Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/sport/leichtathletik-wm/article1151678/So_war_der_erste_Leichtathletik_WM_Tag_in_Berlin.html

Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Weltmeisterschaften

So war der erste Leichtathletik-WM-Tag in Berlin

Es war ein gelungener und insgeheim auch erhoffter Auftakt für die deutsche Mannschaft bei der Leichtathletik-WM in Berlin. Der Neubrandenburger Kugelstoßer Ralf Bartels holte die erste Medaille für Deutschland. Und am ersten Tagen schürten andere deutsche Athleten - wie die Stabhochspringerinnen - große Hoffnungen.

Zurück Bild 1 von 171 Weiter
Am letzten Tag bedankten sich die Athleten bei der Gastgeber-Stadt-Berlin für die tolle Stimmung während der Leichtathletik-WM.
Foto: AP
Zum Abschluss bedankten sich die Athleten bei der Gastgeber-Stadt-Berlin für die tolle Stimmung während der Leichtathletik-WM.

Das Feixen wollte gar nicht mehr aus Ralf Bartels' rundem Gesicht weichen. Immer wieder schlug der Neubrandenburger Kugelstoßer die Hände über dem kahlen Kopf zusammen, ungläubig blickte er auf die Anzeigetafel, die die Weite seines Konkurrenten Reese Hoffa auswies. Tatsächlich: Der Amerikaner hatte im letzten Versuch neun Zentimeter weniger gestoßen und Bartels (21,37 Meter) plötzlich Bronze hinter Christian Cantwell aus den USA (22,03) und dem Polen Tomasz Majewski (21,91) gewonnen. „Bronze ist Bronze, ich bin überglücklich“, jubelte Bartels (31), der vor zwei Jahren in Osaka noch Siebter geworden war. Pünktlich zum Saisonhöhepunkt gelang dem Europameister von 2006 gleichzeitig eine persönliche Bestweite, 26 Zentimeter weiter als bislang in diesem Jahr, was von den Zuschauern mit Sprechhören gefeiert wurde. Bartels resümierte: „Das Publikum hatte maßgeblichen Anteil, es hat mich zu Bronze getrieben. Ich habe gezeigt, dass das Unmögliche möglich ist. Ich hoffe, das ist vielleicht Ansporn für andere.“

Anzeige

Als seine Kugel im dritten Durchgang bei der Bronze-Weite einschlug, war Ex-Sprinterin Marlies Göhr erste Gratulantin bei dessen Trainer Gerald Bergmann. „Das ist eine Riesengeschichte für Ralf“, sagte der Coach, der in der Runde zuvor noch genauso verzweifelt war wie sein Schützling. Nach 20,18 Metern schüttelte Bartels beinahe desillusioniert den Kopf. Es schien nichts zusammen zu gehen, ehe er Minuten später explodierte.

„Der Stoß war dann relativ gut getroffen“, flachste er am Stadion-Mikrophon. „Dann bin ich in den Wettkampf reingekommen. Mit dem Publikum und dem Adrenalin ist es dann soweit gegangen.“ Für Bartels war es nach dem Seuchenjahr 2008 das Comeback in der Weltspitze. Wegen einer Wadenverletzung hatte er die Teilnahme an den Olympischen Spielen verpasst. Doch die Probleme 2008 waren noch weit vielschichtiger. Sie reichten vom Fuß über die Wade bis hoch zur Hüfte. Alles war mal dran, doch 2009 machte Bartels dann kurz vor der WM mit 21,11 Metern seine Ambitionen deutlich.

Es war also ein gelungener und insgeheim auch erhoffter Auftakt für die deutsche Mannschaft, die ihre Bilanz von den Olympischen Spielen in Peking schon jetzt erreicht hat. Vor einem Jahr hatte Christina Obergföll im Speerwerfen mit Bronze die einzige Medaille für den DLV geholt. Von einem holprigen Start kann sportlich also weniger die Rede sein, allerdings ließ der Zuschauerzuspruch zum Auftakt der Welttitelkämpfe noch zu wünschen übrig.

