Nur Fünfter
Schwimmstar Biedermann geht in London baden
Paul Biedermanns Traum von einer Olympiamedaille ist geplatzt. Der Weltrekordhalter schlug auf seiner Paradestrecke 200 m Freistil nur als Fünfter an. Den Sieg holte der neue Superstar Yannick Agnel.
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Dieser junge, schmächtige Franzose machte einen letzten, eleganten Kraularmzug zur Anschlagmatte hin, drehte sich zur Anzeigetafel um – und konnte nicht glauben, was er sah. Yannick Agnel riss die Augen weit auf, blickte wie erstarrt in die Ferne und schlug die Hände vor seinem Gesicht zusammen. Der 20-Jährige hatte soeben die Weltelite samt Paul Biedermann über 200 Meter Freistil düpiert.
Tränen bei der Siegerehrung
Während Agnel seine Tränen bei der französischen Hymne gerade noch zurückhalten könnte, versuchten es US-Teeniestar Missy Franklin und die Litauerin Ruta Meilutyte gar nicht erst. Franklin hatte über 100 Meter Rücken, Meilutyte über 100 Meter Brust ihr erstes Olympiagold gewonnen. Drei Supertalente – Agnel 20, Franklin 17 und Meilutyte 15 Jahre alt – sorgten für die größten Momente des dritten Schwimmtages.
"Ich bin nicht zufrieden"
Es jubelten wieder einmal die anderen. Die Medaillenausbeute der deutschen Schwimmer bleibt bei Null. Biedermann meldete sich nach seinem verpatzten Olympiastart mit dem Vorlaufaus über 400 Meter Freistil zwar respektabel zurück, zu mehr als Platz fünf reichte es jedoch nicht. "Nö, ich bin nicht zufrieden", sagte der 25-Jährige mit knallrotem Kopf. Was sollte er auch anderes sagen? Bei den Weltmeisterschaften vor einem Jahr in Shanghai/China hatte er noch zweimal Bronze gewonnen
Der einzige Trost, der ihm bei den Spielen in London bleibt: Die Olympiasieger über 200 und 400 Meter Freistil sind an dem Versuch gescheitert, seine Weltrekorde zu brechen.
Kampf gegen die Besten
Ursprünglich war das Projekt London ganz anders geplant gewesen. "Platz fünf und besser", hatte Biedermann stets als Ziel ausgegeben. "Aber wer will schon Vierter oder Fünfter werden", hatte sein Trainer Frank Embacher dann ergänzt. Schon in der Vorbereitung hatte der Hallenser immer wieder mit sich gehadert und nicht den stärksten Eindruck hinterlassen. Die Hoffnung aber war, dass er wie schon so oft beim Höhepunkt topfit ist, dass ihn der Kampf gegen die Besten zu Höchstleistungen treibt. Daraus wurde nichts.
Biedermann versuchte gar nicht erst, die Dinge schön zu reden – dafür ist er eh nicht der Typ. "Die Endzeit war zu langsam", sagte er enttäuscht. Mit 1:45,53 Minuten schwamm er 0,7 Sekunden zu langsam für Edelmetall. "Es ist wie es ist. Damit muss ich jetzt leben."
Agnel düpiert Lochte erneut
Dass ein Medaillengewinn über 200 Meter Freistil mehr als schwierig werden würde, stand schon vorher fest. Es war ein Rennen der Superlative, das einen neuen Star hervorgebracht hat. Agnel hatte bereits Sonntag als Schlussschwimmer der Freistilstaffel über 4x100 Meter Superstar Ryan Lochte überrollt und Gold gesichert. Dieses Mal schwamm er der Konkurrenz am Ende eine Körperlänge voraus. In 1:43,14 Minuten war er knapp 1,8 Sekunden schneller als der Zweitplatzierte. "Ich kann vor ihm nur den Hut ziehen", sagte Biedermann.
Zu den Geschlagenen gehörten große Namen des Schwimmsports: Auf Platz zwei kamen zeitgleich Sun Yang (China), Olympiasieger über 400 Meter, und Park Tae-Hwan (Südkorea), Olympiazweiter über 400 Meter. Ryan Lochte, 2011 Weltmeister über die 200 Meter Freistil, blieb nur Platz vier.
Platz sechs für Meeuw
Neben Biedermann sprangen am Montagabend noch weitere Deutsche ins olympische Becken. Der Jubel blieb auch bei ihnen aus. Helge Meeuw schlug im Finale über 100 Meter Rücken aber als guter Sechster an (53,48 Sekunden), Silke Lippok verpasste hingegen mit 1:58,72 Minuten den Endlauf über 200 Meter Freistil.
Hoffen auf die Freistilstaffel
Dienstagabend – spätestens aber Mittwoch – soll nun endlich die Erlösung für das deutsche Team kommen. Die Männerstaffel über 4x200 Meter Freistil jedenfalls geht nach ihrem Sieg bei den Europameisterschaften im Mai in Debrecen/Ungarn selbstbewusst ins Rennen. Biedermann muss seine Einzelrennen also schnell vergessen, vielleicht sogar Extramotivation aus den Niederlagen ziehen. "Da warten schließlich drei Leute auf mich", sagt er.
Lob von van Almsick
Dienstag gehen auch die Brustspezialisten über 200 Meter ins Wasser – erst im Vorlauf und abends im Halbfinale. Das Finale ist Mittwoch. Franziska van Almsick sagte erst kürzlich über Christian vom Lehn und Marco Koch: "Das sind zwei tolle Typen, die man auf der Rechnung haben muss."
















