03.08.12

London 2012

Hetze gegen Berliner Ringrichter nach Olympia-Boxskandal

Der Unparteiische Frank Scharmach wird nach seiner Sperre wegen angeblicher Fehlentscheidung im Internet verunglimpft.

Von Jörn Meyn
Foto: DAPD
London Olympics Boxing Men
Zweifelhafte Entscheidung: Der Berliner Ringrichter Scharmach (l.) erklärt den Kubaner Gomez zum Sieger

Niemand kann sagen, dass Frank Scharmach einen einfachen Job hat. Ringrichter im Boxsport leben bisweilen ja gefährlich. Kommt es doch vor, dass eine kräftige Athletenfaust mal ihr Ziel verfehlt und im Gesicht des Kampfrichters landet. Oder ein Boxer fühlt sich nach einer Niederlage ungerecht behandelt, in der folgenden Nacht gehen dann anonym Morddrohungen beim Unparteiischen ein. So etwas hat auch schon Frank Scharmach in seiner Karriere als Kampfrichter erlebt. Doch das, was im olympischen Boxturnier in London geschehen ist, war auch für den 44-jährigen Berliner Neuland.

Im Achtelfinale im Schwergewicht zwischen dem Iraner Ali Mazaheri und dem Kubaner Jose Larduet Gomez verwarnte der deutsche Unparteiische den nach Punkten führenden Mazaheri dreimal, sodass dieser disqualifiziert wurde, und Gomez unverhofft als Sieger aus dem Kampf hervorging – ein mehr als umstrittenes Urteil. Der Iraner verließ wutentbrannt den Ring, um Scharmach nach dem Kampf sogar Betrug vorzuwerfen: "Das war ein abgekartetes Spiel" ächzte Mazaheri. "Ich hätte problemlos um Bronze kämpfen können, wenn das nicht gewesen wäre. Es war alles arrangiert."


Medaillenspiegel
#Team
1.
USA462929
2.
China382723
3.
Großbritannien291719
4.
Russland242632
5.
Südkorea1387
6.
Deutschland111914
7.
Frankreich111112
8.
Italien8911
9.
Ungarn845
10.
Australien71612
11.
Japan71417
12.
Kasachstan715
13.
Niederlande668
14.
Ukraine659
15.
Neuseeland625
16.
Kuba536
17.
Iran453
18.
Jamaika444
19.
Tschechien433
20.
Nordkorea402
21.
Spanien3104
22.
Brasilien359
23.
Südafrika321
24.
Äthiopien313
25.
Kroatien312
26.
Belarus255
27.
Rumänien252
28.
Kenia245
29.
Dänemark243
30.
Aserbaidschan226
Polen226
32.
Türkei221
33.
Schweiz220
34.
Litauen212
35.
Kanada1512
36.
Schweden143
37.
Kolumbien134
38.
Georgien133
Mexiko133
40.
Irland113
41.
Argentinien112
Serbien112
Slowenien112
44.
Norwegen111
Tunesien111
46.
Dom. Republik110
47.
Trinidad & Tobago103
Usbekistan103
49.
Lettland101
50.
Algerien100
Bahamas100
Grenada100
Uganda100
Venezuela100
55.
Indien024
56.
Mongolei023
57.
Thailand021
58.
Ägypten020
59.
Slowakei013
60.
Armenien012
Belgien012
Finnland012
63.
Bulgarien011
Estland011
Indonesien011
Malaysia011
Puerto Rico011
Taiwan011
69.
Botswana010
Gabun010
Guatemala010
Montenegro010
Portugal010
Zypern010
75.
Griechenland002
Katar002
Moldawien002
Singapur002
79.
Afghanistan001
Bahrain001
Hongkong001
Kuwait001
Marokko001
Saudi-Arabien001
Tadschikistan001
86.
Albanien000
Amerikanisch Samoa000
Andorra000
Angola000
Antigua & Barbuda000
Äquatorialguinea000
Aruba000
Bangladesch000
Barbados000
Belize000
Benin000
Bermuda000
Bhutan000
Bolivien000
Bosnien-Herzegowina000
Br. Jungfern-Inseln000
Brunei000
Burkina Faso000
Burundi000
Chile000
Cook-Inseln000
Costa Rica000
Djibouti000
Dominica000
DR Kongo000
Ecuador000
El Salvador000
Elfenbeinküste000
Eritrea000
Fidschi000
FS Mikronesien000
Gambia000
Ghana000
Guam000
Guinea000
Guinea-Bissau000
Guyana000
Haiti000
Honduras000
Irak000
Island000
Israel000
Jemen000
Jordanien000
Jungfern-Inseln000
Kaiman-Inseln000
Kambodscha000
Kamerun000
Kapverdische Inseln000
Kirgisistan000
Kiribati000
Komoren000
Kongo000
Laos000
Lesotho000
Libanon000
Liberia000
Libyen000
Liechtenstein000
Luxemburg000
Madagaskar000
Malawi000
Malediven000
Mali000
Malta000
Marshallinseln000
Mauretanien000
Mauritius000
Mazedonien000
Monaco000
Mosambik000
Myanmar000
Namibia000
Nauru000
Nepal000
Nicaragua000
Niederl. Antillen000
Niger000
Nigeria000
Oman000
Österreich000
Pakistan000
Palästina000
Palau000
Panama000
Papua-Neuguinea000
Paraguay000
Peru000
Philippinen000
Ruanda000
Salomonen000
Sambia000
Samoa000
San Marino000
São Tomé und Príncipe000
Senegal000
Seychellen000
Sierra Leone000
Simbabwe000
Somalia000
Sri Lanka000
St. Kitts & Nevis000
St. Lucia000
St. Vincent/Grenadines000
Sudan000
Suriname000
Swasiland000
Syrien000
Tansania000
Timor-Leste000
Togo000
Tonga000
Tschad000
Turkmenistan000
Tuvalu000
Uruguay000
VA Emirate000
Vanuatu000
Vietnam000
Zentralafr. Republik000

