Gelungener WM-Auftakt
Berlin träumt jetzt von Olympia
Strahlender Sonnenschein, 100.000 begeisterte Zuschauer am Geher-Kurs in der Innenstadt und tolle Stimmung im Olympiastadion: Die Leichtathletik-WM ist gelungen gestartet. Das attestieren auch Sportfunktionäre und machen Berlin Mut für eine Olympia-Bewerbung. Eine Berliner Kandidatur scheint bereits für 2020 möglich.
Bei strahlendem Sonnenschein haben die Sportwettkämpfe der 12.Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin begonnen. Die erste Goldmedaille gewann der Russe Waleri Bortschin, Olympiasieger von Peking, im 20-km-Gehen. 100.000 begeisterte Zuschauer trieben in Viererreihen am Kurs auf dem Boulevard Unter den Linden vor allem den Lokalmatador Andre Höhne an. "Berlin hat sich von seiner besten Seite gezeigt", schwärmte Höhne, der 14. wurde: "Das war sehr emotional."
Nach diesem gelungenen Auftakt zur wichtigsten Sportveranstaltung der Welt in diesem Jahr macht der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, Berlin sogar Hoffnungen auf Olympia. "Unsere Gäste sagen immer wieder, dass Berlin so ein tolles Stadion und Umfeld hat. Ich denke genauso", sagte Prokop Morgenpost Online, "deshalb finde ich, dass eine erneute Bewerbung Berlins um Olympische Spiele absolut sinnvoll wäre. Keine andere Stadt in Deutschland hat solche Möglichkeiten."
Der Präsident des für die Vergabe der Spiele zuständigen Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, macht sich bei seinem Besuch gerade ein Bild von der Organisation: "Die Leichtathletik ist der wichtigste Sport der Spiele mit fantastischen Gütern."
"Wir freuen uns, wenn der IOC-Präsident Rogge Berlin die olympische Reife attestiert", sagte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej: "Berlin hat beste Voraussetzungen mit sehr guten Sportstätten und einer ausgezeichneten Infrastruktur. Eine Bewerbung für die Olympischen Spiele aber bedarf der Unterstützung von ganz Deutschland. Wenn es vor 2030 klappen würde, wäre das eine tolle Sache."
Zumindest bis 2011 gilt die Bekanntgabe einer offiziellen Bewerbung Berlins allerdings als unwahrscheinlich. Deutschlands Hauptstadt hatte 1936 Olympische Spiele ausgerichtet und war 1993 mit der Kandidatur um die Spiele 2000 an Sydney gescheitert. Derzeit bewirbt sich Deutschland mit München um die Olympischen Winterspiele 2018. Das IOC erteilt jeweils sieben Jahre vor der Austragung einer Stadt den Zuschlag für Olympia.
Angetrieben von seinem Präsidenten Thomas Bach, hatte der Deutsche Olympische Sportbund Winterspiele zur realistischeren Option erklärt. Da die nächsten Sommerspiele 2012 in London stattfinden, halten die Funktionäre eine erneute Vergabe nach Europa kurz darauf für unwahrscheinlich.
Bach ist sogar so weit gegangen, dem Kontinent bis 2028 kaum Chancen einzuräumen. "Es gibt noch zwei weiße Flecken auf der Landkarte, wo noch nie Olympische Spiele ausgetragen wurden: Südamerika und Afrika", so Bach. Auch Staaten wie Katar stünden bereit. "Wenn wir uns bewerben", argumentiert Bach, "dann sollten wir auch Aussicht auf einen Erfolg haben."
Andere Länder allerdings haben ähnliche Erwägungen nicht gestört, und ihre Bewerbungen hatten trotzdem Erfolg. So bekam London den Zuschlag für 2012, obwohl die Spiele erst 2004 in Athen stattgefunden hatten. Und die Russen bewarben sich mit Sotschi trotz London für die Winterspiele 2014. Auch ihnen schadete die europäische Lage nicht.
DLV-Chef Prokop lässt daher nur ein Ausschlusskriterium für eine schnelle Berliner Kandidatur gelten: "Wenn München für 2018 den Zuschlag erhält, müssen wir uns nicht für 2020 bewerben." Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine Berliner Kandidatur scheint bei einem Scheitern Münchens durchaus bereits für 2020 möglich.
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