Absichtlich verloren
Badminton-Doppel sorgt für ersten großen Olympia-Skandal
Absichtlich soll das topgesetzte chinesische Damendoppel sein Spiel verloren haben. Auch andere versuchten, einen Sieg zu umgehen.
Skandal beim olympischen Badmintonturnier in London: Im Damendoppel zwischen den topgesetzten Chinesinnen Wang Xiaoli/Yu Yang und den Südkoreanerinnen Jung Kyung Eun/Kim Ha Na versuchten beide Paare, das Spiel zu verlieren, um eine bessere Ausgangsposition in der K.o-Runde zu haben.
Neun Aufschläge spielten die favorisierten Chinesinnen alleine im ersten Satz ins Netz oder ins Aus und verloren schließlich 11:21, 14:21. Der längste Ballwechsel im ersten Durchgang hatte ganze vier Schläge. Nachdem der Schiedsrichter beide Doppel ermahnt hatte, fingen immerhin die Südkoreanerinnen an, ernsthaft um den Sieg zu spielen. Die Zuschauer in der Wembley Arena buhten die Spielerinnen für die unwürdige Vorstellung minutenlang aus.
Weltmeisterin Yu gab die absichtliche Niederlage im Gespräch indirekt sogar zu: "Unsere Gegner waren wirklich stark. Es war das erste Mal, dass wir gegen sie gespielt haben, und am Mittwoch beginnt die K.o-Runde. Wir waren bereits qualifiziert und wollten mehr Energie für das Viertelfinale haben."
Später am Abend wiederholte sich das Schauspiel beim Spiel der Indonesierinnen Greysia Polii und Meiliana Jauhari gegen das südkoreanische Paar Ha Jung Eun und Kim Min Jung. Während Zuschauer die Spielerinnen aufforderten, die Halle zu verlassen, zeigte ein Schiedsrichter beiden Doppeln die schwarze Karte - sie bedeutet Disqualifikation. Sie wurde nach Protesten beider Seiten zurückgenommen. Das Spiel endete schließlich mit einem Dreisatzsieg der Südkoreanerinnen.
Jetzt drohen den acht Spielerinnen Sanktionen wegen Fehlverhaltens vom Badminton-Weltverband WBF.
Spieler aus anderen Ländern verurteilten das Verhalten der Asiatinnen scharf. Die Bulgarin Alesia Zaitsave sagte, das chinesische Team manipuliere regelmäßig Spiele, um rein chinesische Duelle möglichst lange zu vermeiden. Deutschlands bester Badmintonspieler Marc Zwiebler sagte berichtete von ähnlichem vorgehen der Südkoreaner bei einem Turnier 2008. "Wenn es der Fall war, dass sie absichtlich verloren haben, ist das eine große Schande", sagte Zwiebler. Der Vorfall schade dem Image des Sports.
Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV), ärgerte sich maßlos über das Verhalten der asiatischen Spielerinnen. "Ich würde alle disqualifizieren, die so etwas machen", sagte Kranitz. Beide Doppel wussten, dass der Sieger in der oberen Hälfte mit dem chinesischen Doppel Tian Qing/Zhao Yunlei spielen wird.
Bei den Olympischen Spielen in London werden im Badminton erstmals Gruppenspiele ausgetragen. Die Sportart ist seit 1992 im olympischen Programm. Am späten Dienstagabend tagte noch eine Kommission des Weltverbandes BWF, um die Vorfälle zu untersuchen.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte es bei der Olympia-Qualifikation immer wieder Diskussionen um unsportliches Verhalten der Chinesen gegeben. Häufig wurden Spiele kampflos abgegeben, wenn zwei Chinesen aufeinandertrafen.
Vor einiger Zeit hatte Cheftrainer Li Jongbo sogar öffentlich eingeräumt, dass es 2004 bei den Olympischen Spielen im Halbfinale des Dameneinzels eine Absprache gegeben hatte. Der Trainerstab hatte Zhou Mi angewiesen, nach verlorenem ersten Satz das Spiel an die spätere Goldmedaillengewinnerin Zhang Ning abzugeben.
















