08.08.12

Olympia 2012

Dressur-Reiterinnen von Starterliste geschockt

Auch ohne Wunderpferd Totilas glänzen die deutschen Dressur-Reiterinnen. Die Starterliste für die Einzelwertung sorgt jedoch für Kritik.

Foto: DPA
London 2012 - Pferdesport Dressur
Überglücklich: Für Dressurreiterin Helen Langehanenberg ging ein Kindheitstraum in Erfüllung - eine Medaille bei Olympia

1Der Schock kam nach dem Dessert. Gerade hatten die deutschen Dressurreiterinnen ihre olympische Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb mit ihren Pflegern, Pferdebesitzern und dem Trainerstab gebührend gefeiert, da kam Equipe-Chef Klaus Roeser mit der Starterliste für den Einzelwettbewerb am Donnerstag ins Restaurant.

Und diese verschlug den Anwesenden die Sprache. So starten Kristina Sprehe (Dinklage), Helen Langehanenberg (Havixbeck) und Dorothee Schneider (Framersheim) am Nachmittag direkt nacheinander.

Das Pikante daran ist, dass anschließend noch alle drei britischen Reiter folgen, die am Dienstag souverän Mannschaftsgold gewonnen hatten, sowie die Niederländerin Adelinde Cornelissen. Damit dürfte es schwer werden mit der Einzelmedaille, denn erfahrungsgemäß behalten sich die Richter die besten Bewertungen für die Schlussreiter auf. Ähnlich wie im Eiskunstlaufen.

"Wir werden uns jetzt sicher nicht alle drei Einzelmedaillen schnappen", sagte Bundestrainer Jonny Hilberath und nahm die Auslosung mit einem guten Schuss Galgenhumor auf, stellte dann aber nüchtern fest: "Es ist eine sehr günstige Reihenfolge für das britische Fernsehen und eine sehr ungünstige für die Reiterinnen."

Das Wort Manipulation wollte freilich keiner in den Mund nehmen. Wie auch, die Auslosung war ja öffentlich über den offiziellen Ergebnisdienst des Veranstalters erfolgt. Auf einer Leinwand standen alle 18 Namen der Reiter, auf der anderen Leinwand die Startgruppen.

"Und dann flogen sozusagen die Namen in die Gruppen hinein – per Zufallsgenerator", so Roeser. Allerdings sei da schon ein Raunen durch den Saal gegangen, so der Equipe-Chef, dem als Erstes durch den Kopf ging: "Scheiße, alle drei deutschen Reiterinnen hintereinander ist nicht schön. Aber es ist jetzt so, wie es ist."

Hilberath wollte das schließlich alles nicht so "extrem kritisch" sehen. "Alle drei Reiterinnen haben tolle Küren und werden keine Punkte liegenlassen. Und alle drei haben auch Medaillenchancen", sagte der Bundestrainer, der den olympischen Modus kritisierte.

"Ich bin überhaupt nicht glücklich, dass die Einzelmedaille über die Kür vergeben wird, denn die ist immer auch ein bisschen vom Geschmack der Richter abhängig." Natürlich müsse der technische Teil einwandfrei sein, "aber beim künstlerischen Teil gibt es Entscheidungsspielraum".

Eine Überraschung hält er dennoch für möglich. Hilberath: "Die Mädels sind top eingestellt, und wir sind guten Mutes." Trotz der Auslosung.

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