Olympia
De Maizière hält im Fall Drygalla Grenze für überschritten
Der Lebensgefährte ist nach NPD-Angaben kein Parteimitglied mehr. Der Bundesinnenminister kritisiert den Umgang mit Nadja Drygalla.
Der Lebensgefährte der Olympia-Ruderin Nadja Drygalla ist der NPD zufolge kein Mitglied der rechtsextremen Partei mehr. Michael Fischer sei Ende Mai 2012 ausgetreten, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns stellvertretender NPD-Landesvorsitzender David Petereit am Montag.
Zu dem Grund für den Austritt äußerte sich Petereit nicht. Darüber hinaus beantworte er "grundsätzlich keine Fragen zu Angelegenheiten unsere Mitglieder betreffend", teilte er mit.
Drygalla hatte am vergangenen Donnerstag vorzeitig das Olympische Dorf verlassen, nachdem es Gerüchte über ihre Partnerschaft mit Fischer und Kontakte zu Rechtsextremisten gegeben hatte. Die 23-Jährige hatte am Sonntag selbst erklärt, ihr Freund habe sich aus der Szene verabschiedet.
Fischer selbst gab ebenfalls an, im Mai aus der NPD ausgetreten zu sein. Der frühere Landtagskandidat der rechtsextremen Partei in Mecklenburg- Vorpommern bestätigte damit am Montag im Telefon-Interview der Nachrichtenagentur dpa die Aussagen seiner Partnerin und des NPD-Landesverbands.
Er sei vor den Olympischen Spielen in London "den Schritt gegangen, mit der Sache abzuschließen, dass ich Neonazi bin. Ich bin aus der Partei ausgetreten und hatte auch so keinen großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten", sagte der 24-Jährige.
Bundesinnenminister kritisiert Umgang mit Nadja Drygalla
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hat mit eindringlichen Worten den Umgang der Öffentlichkeit mit Olympia-Ruderin Nadja Drygalla kritisiert. "Wo sind eigentlich Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist?" fragte der CDU-Politiker am Montag im Deutschen Haus in London. "Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?" fügte er hinzu. "Ich glaube, die ist hier schon überschritten worden."
De Maizière begrüßte die Aussagen der 23-Jährigen im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, mit denen sie sich vom rechtsextremen Gedankengut distanziert hatte. "Ich war von der Erklärung, die sie abgegeben hat, beeindruckt", sagte der Minister. Die Äußerungen seien "klar und unmissverständlich". Sie habe sich in einer "menschlich eindrucksvollen Weise" offenbart.
Er hinterfragte, inwieweit Drygalla für die Gesinnung ihres Lebenspartners, der ein führendes Mitglied der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern gewesen sein soll, verantwortlich gemacht werden kann. "Hier handelt es sich um einen Freund eines jungen Menschen. Soll diese Frau dafür ein Leben lang stigmatisiert werden, weil sie in einer bestimmen Lebensphase einen Freund hatte?", fragte de Maiziere: "Haben wir nicht auch Schamgrenzen bei der Ausforschung des Privatlebens von Sportlern? Irgendwo muss es dann doch auch mal aufhören. Was ist mit einem Bruder, einer Schwester, einem Onkel - wer soll alles dazugehören?"
De Maiziere, der zwischen 2009 und 2011 als Innenminister auch für den Sport verantwortlich war, erklärte, er halte den Fall für "gut gelöst".
Eine Aufnahme der Ruderin in die Sportförderung der Bundeswehr schloss de Maiziere nicht aus. "Im Moment gibt es keinen Antrag von ihr auf Sportförderung in der Bundeswehr, und wenn es ihn gäbe, würden wir ihn prüfen, aber in Ruhe, und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage", sagte de Maiziere.
Drygalla, die im Zuge interner Diskussionen über die Beziehung zu ihrem Freund aus dem Polizeidienst ausgetreten war, hat beim Deutschen Ruderverband (DRV) einen Antrag auf Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr gestellt. Dieser Antrag liegt nach ihrer vorzeitigen Abreise aus London und den Ereignissen der letzten Tage auf Eis.
















