Zwischenbilanz

Herthas Trainer Dardai: "Platz fünf bis sieben ist möglich"

Trotz Remis-Flut ist Hertha BSC weiter auf Europapokal-Kurs. Trainer Pal Dardai glaubt daran und lädt sein Team zur Kostümparty ein.

Pal Dardai wartet im Jahr 2016 noch auf den ersten Liga-Sieg mit Hertha

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Pal Dardai wartet im Jahr 2016 noch auf den ersten Liga-Sieg mit Hertha

Witzig wäre natürlich gewesen, wenn Pal Dardai als Schiedsrichter gekommen wäre. Das hätte der Schelte für die Unparteiischen vom Vortag, als sich Herthas Trainer nach dem 1:1 gegen Wolfsburg mächtig über Sascha Stegemann ärgerte, eine feine Pointe verliehen. Aber nein, kein Schiedsrichter.

Welches Kostüm er trug, wollte Dardai am Sonntag nicht verraten. Nur, dass er ebenfalls verkleidet erschienen war wie seine Spieler und deren Frauen, die er am Sonnabend zur Kostümparty in der Kabine eingeladen hatte. Alexander Baumjohann kam als Batman, Mitchell Weiser als Modezar Karl Lagerfeld. Und was Ronny darstellen sollte, war nicht so klar: Irgendwas zwischen Henker und männlicher Domina. "Ein perfekter Abend war das und gut für uns als Team", so Dardai zur Morgenpost über seine verspätete Einstandsparty zum Cheftrainervertrag.

Champions-League-Platz trotz Sieglosserie

Gut fürs Teamgefühl wäre davor auch ein Sieg gegen Wolfsburg gewesen. Es wurde ein Remis, das vierte in dieser Rückrunde. Immer noch wartet der Hauptstadtklub auf den ersten Liga-Sieg im Jahr 2016, steht aber trotzdem weiter auf Platz drei, auf dem man auch überwintert hatte – Champions-League-Rang, trotz durchwachsener Ergebnisse.

Hertha ist nicht nur im Berliner Nachtleben verkleidet unterwegs, die Blau-Weißen tragen auch in der Bundesliga ein Kostüm, und zwar das eines Spitzenteams. Und zwar deshalb, weil bisher kein anderes, echtes zur Party erschienen ist. Weder Wolfsburg, noch Leverkusen, oder Gladbach.

"Wir sind da oben, weil zu viele Mannschaft zu viele Fehler gemacht haben", sagt Dardai. Mit dem Remis gegen den VfL war der Ungar einverstanden. Eigentlich auch mit den bisher gezeigten Leistungen im neuen Jahr. "Die Punkte sind wenig, aber wir habe in keinem Spiel schlecht gespielt und unsere Spielweise durchgezogen", sagt Dardai.

Europa League als realistisches Ziel

Dass man dennoch nicht vollumfänglich zufrieden mit dem Rückrundenstart ist, liegt daran, wie die Hinrunde endete: mit vier Siegen aus fünf Partien (nur gegen Bayern verlor man) ging es in die Winterpause, und das Träumen von der Champions League begann bei Fans und Medien.

Im Trainingslager in Belek hatte Dardai auf die Frage nach der Königsklasse geantwortet: "Nach fünf Spielen können wir sagen, ob wir einen guten Start hatten. Wenn wir dann immer noch oben stehen, können wir uns noch einmal zusammensetzen."

Nun sind diese fünf Spiele gespielt, Hertha steht immer noch oben, und Dardai sagt: "Wenn alles optimal läuft und zusammenpasst, ist in dieser Saison Platz fünf bis sieben möglich." Die Teilnahme an der Champions League würde das nicht bedeuten, aber vielleicht die an der Europa League. Ein durchaus realistisches Ziel, auch wenn die Rückrunde bisher noch nicht so prächtig anläuft, wie es die Hinrunde getan hat.

Die Effizienz vor dem Tor ist verloren gegangen

Genau genommen beträgt der Unterschied drei Punkte. Sieben Zähler holte Hertha in der ersten Saisonhälfte gegen dieselben fünf Gegner. Jetzt sind es vier. "Aber die drei Punkte lassen sich aufholen. Keine Hektik", sagt Dardai. In seiner eigenen Rechnung fehlen eigentlich nur zwei Zähler. Die beiden, die man nach 3:1-Führung gegen Bremen liegen ließ (3:3). Aber Dardai sagt auch ehrlich: "Mehr Punkte als wir haben, hätten wir nicht verdient."

Denn es sind dann doch noch andere Unterschiede zur fulminanten Hinrunde zu beobachten: Während Herthas Stärke die enorme Effizienz vorm Tor war (zweitbestes Team hinter dem BVB in dieser Kategorie), lassen die Berliner derzeit zu viele gute Chancen aus. Das war schon gegen Stuttgart der Fall, und nun auch gegen Wolfsburg in der ersten Halbzeit, als es in der Pause 2:0 hätte stehen können. "In der Hinrunde hatten wir einen Lauf, jetzt fehlt uns der Siegtreffer", sagt Dardai.

Zudem holte Hertha gegen Teams auf Augenhöhe konstant die Punkte und verlor gegen die Großen. Nun hat sich das Verhältnis ein wenig umgekehrt: Gegen Dortmund und Wolfsburg wurde gepunktet, gegen Augsburg, Bremen und Stuttgart aber nicht gewonnen.

Verteidiger Sebastian Langkamp fällt zwei Wochen aus

Das sind bisher noch kleine Unterschiede, doch einen großen gibt es auch: Während Hertha in der Hinrunde von Muskelverletzungen verschont blieb, muss nun schon die vierte innerhalb von anderthalb Wochen notiert werden.

Nach Mitchell Weiser, Salomon Kalou und Johannes van den Bergh, der wegen einer Muskelverhärtung gegen Wolfsburg ausfiel, hat es auch Sebastian Langkamp erwischt: Der Innenverteidiger zog sich am Sonnabend einen kleinen Muskelfaserriss in der linken Wade zu. "Wir haben im Moment auch einen Tick Pech", sagt Dardai und weiß bisher keinen anderen Grund für die vermehrt auftretenden Probleme: "Wir haben jedenfalls nicht mehr oder weniger trainiert als in der Hinrunde", so der 39-Jährige.

Langkamp wird zwei Wochen ausfallen. Diese beiden Wochen allerdings werden darüber entscheiden, auf welchen Weg sich Hertha 2016 wirklich macht: Denn es warten mit Köln am Freitag sowie Frankfurt und dem HSV in einer Englischen Woche genau die Teams, die es zu schlagen gilt, wenn man Europapokal-Ambitionen hegt. Und es sind die Gegner, gegen die Hertha in der Hinrunde sieben Punkte holte. Danach wird sich zeigen, ob unter Herthas Kostüm wirklich eine Spitzenmannschaft steckt, oder nicht.

Zur Startseite