100-Meter-Finale
Hertha-Blau machte Usain Bolt so schnell
Nach Usain Bolts Weltrekord über 100 Meter bei der Leichtathletik-WM in Berlin stellt sich die Frage: Wie ist so etwas möglich? Morgenpost Online erklärt, warum der Jamaikaner so schnell ist und seine Konkurrenten so klar beherrscht. Die Frage nach dem Limit über 100 Meter beantworten zwei Wissenschaftler.
Von Jens Hungermann
Es musste ja kommen, Usain Bolt (22) enttäuscht seine Zuhörer ungern. In unglaublichen 9,58 Sekunden war der Jamaikaner erneut Weltrekord gelaufen, elf Hundertstelsekunden flinker als vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen. Und nun beantwortete der Mann mit dem angeblichen Faible für Fastfood also die Frage, die nicht fehlen durfte: Wie war das diesmal, hihi, mit den Nuggets vor dem Rennen?
Bolt grinste, als freue er sich über die Belanglosigkeit. "Ich habe tatsächlich einen McDonald’s gefunden. Zum Mittagessen hatte ich Nuggets." Der Mann weiß, was von ihm erwartet wird.
Die Party nach dem Weltrekord für die Geschichtsbücher entfiel in der Nacht zu Montag allerdings, gefeiert hatte Bolt im Stadion schon genug. Nach der Pressekonferenz mit dem zweitplatzierten Tyson Gay (9,71 Sekunden), dem drittplatzierten Asafa Powell (9,84) ließ Bolt sich im Anschluss an die obligatorische Dopingkontrolle per Shuttle ins Hotel Berlin, Berlin kutschieren. Dort traf er seine Eltern, bevor er spätnachts ins Bett fiel. Am Montag schlief Bolt aus, für den Nachmittag verordnete er sich relaxen.
Während der Jamaikaner seelenruhig den Vorlauf am Dienstag über 200 Meter (ab 10.05 Uhr, ZDF, Eurosport und Morgenpost-Online-Liveticker) nahen ließ, hatte er eine Frage befeuert. Schon 2008 war sie auf der ganzen Welt diskutiert worden. Jetzt, mit einer 100-Meter-Zeit, die kaum ein Mensch für möglich gehalten hätte, ist sie umso interessanter.
Wissenschaftler haben allerdings noch eine andere Erklärung für die Leistung. Die Farbe machts: Das "Hertha-Blau" der Laufbahn im Olympiastadion hat Bolt aus Sicht des Farbpsychologen Prof. Harald Braem Flügel verliehen und zum 100-m-Weltrekord verholfen. "Blau ist eine fließende Farbe. Darauf können die Athleten viel befreiter laufen", sagt der Wissenschaftler vom Institut für Fabrpsychologie in Bettendorf (bei Koblenz).
Aus Braems Sicht ist der Effekt mit den blauen Straßenschildern an Autobahnen vergleichbar. Warnsignale, die zur Vorsicht mahnen, sind dagegen in Rot gehalten, der traditionellen Farbe von Leichtathletik-Laufbahnen.
Seitdem die Bahn in den Vereinsfarben von Hertha BSC 2004 gebaut worden ist, sei die Nachfrage nach Laufbahnen in Blau deutlich gestiegen, teilte die Hersteller-Firma aus Bad Berleburg mit. Bereits die Hallen-WM 2006 in Moskau fand auf einer blauen Regupol-Laufbahn von BSW statt.
Während die Farbe der Bahn auf die Psyche der Athleten zielt ist, geht es bei der Härte des Unterbodens um Physik. Kunststoff-Bahnen müssen nach den Vorgaben des Weltverbandes IAAF Kraftabbauwerte zwischen 35 und 50 Prozent aufweisen. Harte Bahnen sind die mit einem Wert nahe 35. In Berlin sind es 37 Prozent.
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