Kommentar
Verschleierungstaktik im Fall Drygalla löst keine Probleme
Kleinreden von Rechtsextremismus hat noch keine Probleme gelöst, sondern sie nur alltäglich werden lassen, meint Claus Christian Malzahn.
Dein Name für Deutschland" steht auf dem Trikot, das die 23 Jahre alte Ruderin Nadja Drygalla während der Olympischen Spiele in London getragen hat. Nun darf die Athletin aus Rostock Deutschland nicht mehr repräsentieren. Ihr Lebensgefährte ist ein ebenso polizei- wie stadtbekannter Nazi in Rostock. Das ist übrigens jene Stadt, in der vor genau 20 Jahren Flüchtlinge um ihr Leben bangen mussten, weil braune Brandstifter Asylunterkünfte anzündeten.
Mehr als 180 Menschen sind seitdem in der Bundesrepublik durch Verbrechen ums Leben gekommen, bei denen rechtsextreme Motive der Täter entweder nachgewiesen werden konnten oder naheliegen. 2011 wurde das Land mit der schockierenden Nachricht konfrontiert, dass eine neonazistische Mörderbande zehn Jahre lang unerkannt Einwanderer liquidiert hat.
Das alles hat auch mit der Achter-Ruderin Nadja Drygalla zu tun. Sie bewegt sich offenbar seit Jahren in einem Milieu, das unseren Staat hasst. Zwar hat der deutsche Olympia-Delegationsleiter Michael Vesper der ins Gerede gekommenen Athletin kurz vor ihrer Abreise noch einen Persilschein ausgestellt: Drygalla stehe auf dem Boden der demokratischen Rechtsordnung. Wie jüngste Recherchen zeigen, kam diese Entwarnung eindeutig zu früh. Drygallas Lebensgefährte hängt einer Weltsicht an, die sich von den Mördern des NSU kaum unterscheidet. Er war beteiligt, als Neonazis eine Gedenkveranstaltung für ein 2004 in Rostock ermordetes NSU-Opfer störten. Drygalla hat sich von diesen braunen Aktivitäten nicht nur nicht distanziert, sie hat auf ihrer Facebook-Seite zu erkennen gegeben, dass sie mit diesem Milieu sympathisiert.
Schon zum zweiten Mal in ihrem jungen Leben hat die Sportlerin glänzende Zukunftsaussichten gegen alle Vernunft in den Wind geschlagen, weil sie sich im braunen Sumpf bewegt – und dort offenbar auch weiter bewegen will. Vor einem Jahr endete ihre Laufbahn bei der Polizei, die dahintergekommen war, mit wem sich die Dienstanwärterin in ihrer Freizeit alles abgibt. Und das will in Mecklenburg-Vorpommern jahrelang niemand mitbekommen haben? Wahrscheinlicher ist, dass in der Hansestadt etwas passierte, was man auch aus anderen Städten und Gemeinden kennt, in denen Rechtsextremismus und Gewalt wieder fröhliche Urständ feiern: Man redet nicht drüber. Oder man sagt: Die waren nicht von hier.
Die unbequeme Wahrheit ist: Wir haben vor allem in jenen Bundesländern, die so neu inzwischen auch nicht mehr sind, in einigen Regionen massive Probleme rechtsextremer Hegemonie und demokratischen Duckmäusertums. Sie sind in den vergangenen 20 Jahren nicht kleiner geworden. Es ist bloß immer wieder kleingeredet worden: von der Politik, die negative Schlagzeilen fürchtete. Von Unternehmen, die im globalen Wettbewerb um ihr Image bangten. Von einer Tourismusindustrie, die mit Fremdenverkehr ihr Geld in Gegenden verdienen will, in denen Fremdenfeindlichkeit irgendwie Ansichtssache ist. Diese Verschleierungstaktik aber hat kein Problem gelöst, sondern sie nur alltäglich werden lassen.















