25.06.12

London 2012

Saudi-Arabien schickt erstmals Frauen zu Olympia

Es kommt einer Revolution gleich: Das Königreich Saudi-Arabien will erstmals Frauen zu den Olympischen Spielen nach London schicken. Vermutlich kann sich aber nur eine Athletin qualifizieren.

Quelle: dapd
25.06.12 0:54 min.
Saudi-Arabien will erstmals auch Frauen die Teilnahme an den Olympischen Spielen erlauben. Das islamische Königreich war das einzige Land, in dem ein Verbot galt.

Das Nationale Olympische Komitee Saudi-Arabiens werde die Teilnahme von Athletinnen in London ermöglichen, wenn sie sich qualifizieren können, erklärte die saudi-arabische Botschaft in London. Wahrscheinlich trifft dies aber nur auf eine einzige Frau zu.

Derzeit ist Experten zufolge theoretisch nur die Springreiterin Dalma Malhas in der Lage, sich für die in knapp fünf Wochen beginnenden Sommerspiele zu qualifizieren. Die in den USA geborene Sportlerin hatte im Jahr 2010 bei den Jugendspielen in Singapur die Bronzemedaille gewonnen – teilgenommen hatte sie damals auf Einladung des Internationalen Olympischen Komitees und nicht, weil ihr Land sie nominiert hätte.

Persönliche Initiative von König Abdallah

König Abdallah persönlich soll maßgeblich hinter der jetzigen Entscheidung stehen. Diese sollte demnach früher bekanntgegeben werden, doch wurde sie wegen des Tods von Kronprinz Najef vor über einer Woche verschoben. "Das ist ein heikles Thema", sagte ein ranghoher saudi-arabischer Vertreter.

Der König fahre einen vorsichtigen Reformkurs, er wolle sein Land keinen allzu radikalen Änderungen aussetzen. Doch habe die wachsende Kritik weltweit gezeigt, "dass wir das Thema angehen müssen," erklärte der Vertreter weiter. "Wir glauben, die Gesellschaft wird es akzeptieren."

Frauen sollten sich nicht sportlich betätigen

Frauen haben in Saudi-Arabien einen niedrigeren Rechtsstatus als Männer. Sie dürfen nicht Autofahren und brauchen die Genehmigung eines männlichen Vormunds, um zu arbeiten, zu reisen oder ein Bankkonto zu eröffnen.

Auch im Sport haben es Frauen im streng islamischen Königreich Abdallahs schwer. Für Mädchen gibt es keinen Schulsport. Frauen müssen in der Öffentlichkeit von Kopf bis Fuß verschleiert sein – und können deshalb nicht öffentlich Sport treiben. Außerdem liefen Frauen durch übermäßigen Sport Gefahr, ihr Hymen als Zeichen der Jungfräulichkeit einzubüßen. Selbst private Fitness-Studios für Frauen fanden noch vor zwei Jahren keine Gnade vor den Augen der Behörden. Aus diesen Gründen hatten Menschenrechtsgruppen einen Ausschluss Saudi-Arabiens von den Spielen gefordert.

Auch Katar und Brunei diesmal mit Sportlerinnen

Zuletzt wuchs also der Druck auf Riad, entsprechend der allgemein gültigen Regeln auch weibliche Athleten zu den Olympischen Spielen zu entsenden. IOC-Präsident Jacques Rogge sagte im April, dass er deswegen in ausführlichem Gespräch mit der Führung des Königreichs stehe. Nun scheinen diese ihre Wirkung erzielt zu haben.

Neben Saudi-Arabien haben auch Katar und Brunei noch nie Sportlerinnen zu Olympischen Spielen geschickt. Katar hat allerdings bereits angekündigt, dieses Mal drei Frauen in das Olympia-Aufgebot für London zu nehmen. Auch Bruneis zweiköpfigem Team gehört mit der Hürdenläuferin Maziah Mahusin erstmals eine Frau an.

Quelle: sid/rtr/won
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