25.300 Zuschauer sollen es laut Veranstalterangaben am Vormittag im Stadion gewesen sein, 42.546 am Abend. Wobei selbst IAAF-Offizielle die Ränge mit skeptischem Blick streiften. Um 18 Uhr hatte Bundespräsident Horst Köhler die 12. Weltmeisterschaften für eröffnet erklärt, bevor eine ebenso kurze wie belanglose Eröffnungszeremonie mit mehr als 200 Flaggen, Chor und Tanzdarbietung über die Bühne ging. Sollte dabei jemand Gänsehaut verspürt haben, dürfte es wohl an einem Windzug gelegen haben.

Schon wenig später gleichwohl deutete das deutsche Publikum erstmals an, dass es selbst in etwa mehr als halber Besetzung zu mehr Lärm in der Lage ist als das japanische vor zwei Jahren in Osaka in einer fast voll besetzten Arena: Carsten Schlangen (31) hielt in seinem 1500-Meter-Vorlauf lange Zeit an der Spitze mit, bis ihm auf der letzten halben Runde die Puste ausging. „Schade, dass ich nicht weiter bin, ich hatte mir mehr vorgenommen“, bedauerte der Berliner, der in den vergangenen drei Wochen im Training wegen einer Knochenhautentzündung im Schienbein vorwiegend atypisch unterwegs war: „Ich bin ziemlich viel Rad gefahren.“

Gänsehautfeeling beim Siebenkampf

Vielfältige Trainingsformen kennt Jennifer Oeser hingegen von Disziplin wegen. Nach dem ersten Tag im Siebenkampf und zwei persönlichen Bestleistungen (Hochsprung 1,83 m/Kugelstoßen 14,29 m) liegt die 25-Jährige mit 3814 Punkten auf Rang drei der Gesamtwertung hinter der Britin Jessica Ennis (4124) und Natalja Dobrynska aus der Ukraine (3817). Dabei, kicherte Oeser, „hatte ich nach der Mittagspause mein Schwein im Hotel vergessen“. Ein Physiotherapeut liefert den Glücksbringer aus Plüsch namens „Schwein vom Rhein“ rechtzeitig zum abendlichen Wettkampf ab. Nach dem attestierte Oeser dem Publikum: „Das pusht extra. Ein Gänsehautfeeling. Von mir aus könnte der Siebenkampf an dieser Stelle beendet sein.“

Ähnliche Erwartungen wie die Siebenkämpferin schürten an einem angenehm warmen Abend die drei deutschen Stabhochspringerinnen Silke Spiegelburg, Anna Battke und Kristina Gadschiew: Sie erreichten alle das morgige Finale.

Während des 10.000-Meter-Laufs der Frauen schwappte dann sogar zweieinhalb Runden lang La Ola durchs Stadion. Und als sich die Kenianerin Linet Chepkwemoi Masai auf den letzten 80 Metern mit raumgreifenden Schritten noch an der zu siegesgewissen Äthiopierin Meselech Melkamu vorbei ins Ziel warf, wurde das Gebrüll der Zuschauer so richtig laut – um noch einmal getoppt zu werden, als die winzige Japanerin Yukari Sahaku drei Minuten nach der Siegerin lachend als Letzte über die Ziellinie hechelte. Auch das ist WM.

Anzeige
MORGENPOST.TV - Leichtathletik-WM
Leichtathletik-WM
Deutsche Athleten ziehen Bilanz
Sind die WM-Tickets zu teuer?
 
0% Ja, auf jeden Fall.
 
0% Nein, die Preise sind angemessen.
 
0% Die Grundpreise sind okay, aber es sollte mehr Ermäßigungen geben.
 
0% Mir egal.
Gesamt: 0 Stimmen
Anzeige
Welche Nation wird die erfolgreichste der Leichtathletik-WM in Berlin?
 
0% USA
 
0% Russland
 
0% Äthiopien
 
0% Kuba
 
0% Weißrussland
 
0% Frankreich
 
0% Schweden
 
0% Bahrain
 
0% Jamaika
 
0% Kenia
 
0% Marokko
 
0% Deutschland
 
0% Bahamas
 
0% Estland
 
0% Niederlande
 
0% China
 
0% Andere
Gesamt: 0 Stimmen
Heute Morgen Übermorgen
Heute
-8°  |  -5°
Morgen
-9°  |  -6°
Übermorgen
-8°  |  -4°