Neues Stadion

Ein neues Stadion soll Hertha mehr Punkte bringen

Manager Preetz befasst sich mit Alternativen fürs Olympiastadion. Die Fans sollen näher ran - und Hertha so in der Tabelle nach oben.

Jubeltraube mit leeren Rängen im Hintergrund: Die Spieler von Hertha BSC feiern vor der Ostkurve im Olympiastadion das 2:1 gegen Ingolstadt

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Jubeltraube mit leeren Rängen im Hintergrund: Die Spieler von Hertha BSC feiern vor der Ostkurve im Olympiastadion das 2:1 gegen Ingolstadt

Berlin.  Es gab einiges zu feiern: Mit dem 2:1 gegen Ingolstadt gelang Hertha BSC der vierte Sieg aus den letzten fünf Spielen. Das Team um Interimskapitän Per Skjelbred festigte Rang drei. Bei sieben ausstehenden Spielen wird das Szenario Europa immer wahrscheinlicher. Offen ist nur, ob es die Europa League wird oder – zum ersten Mal seit 1999 – die Champions League. Präsident Werner Gegenbauer lobte nicht nur Trainer Pal Dardai, sondern auch den Finanzchef von Hertha.

In unglaublichen 9:23 Minuten hatten am Sonnabend Anleger eine Million Euro gezeichnet, die der Berliner Bundesligist in der Form des "Crowdlending" angeboten hatte. Auf 60 Tage hatten Hertha und die Online-Finanzvermittler "Kapilendo.de" die Sammelphase angelegt. Es dauerte keine zehn Minuten, bis eine Zahl von privaten Anlegern "im mittleren dreistelligen Bereich", so eine "Kapilendo"-Sprecherin, eine Million Euro platziert hatte. Die Nachfrage sei stark aus der Region Berlin-Brandenburg gekommen. "Mit der Aktion wurde ein Nerv getroffen", ­sagte Präsident Gegenbauer der ­Morgenpost. "Das ist wunderbar. Ich habe Ingo Schiller gratuliert."

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Preetz geht erstmals in die Offenisve

So gut Hertha sportlich dasteht, so erfreulich der Anschluss an die Jungen aus der Crowdfunding-Szene ist: Thema beim Hauptstadt-Klub war die ­Mager-Kulisse gegen Ingolstadt. Nur 40.385 Besucher feierten die Tore von Genki Haraguchi (54.) und Salomon Kalou (69.). "Wir spielen unsere beste Saison seit Jahren, und der Zuschauerschnitt ist schlechter als in der Saison, als wir abgestiegen sind", sagt Manager Michael Preetz. Hertha hat eine starke Heimbilanz (neun Siege, vier Remis, eine Nieder­lage), im Schnitt pilgern aber nur 45.615 Zuschauer ins Olympiastadion (74.475 Plätze). Manager Preetz, seit 1996 in Berlin, sagt: "Im Prinzip ist es seit 20 Jahren so, dass Hertha immer einen Schnitt von knapp unter oder über 50.000 hat – egal, wie die Mannschaft spielt."

Preetz geht nun zum ersten Mal in die Offensive: "Das Olympiastadion ist unsere Heimstätte. Das ist auch gut so. Aber es hilft nichts, wir müssen uns mit dem Thema befassen: Was ist eine zeitgemäße Spielstätte für Hertha?" Was der Manager meint: Das Olympia­stadion, für die Spiele 1936 gebaut und zwischen 2000 und 2004 restauriert, ist es nicht. Hertha verschenkt im Olympiastadion jede Saison vier bis fünf Punkte sowie viel Geld. Die Punkte fehlen, weil das Publikum zu weit weg sitzt und Schiedsrichter sowie Gegner sich in Berlin nicht so unter Druck fühlen. Konkret: Hertha sucht nach einer Zukunftsarena. Gewünscht ist ein reines Fußballstadion mit einer Kapazität von etwa 55.000 Plätzen. Mit zeitgemäßem Komfort und VIP-Logen.

Beispiel ist der FC Bayern

Eine Folge der Sitz-Verknappung wäre, dass praktisch jedes Bundesliga-Spiel ausverkauft wäre. Weil Hertha mehr Dauerkarten verkaufen würde. Nur so wären die Fans sicher, bei den Höhepunkten dabei zu sein. Preetz: "Allein, was die Ostkurve an Stimmung macht, wenn ich mir das in einem Fußball­stadion vorstelle..."

Ein Beispiel ist der FC Bayern. Dort haben sich die Stimmung im Stadion und die Vermarktungssituation verbessert, seit die Bayern 2005 vom Olympiastadion in die Allianz Arena umgezogen sind. Im Idealfall, so das interne Hertha-Szenario, ist das Fußballstadion Teil eines Umfeldes mit Hotel, Veranstaltungszentrum und einer Mall. Bleibt die Frage: Wer soll eine ­Zukunftsarena bezahlen? Und wo soll sie stehen? Klar ist: Hertha kann ein solches Projekt nicht finanzieren.

Vom Land Berlin ist keine Hilfe zu erwarten

Das Land Berlin hat gewaltige andere Lasten zu stemmen. Unabhängig vom Ausgang der Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September wird es kein Geld von der öffentlichen Hand für den Profifußball-Klub Hertha geben.

Also gilt es, externe Partner für eine Zukunftsarena zu finden. Hertha setzt hier auf die internationalen Kontakte von Anteilseigner KKR (New York) oder von Horst J. Pudwill (Hongkong), der Mitglied im Aufsichtsrat der ­Hertha-KGaA ist. Die Frage der Kosten lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wo gebaut wird: In Berlin? Oder doch ein paar Meter hinter der ­Stadtgrenze in Brandenburg wie in Drei Linden? Hertha bewegt sich derzeit in einem positiven Umfeld: Preetz will die Aufmerksamkeit nutzen: "Wir müssen ran an diese Diskussion."

Der Mietvertrag endet im Juni 2017

Klar ist aber auch: Im Juni 2017 endet der Mietvertrag im Olympiastadion. Da Hertha aktuell keine Alternative hat, wird es einen weiteren, mittelfristigen Mietvertrag über fünf, sechs Jahre im Olympiastadion geben. Diese Zeit muss Hertha dann nutzen.

Der Berliner Senat sieht keine Gründe, sich an einer Diskussion um eine neue Fußball-Arena in der Hauptstadt zu beteiligen. "Hertha BSC hat aktuell gegenüber der Senatsverwaltung für Inneres und Sport diesbezügliche Pläne bisher nicht geäußert", teilte die Verwaltung am Montag mit.

"Hertha BSC steht mit dem Olympiastadion eine qualitativ hochwertige Spielstätte zur Verfügung, die von der UEFA mit dem Fünf-Sterne-Zertifikat ausgezeichnet wurde", erklärte Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU): "Die Zusammenarbeit hat sich auch in schwierigen Zeiten bewährt. Das weiß auch der Verein."

Die Senatsverwaltung verwies darauf, dass Einzelheiten zu dem laufenden Vertragsverhältnis zwischen Hertha, der Olympiastadion Berlin GmbH und dem Land Berlin als Geschäftsgeheimnis der vertraglichen Verschwiegenheitsvereinbarung unterliegen würden.

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