Bundesliga
Stuttgart wirbt um Hertha-Kapitän Friedrich
Montag, 21. Juli 2008 23:33 - Von Daniel Stolpe und Uwe BremerDer VfB Stuttgart hat es auf Herthas Kapitän Arne Friedrich abgesehen - drei Spielzeiten mit einem Jahresgehalt von vier Millionen Euro sind im Gespräch. Friedrichs Vertrag läuft noch bis Ende der kommenden Saison. Der Nationalspieler von Hertha BSC ist noch unentschlossen, aber geschmeichelt und beeindruckt.

Vor einem Jahr bewarb Christian Gimenez ein Angebot des Hauptsponsors von Hertha BSC. Die Fans sollten Berlins Bundesligisten auch zu Auswärtsspielen zahlreich begleiten – doch noch bevor sich das Team samt Anhang erstmals auf Reisen machte, war Gimenez verkauft. Auch Gilberto und Malik Fathi, die in Werbebroschüren für das Trikot posierten, erlebten das Saisonende nicht in Berlin. Gilberto wechselte Ende Januar zu Tottenham Hotspur, Fathi wenige Wochen später zu Spartak Moskau in die finanzstarke russische Liga.
Ihre Verkäufe schienen auf den ersten Blick sportlich und menschlich verlustreich, brachten Hertha aber viel Geld; zusammengenommen rund neun Millionen Euro. Zurück blieb Arne Friedrich, mit dessen Konterfei Hertha inzwischen für alles wirbt, was der Klub zu bieten hat: Dauerkarten, Trikot – und auch für das Freundschaftsspiel am Dienstagabend gegen den FC Liverpool (19.45 Uhr, Olympiastadion).
Allerdings wird bei diesem Test in bester Tradition ausgerechnet der Posterboy fehlen. Erst heute um 10 Uhr nimmt Friedrich bei Hertha das Training wieder auf. Dann sind drei Wochen Urlaub vorüber, die der 29-Jährige infolge der EM erst verspätet antreten konnte. Aus Mauritius, wo es auf der Südhalbkugel der Erde auch im Winter angenehme 23 Grad warm ist, brachte Friedrich eine schwere Erkältung und 39 Grad Fieber mit nach Hause. Nicht allein deshalb aber, stellt Friedrich fest, „werde ich nach einem Tag Training gegen Liverpool nicht spielen“.
Nach Informationen von Morgenpost Online ist Friedrich von einer Offerte des VfB Stuttgart, der seit Wochen Interesse hat, geschmeichelt und beeindruckt. Unabhängig davon, ob Fernando Meira den Klub verlässt oder nicht, suchen die Stuttgarter einen Innenverteidiger. Geht Meira, dann sogar zwei. Friedrich ist deswegen ein Kandidat, weil Manager Horst Heldt die Bildung einer Achse forciert, die aus verlässlichen Kräften besteht, die allesamt Nationalspieler sind oder waren: Jens Lehmann im Tor, davor Friedrich, der designierte neue Kapitän Thomas Hitzlsperger und im Angriff Mario Gomez. Zugleich soll diese Achse ein Gegengewicht bilden zur Fraktion der eher schwierigen Charaktere im Kader: Jan Simak, Danijel Ljuboja, dazu womöglich bald auch der Ex-Herthaner Kevin Boateng, der sein Getto-Image mit Tätowierungen, protzigen Autos und markigen Sprüchen unverändert pflegt.
Friedrich weiß um seinen Status
Der VfB soll Friedrich einen Vertrag über drei Spielzeiten mit vier Millionen Jahresgehalt bieten, üppiges Handgeld obendrein. Friedrich gefallen die finanziellen Dimensionen ebenso wie die Laufzeit – und mehr als all das noch die Aussicht, in Stuttgart als Innenverteidiger vorgesehen zu sein anstatt wie in Berlin bei Trainer Lucien Favre als rechtes Glied der Abwehrkette.
Obwohl die Bestimmungen der Fifa vorsehen, dass potenzielle Interessenten Friedrich erst sechs Monate vor dessen Vertragsende in Berlin direkt kontaktieren dürfen, sollen bereits wenigstens zwei persönliche Gespräche mit Heldt stattgefunden haben. Entschieden hat Friedrich sich jedoch noch nicht. Denn der leidenschaftliche Porsche-Fahrer und Dreitagebart-Träger weiß um seinen Status in Berlin, wo er intern der Kopf der Mannschaft und nach außen das Gesicht eines nach bundesweiter Aufmerksamkeit strebenden Klubs ist und noch viele Jahre sein kann.
Einen solchen Imageträger zu verlieren, kann sich Hertha kaum erlauben. Trotzdem tun sich die Verantwortlichen nicht restlos leicht damit, für Friedrich ein millionenschweres Paket zu schnüren – Aushängeschild hin, 61 Länderspiele her. Denn mit 29 Jahren steht nicht zu erwarten, dass Friedrich, von Favre ob seiner Fähigkeiten mitunter kritisch beäugt, sich fußballerisch noch erheblich steigert. „Ein Cristiano Ronaldo, der Übersteiger in Serie produziert, werde ich nicht mehr“, sagt er von sich selbst. Trotzdem müsste Hertha ihm wenigstens mit dem VfB vergleichbare Konditionen bieten, was einem Gesamtvolumen von wenigstens 15 Millionen Euro gleichkäme.
Im Gespräch mit Morgenpost Online bat Friedrich um „Verständnis, dass ich nichts sagen kann“. Keine Auskunft zum angeblichen Interesse des VfB – also auch kein Dementi –, kein Bekenntnis zu einem womöglich letzten Jahr in Berlin, erst recht keine Aussage bezüglich der Zeit darüber hinaus. Doch auch bei anderen Fragen wirkt der Musterprofi Friedrich, als habe er sich von Hertha gedanklich bereits entfernt. Der Name des Gegners in der Uefa-Cup-Qualifikation, Nistru Otaci (gesprochen: Otatsch) geht ihm nicht fehlerfrei von den Lippen.
Angesichts der Namenlosigkeit der Moldawier eine lässliche Sünde. Auffälliger ist da schon, dass Friedrich sich seit der EM „wenig mit Hertha beschäftigt“ habe. „Ich kenne die Zugänge nicht“, sagt er, also könne er ebenfalls „wenig sagen“ zu den Aussichten für die kommende Saison. Vielleicht wird er es schon bald können – beim VfB Stuttgart.



































