gegen den Erzrivalen Kanada war demütigend und historisch zugleich für das russische Team um Superstar Alexander Owetschkin: Zum ersten Mal seit der Premiere bei Winterspielen 1956 hatte die "Sbornaja" den Sprung unter die besten vier Teams verpasst. ++++

++++ Joannie Rochette , Olympia-Dritte im Eiskunstlauf, verzichtet bei der traditionellen Eis-Gala der Spiele von Vancouver auf ihre gewohnte Schaulauf-Nummer . Zu Ehren ihrer Mutter Therese, die vor knapp einer Woche im Alter von 55 Jahren gestorben war, wird die Kanadierin ein Programm zum Titel "Fly" von Celine Dion präsentieren. "Meine Mutter war ein großer Fan von Celine Dion und hat ihre Lieder immer sehr gerne mitgesungen", sagte Rochette zur Begründung. Der ursprünglich geplante Song wäre auch etwas unpassend gewesen: "Die another day" (Stirb an einem anderen Tag) aus dem gleichnamigen James-Bond-Film, gesungen von Madonna. ++++

++++ Robert Gibbs, Pressesprecher im Weißen Haus , muss bei seinem nächsten offiziellen Termin ein kanadisches Eishockeytrikot tragen. Er löst damit eine verlorene Wette gegen seinen kanadischen Amtskollegen Dimitri Soudas ein. Beide hatten auf einen Olympiasieg ihrer Eishockey-Frauen gesetzt, das Endspiel gewann Kanada gegen die USA mit 2:0. ++++

Quelle: dpa, sid/gm
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