28.08.12

Wilde Hockey-Party

Traumschiff fordert halbe Million Euro Schadenersatz

Nach seinem Olympiasieg erhält das Hockeyteam die Rechnung für die Siegerparty auf der MS Deutschland. Die Reederei will wohl eine halbe Million Euro. Der Veranstalter nennt die Summe "unrealistisch".

Foto: picture alliance
Hockeymänner
Schon im deutschen Haus ließen die Hockeymänner die Korken knallen, später ging es weiter aufs Traumschiff

Sie tanzten auf Tischen und Stühlen, rauchten dicke Zigarren und tranken Bier und Schnaps in Strömen. Wohl keine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London wurde so ausschweifend gefeiert wie die der Hockey-Herren.

Schon als die Mannschaft damals die MS Deutschland in den frühen Morgenstunden verließ, war klar, dass "einiges kaputtgegangen ist" (Sportdirektor Heino Knuf). Nach Informationen der "Bild" verlangt die Reederei nun eine halbe Million Euro, um die entstandenen Schäden zu reparieren.

Brandlöcher in der Teak-Verkleidung

Es geht demnach um Brandlöcher in der wertvollen Teakholz-Verkleidung des Casinoraums, eine zerbrochene Glasscheibe sowie zahlreiche Flecken durch ausgelaufene Getränke. Den größten Posten aber nimmt die Liegezeit ein."Die Teppiche und Polstermöbel lassen sich nunmal nicht im laufenden Betrieb austauschen", sagt Reederei-Sprecherin Kornelia Kneissl. Angeblich kostet jeder Tag an Land die Reederei 75.000 Euro.

Obwohl Der Deutsche Hockey-Bund (DHB) damals umgehend angekündigt hatte, für den Schaden aufzukommen, sollen nun auch der Reiseveranstalter Dertour und der Berliner Party-Veranstalter TOP-Sport zur Rechenschaft gezogen werden. Wer welchen Schaden bezahlen soll, steht noch nicht fest. Auslöser für die Feierlichkeiten war ein 2:1-Finalerfolg über den Erzrivalen Niederlande.

Martin Seeber, der Geschäftsführer des Veranstalters, wies die Forderungen mittlerweile gegenüber der Berliner Morgenpost als "unrealistisch" zurück: "Ich habe nicht mehr gesehen als geringe Schäden."

In Zukunft disziplinierter

Beim DHB ist nach eigenen Angaben noch keine Rechnung eingegangen. Kurz nach der Party-Nacht hatte die Verbandsspitze ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat geführt. "Wir wollen mit dieser Mannschaft auch in Zukunft Erfolge feiern", sagte Knuf damals, "sie sollten dabei aber so diszipliniert sein, wie sie es auch auf dem Platz sind."

Allzu viele Sieger-Partys mit anschließender Schadenersatzforderung kann sich der Verband nicht leisten. Der Jahres-Etat soll bei gut zwei Millionen Euro liegen. Und auch die Goldprämie der Mannschaft wäre nicht genug. 16 Spieler waren dabei. 15.000 Euro gab es pro Kopf für den Olympiasieg. Macht 240.000 Euro.

Quelle: WO/sip
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