Hertha BSC
Patrick Eberts Zukunft steht auf dem Spiel
Sonntag, 13. Juli 2008 14:56 - Von Uwe BremerAlkohol am Steuer und Sinnsuche - Patrick Ebert steckt in einer Krise. Trotz 27 Liga-Einsätzen in der Vorsaison steht seine Zukunft bei Hertha BSC auf der Kippe. Steigert sich der Mittelfeldspieler nicht deutlich, wird er seinen Platz im Team verlieren.

Er läuft immer in der Gruppe mit dem schwersten Programm. Immer vornweg. Was Ausdauer angeht, macht Patrick Ebert (21) bei Hertha BSC niemand etwas vor. Der Mittelfeldspieler hat schon vor dem Trainingsstart Ende Juni viel gearbeitet. "Die Kondition von Patrick ist fantastisch", lobt Trainer Lucien Favre. Erst im vergangenen Oktober hatte der Verein mit dem U21-Nationalspieler aus dem eigenen Nachwuchs bis 2011 verlängert.
Da scheint es paradox, dass Ebert derzeit entscheidende Wochen durchläuft. Trotz 27 Liga-Einsätzen in der Vorsaison steht seine Zukunft bei Hertha BSC auf der Kippe. Steigert Ebert sich in den Spielen der nächsten 20 Tage nicht deutlich, wird er seinen Platz im Team verlieren.
Mohamed Chermiti (20) von Etoile du Sahel, Jorge Valdivia (24) von Palmeiras Sao Paulo und Cicero (23) von Fluminense Rio de Janeiro - gelingen die Transfers, an denen Manager Dieter Hoeneß arbeitet, wird sich Ebert auf der Ersatzbank wiederfinden.
Großer Aufwand, kleiner Ertrag
Die Verantwortlichen bei Hertha sind enttäuscht von Eberts Entwicklung. Dass ein junger Spieler Formschwankungen hat, wie der Mittelfeldspieler in der letzten Saison, macht dabei nur einen Teil aus. So hatte Favre in der Rückserie angeordnet, dass Ebert, der eigentlich eine gute Schusstechnik hat, künftig keine Freistöße und Ecken mehr schießen darf. Die waren serienweise beim Gegner oder im Aus gelandet. Auch zwischen Aufwand und Ertrag herrscht ein krasses Missverhältnis. So hat er als offensiver Mittelfeldspieler in 46 Bundesligaspielen nur drei Tore und drei Assists gemacht. Favre: "Die Effizienz bei Patrick muss besser werden."
Gravierender sind andere Schlaglichter: Im vergangenen August wurde Ebert mit 1,46 Promille aus dem Verkehr gezogen, der Führerschein war weg. Hertha hielt zu ihm, verlängerte im Oktober seinen Vertrag. Anfang November feierte Ebert ein Tor in Hamburg, indem er ein T-Shirt "Harlekins 1998" unter dem Trikot zeigte - einer Fangruppierung, zu der Hertha seit Jahren ein schwieriges Verhältnis hat. Parallel dazu stapelten sich bei seinem Arbeitgeber Berichte, wer Ebert in welchen Morgenstunden in welchen Diskotheken gesehen haben will. Dann plauderte Ebert in Boulevardzeitungen: Er habe arabische Kumpels, er überlege, zum Islam überzutreten.
Wochenlanges Schweigen
Nachdem er sich wochenlang nicht äußern wollte, stellte sich Ebert an diesem Wochenende im Trainingslager in Österreich den Medien. Zum Thema Islam sagte er: "Ich befasse mich mit verschiedenen Glaubensrichtungen. Ich habe noch keine Entscheidung getroffen." Am Rande sei erwähnt, welche Auswirkungen Presseberichte manchmal haben. Nachdem die Überlegungen des Hertha-Profis öffentlich geworden waren, schickte die Berlin-Brandenburgische Kirche ein sehr ranghohes Mitglied, das mit der Familie Ebert über das Christentum, den Islam und Glauben diskutierte.
Ebert erzählte, er habe im Sommer viel trainiert: Laufen, Tennis, Fahrrad fahren. Um seine Schwäche bei Standards zu verbessern, sei er allein mit einem Sack Bälle zum Üben auf einen Sportplatz gegangen. "Ich versuche, Gas zu geben und will mich anbieten." Er wisse, dass er einfacher spielen muss ("Mein Spiel ist halt nah' am Risiko") und mehr Tore erzielen sollte. Und wenn Neue kommen? "Konkurrenz ist immer gut. Aber mir ist vor niemanden bange. Es liegt an mir, mich so zu präsentieren, dass der Trainer mich aufstellt." Wie ist das mit dem Lebenswandel? "Jeder geht mal weg. Aber das hat nicht Überhand genommen."
Es gab viele Gespräche mit Ebert in den vergangenen Monaten. Im Verein, mit seinem Berater Jörg Neubauer, mit der Familie. Im günstigen Fall ist es so, dass da ein junger Mann viele verschiedene Wege probiert hat - und nun die richtigen Konsequenzen zieht. Ebert sagt: "Ich bin im Moment sehr glücklich mit meinem Leben." Und: "Jeder ist für seine Leistung selbst verantwortlich." Spätestens mit Herthas Startelf beim Bundesligastart wird Ebert wissen, was dieser Satz für ihn heißt.
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