Die AIBA, der Weltverband der Amateurboxer, reagierte unerwartet hart auf die Unregelmäßigkeiten während des Kampfes und suspendierte Scharmach für fünf Tage vom olympischen Betrieb. Allzu oft hatten die Funktionäre in der Vergangenheit derartige Beschwerden noch mit dem Hinweis ignoriert, dass es sich in diesem Sport eben um Tatsachenentscheidungen handele. Scharmach aber bekam eine fünftägige Pause verordnet.

Reaktionen aus Deutschland folgten prompt: Der Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes, Michael Müller, teilte mit, dass der DBV voll und ganz hinter der Entscheidung der AIBA stehe. Der Präsident des Berliner Box-Verbandes, in dem Scharmach als Mitglied des SV Lichtenberg 47 organisiert ist, Hans-Peter Miesner, sagte der "Berliner Morgenpost", das sei "eine bedauerliche Sache", die "sehr, sehr unschön ist". Dabei sei Scharmach ein "sehr souveräner Kampfrichter, der sich noch nie etwas hat zu Schulden kommen lassen", so Miesner. Auch wurde der Berliner bei vergangenen Weltturnieren mehrmals als weltbester Kampfrichter ausgezeichnet. "Umso mehr bin ich nur verwundert", sagte Miesner. Allerdings müsse auch bedacht werden, so Miesner weiter, dass auch ein Ringrichter Fehler mache, ohne dass es sich dabei gleich um Betrug handele.

Daheim in Berlin sind sie sehr verwundert

Frank Scharmach selbst darf sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Es ist zu vermuten, dass die AIBA den deutschen Ringrichter auch deshalb vorläufig aus dem Turnier genommen hat, um ihn vor etwaigen negativen Reaktionen der Zuschauer bei anderen Kämpfen zu schützen.

Noch viel drastischer als bei Scharmachs Suspendierung aber reagierte der Weltverband AIBA in zwei weiteren Fällen bei den Sommerspielen, bei denen es Auffälligkeiten gegeben hat. Besonders skurril mutet der Fall des turkmenischen Ringrichters Ischanguli Meretnijasow an. Er hatte im Bantamgewichtsduell Satoshi Shimizu aus Japan gegen den Aserbaidschaner Magomed Abdulhamidow zum Verlierer nach Punkten erklärt (17:22), obwohl dieser seinen Gegner in Runde drei gleich sechsmal zu Bode geschickt hatte. Bei den letzten drei Niederschlägen hatte der Ringrichter den aserbaidschanischen Boxer nicht einmal mehr laut angezählt, wie es das Reglement verlangt. Der sichtlich mitgenommene Abdulhamidow konnte den Ring nur mit Hilfe seines Trainers aufrecht verlassen, und Shimizu legte offiziell Protest ein.

Die AIBA erklärte den Japaner noch am Mittwoch nachträglich zum Sieger und sperrte den turkmenischen Ringrichter Meretnijasow ebenso wie Aghajan Abijew, einen technischen Offiziellen aus Aserbaidschan, der während des Kampfes gegen den Führungscode verstoßen haben soll.

"Ich bedauere zutiefst, dass wir diese Entscheidungen treffen mussten. Aber unser Hauptanliegen muss immer der Schutz der Fairness in den Wettbewerben sein", sagte AIBA-Präsident Wu Ching-Kuo.

Der Taiwaner hat allen Grund, hart durchzugreifen. Waren doch im vergangenen Jahr Vorwürfe laut geworden, wonach Aserbaidschan dem Weltverband rund zehn Millionen US-Dollar für zwei Boxmedaillen bei den Spielen in London gezahlt haben soll. Zwar wies dies die von der AIBA eigens einberufene Sonderkommission nach internen Untersuchungen als "grundlos und jeder Grundlage entbehrend" zurück. Aber der fade Beigeschmack blieb.

Kritik gab es auch von prominenter Seite: Der frühere britische Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis sagte nach den Vorfälle um die Ringrichter: "Das macht mir Sorgen. Man weiß bis zum Schluss nicht, wie der Kampf ausgehen wird."

Mit Hitler-Bart und Teufelshörnern

Frank Scharmach übrigens dürfte nach den fünf Tagen seiner Suspendierung vom 7. August an wieder beim olympischen Boxturnier eingesetzt werden. Aber selbst wenn er für einen weiteren Kampf nominiert werden sollte, ist offen, ob er dies wahrnimmt. Zu negativ waren die Reaktionen nach Mazaheris Disqualifikation – besonders aus dem iranischen Lager. Auf Facebook gibt es bereits zwei Gruppen, die den Kampfrichter offen angreifen. Eine davon nennt sich "We hate Frank Scharmach" ("Wir hassen Frank Scharmach"). Dort ist der Deutsche mit roten Teufelshörnern, einem Dreizack und Hitler-Bärtchen abgebildet. Schon rund 2600 Internet Nutzern gefällt das makabre Nachspiel.

Keine Frage: Es gibt derzeit wahrlich angenehmere Jobs als den des Ringrichters bei Olympia in London.

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