05.07.12

CHIO

Deutsches Dressurteam siegt zum 33. Mal in Aachen

Das deutsche Dressurteam hat den Nationenpreis beim CHIO in Aachen gewonnen. Die Equipe setzte sich am Donnerstag trotz des Fehlens von Matthias Rath mit Totilas souverän vor Dänemark durch.

Foto: DAPD
CHIO Aachen
Debütantin Kristina Sprehe aus Dinklage auf Desperados war die beste Einzelreiterin

Helen Langehanenberg hatte ihre langen blonden Haare am Hinterkopf zu einem Dutt zusammengesteckt. Ihre hellblauen Augen strahlten, und die Wangen waren leicht gerötet, als sie mit ihrem Hengst Damon Hill in das Dressurstadion zu Aachen einritt. Der schlanke Körper war vor dem ersten Auftritt beim CHIO angespannt, im Kopf aber war die 30-Jährige völlig gelöst.

"No risk, no fun", hatte Langehanenberg für ihren Ritt angekündigt, und so ließ sie am Donnerstagnachmittag als letzte deutsche Reiterin im Teamwettbewerb Taten folgen. Trotz einiger Patzer in der Darbietung führte sie die deutsche Dressurequipe zum erhofften 33. Gold im Nationenpreis vor Dänemark. "Das war ein irres Erlebnis, hier zu reiten", freute sich Langehanenberg gemeinsam mit ihren Kolleginnen Kristina Sprehe mit Desperados, Anabel Balkenhol mit Dablino und Dorothee Schneider mit Diva Royal.

Freitag entscheidet sich Raths Olympia-Teilnahme

Der Sieg im Mannschaftswettbewerb war freilich keine große Überraschung, immerhin meiden die starken Konkurrenten aus den Niederlanden und Großbritannien kurz vor den Olympischen Spielen in London das Weltfest des Pferdesports und bereiten sich lieber daheim auf den Höhepunkt des Jahres vor. Die Begeisterung für die Dressur in Aachen schmälert das aber nicht. Das Stadion ist an allen Tagen ausverkauft, auch ohne Totilas, den vermeintlichen Star der Szene. Reiter Matthias Alexander Rath war vor zwei Wochen am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt und bangt nun um seinen Olympiastart. Am Freitag soll sich in Raths Heimat Kronberg bei einem Fitnesstest entscheiden, ob er an den Spielen teilnehmen kann.

Viel wird dieser Tage über den edlen Rappen getuschelt, der die Dressur, die einst unter sinkenden Fernseheinschaltquoten und Dopingdiskussionen litt, in den vergangenen Jahren in neue Dimensionen geführt hatte. Fast jeder Schritt des Hengstes wird aufmerksam verfolgt, die Vermarktung läuft auf Hochtouren.

Beerbaum kritisiert den Hype

Dieser Hype stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung, so äußerte Springreiter Ludger Beerbaum heftige Kritik am Wirbel um das Wunderpferd. "Ehrlich gesagt ist das komplette Effekthascherei", sagte er dem "Tagesspiegel". "Da sollte erst einmal sportliche Leistung kommen, danach können wir über Favoritenrollen sprechen." Zudem spricht er Rath die reiterische Klasse ab. "Mit Edward Gal war das eine perfekte Symbiose aus Pferd und Reiter. Jetzt ist nur ein Teil des vermeintlichen Wunders in Deutschland", sagte der viermalige Olympiasieger.

Im Schatten der kontroversen Totilas-Diskussionen und des wahrscheinlichen Olympiaaus von Isabell Werth, deren Pferd bei der ersten Sichtung in Balve verletzt ausgeschieden war, haben Langehanenberg, Sprehe, Balkenhol und Schneider gut lachen. Das Quartett hat sich in der laufenden Saison an die deutsche Spitze geritten und damit den Wandel im deutschen Dressurteam herbeigeführt.

Die neue Generation überzeugt durch eine beachtliche Konstanz auf hohem Niveau, das freut auch den Bundestrainer. "Sensationell", sagt Jonny Hilberath, "wir sind sehr glücklich über diese enorme Leistungsdichte." Diese lasse auch für Olympia hoffen. Seit der Silbermedaille 1972 in München hat Deutschland bei Olympischen Spielen in der Dressur stets die Goldmedaille mit der Mannschaft gewonnen. Diese Erfolgsserie soll auch in London weitergeführt werden. Hilberath: "Unser Bestreben ist es, die bestmögliche Equipe nach London zu schicken."

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