Trotz Queen
Michelle Obama ist die First Lady Olympias
Die Gattin des US-Präsidenten sammelt in London Sympathien, wo auch immer sie auftaucht. Im Wettlauf um öffentliche Bewunderung lässt Misses Obama auch Bundespräsident Joachim Gauck keine Chance.
Der saloppe Auftritt von Queen Elizabeth II. neben James Bond bei der Eröffnungsfeier hat Großbritannien und seiner Monarchin viele Sympathien eingebracht, doch der Rang der First Lady dieser Olympischen Spiele ist der 86-Jährigen damit längst nicht sicher. Gefährlichste Rivalin beim Wettlauf um die Liebe des Sportvolkes ist die amerikanische Präsidentengattin Michelle Obama (48). Mindestens noch bis zur Abreise am Sonntag bleibt sie wohl die am häufigsten fotografierte Teilnehmerin dieser Sommerspiele.
Am Freitag spielte sie kurz Fußball mit David Beckham und klatschte den Star der L.A. Galaxy danach per "High Five" ab. Zuvor hatte sie mit US-Athleten gefrühstückt und sich mit dem Besuch im Athletendorf nach eigener Aussage einen Kindheitstraum erfüllt. "Ich komme mir vor wie in einer anderen Welt", flötete die Ehefrau des US-Präsidenten Barack Obama dabei fröhlich. "Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, dass ich mir früher Olympia im Fernsehen angeschaut habe. Ihnen allen geht es wahrscheinlich genauso", sagte sie.
"Gewinnen ist gut"
Gemeinsam mit ihrem Bruder habe sie damals in ihrem kleinen Haus in Chicago davon geträumt, auch einmal so etwas Großartiges wie die Sportler zu erreichen. Auch heute sei das nicht anders. "Sie alle inspirieren mich. Ich bewundere alles, was sie erreicht haben", sagte Obama und gab den Athleten einige Tipps mit auf den Weg. "Versuchen Sie, Spaß zu haben. Versuchen Sie, zwischendurch auch einmal durchzupusten. Okay, Sie sollen auch gewinnen. Denn gewinnen ist gut."
Und gewonnen hätten ihre amerikanischen Athleten doch schon jetzt. "Denkt an all das, was ihr für Tausende Kinder zu Hause tut", sagte sie. In den vergangenen Monaten hätten 1,7 Millionen Kinder in den USA an besonderen Sportprogrammen teilgenommen – Vorbild seien die Olympiastarter. "Unser Ziel ist es, dass unsere Kinder und die in der ganzen Welt gesund sind. Und das fängt damit an, sie dazu zu bringen, sich zu bewegen", sagte Obama. "Ihr habt schon gewonnen."
Liegestütze in einer Talk-Show
Man nimmt es ihr ab in ihrer herrlich unprätentiösen Art. Es fast ist so, als spräche da Athletin zu Athletin. Und als solche wird Michelle Obama anscheinend von den meisten gesehen, seit sie in der Talk-Show von Ellen DeGeneres die sportliche Moderatorin in einem Liegestütz-Wettbewerb besiegte: Die 48-Jährige schaffte damals 25 Stück – und die ganze Nation zählte verzückt mit.
So ist es auch diesmal, nur dass in London sogar die ganze Welt zuschaut. Mit viel Charme sammelt Obama so in London Sympathien ein für ihr Land, wie es so manches teures Entwicklungshilfeprogramm nicht schafft. Auch am Samstag wieder, da zeigte Frau Obama diese Art Volksnähe, wie man sie sich von Politikern oft vergeblich wünscht. Sie stattete ihren ersten Wettkampf-Besuch Serena Williams in Wimbledon ab und reckte neben Williams-Mutter Oracene jubelnd beide Daumen. Serena Williams erzählte nach ihrem Auftaktsieg über die Serbin Jelena Jankovic: "Sie hat mich gefragt, ob sie in meiner Familienbox sitzen darf – und ich meinte gleich: 'Natürlich, bitte, es wäre mir eine Ehre.' Ich liebe Michelle." Wohl spätestens seit Williams weiß, dass Mister President gegen seine Herzdame oft selber Tennis spielt. "Er gewinnt immer", hatte die Juristin einmal im Interview verraten. "Das nervt mit der Zeit total."
Gauck wirkt dagegen distanzierter
So viel Kampfgeist wird unter Sportlern anerkannt, und so führt die USA die Nationenwertung der Staatsgäste in London dank Michelle Obama jedenfalls bis jetzt klar an. Und auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat trotz ähnlicher Kamera-Affinität gegen die First Lady keine Chance beim Wettlauf um öffentliche Bewunderung. Und es liegt auch nicht nur am Altersunterschied ("Ich bin 72, da hält sich der Sport in Grenzen.").
Es liegt auch an den Sätzen, die er sagt und die irgendwie distanzierter klingen als bei Michelle Obama. "Der Sport gehört in die Mitte der Gesellschaft", sagte Gauck etwa nach dem Treffen mit deutschen Athleten. Oder: "Es gibt unglaubliche Erwartungen." Und noch: "Die, die sich anstrengen, sind nicht depressiv. Selbstvertrauen erlaubt ihnen, ein erfolgreicher und lebenslustiger Mensch zu sein."
Das ist zwar alles richtig. Aber es sind einfach nicht die Sätze, die Olympiasportler am Ort der Spiele in Begeisterung versetzen.
















