16.08.12

Weitere Zeugenbefragung

Missbrauchsprozess gegen Schwimmtrainer vertagt

Überraschung im Missbrauchsprozess gegen einen Olympiatrainer: Das Kieler Amtsgericht will am Freitag zusätzliche Zeugen hören. Zuvor hatte der Angeklagte eine weitere Verteidigerin hinzugezogen.

Foto: DPA
Prozess wegen sexuellen Missbrauchs gegen Olympia-Trainer
Der angeklagte Schwimmtrainer hat sich vor Gericht noch nicht zu den Vorwürfen geäußert

Der Missbrauchsprozess gegen einen Olympiatrainer ist am Donnerstag erneut vertagt worden. Das Kieler Amtsgericht gab dem Antrag der Verteidigung auf Anhörung weiterer Zeugen statt, die am Freitag gehört werden sollen.

Zuvor hatte der Angeklagte überraschend die Kieler Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki hinzugezogen. Ob ein Urteil am Freitag fallen kann, ist noch offen.

Der Olympiatrainer muss sich seit Dienstag wegen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen verantworten. Er soll das Betreuungsverhältnis zu einer jungen Kieler Schwimmerin von 2004 bis 2006 ausgenutzt und die Schwimmerin in 18 Fällen sexuell missbraucht haben. Das erste Mal bei einem gemeinsamen Urlaub auf Kreta 2004.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Die junge Frau hatte zu Prozessbeginn mehrere Stunden ausgesagt. Am zweiten Verhandlungstag sagten auch ihre beiden Freundinnen stundenlang aus. Eine der Zeuginnen war auch eine frühere Freundin des Angeklagten.

Über den Inhalt wurde nichts bekannt. Die Öffentlichkeit ist auf Antrag von Verteidigung und Nebenklage vom Verfahren ausgeschlossen. Nur die Anklageverlesung war öffentlich. Auch das Urteil soll öffentlich verkündet werden.

Die neue Wahlverteidigerin sagte, dass diverse Beweisanträge der Verteidigung vom Schöffengericht abgelehnt wurden. Einen sogenannten Deal – eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwältin, Nebenklagevertreterin und Verteidigung – gibt es nach Angaben der Anwältin nicht.

Angeklagter hat sich noch nicht geäußert

Bei einem Deal würde dem Angeklagten gegen ein Geständnis ein maximales Strafmaß zugesichert. Der Angeklagte hat sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sein Verteidiger Kai Dupre hatte schon im Vorfeld des Prozesses die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Er blieb auch zu Prozessbeginn dabei.

Die junge Frau wurde laut Anklage seit ihrem zwölften Lebensjahr von dem heute 40-Jährigen trainiert. Ab ihrem 16. Lebensjahr soll der Mann sich an ihr vergangenen haben. Die heute 24-Jährige ist in dem Verfahren auch Nebenklägerin.

Die Frau hatte 2009 Strafanzeige gestellt. Danach nahm die Kieler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf, 2011 erhob sie Anklage. Bei einem Schuldspruch könnte das Schöffengericht eine Strafe von maximal vier Jahren verhängen.

Quelle: dpa/fb
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