Bundesliga

Der unrühmliche Abgang von Änis Ben-Hatira

Ein Faustschlag gegen Teamkollege Mitchell Weiser auf der Rückfahrt aus Bremen beendet die Zeit von Änis Ben-Hatira bei Hertha BSC.

Bolzplatzkind Änis Ben-Hatira (r.) bei der Vorstellung in Frankfurt mit Yanni Regäsel (l.) und Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner

Foto: imago sportfotodienst / imago/Hartenfelser

Bolzplatzkind Änis Ben-Hatira (r.) bei der Vorstellung in Frankfurt mit Yanni Regäsel (l.) und Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner

Berlin.  Bei der Vorstellung beim neuen Arbeitgeber gab sich Änis Ben-Hatira (27) zerknirscht. "Ich habe etwas getan, was nicht in Ordnung war und nicht mehr zu korrigieren ist. Ich habe mich dafür entschuldigt. Leider ist es ­passiert, das wird nie wieder vor­kommen", sagte Ben-Hatira auf einer Pressekonferenz bei Eintracht Frankfurt. Wie sich nun herausstellt, ist der Wechsel des Mittelfeldspieler von ­Hertha an den Main alles andere als ­freiwillig vor sich gegangen.

Hertha BSC teilte auf der Homepage mit, dass es "auf der Rückfahrt des Teams vom Auswärtsspiel in Bremen am vergangenen ­Samstag im ­Mannschaftsbus einen Vorfall gegeben hat. Hertha BSC hat die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Denn Fairness, Anstand, ­Respekt und Teamgeist ­gehören bei uns zu den wichtigsten Grundsätzen im Verein."

Weiser zu Ben-Hatira: "Was willst Du denn?"

Damit bestätigte der Klub einen Bericht der "Bild". Nach Morgenpost-­Informationen hatte es eine verbale Auseinandersetzung an einem Vierer-Tisch im hinteren Busteil gegeben. Änis Ben-Hatira kritisierte demnach mehrfach John Brooks. Der Innenverteidiger habe beim 1:2-Anschlusstor der Bremer den entscheidenden Fehler gemacht (Endstand 3:3).

Außenbahnspieler Mitchell Weiser, der mit am Tisch saß, maulte daraufhin zu Ben-­Hatira: "Was willst Du denn?" Unterton: Was sich Ben-Hatira aufrege, schließlich hat der tunesische Nationalspieler in dieser Saison noch kein einziges Bundesliga-Spiel bestritten. Daraufhin, so wird es kolportiert, habe sich Ben-Hatira erhoben und den auf seinem Sitz sitzenden Weiser mit der Faust aufs ­Auge geschlagen.

Das Trainerteam, das vorn im Bus saß, bekam erst nach der Ankunft in Berlin von der Angelegenheit mit. Auch wenn Ben-Hatira es so darlegt: Bei Weiser hat er sich bisher nicht entschuldigt.

>>>Ben-Hatira und Regäsel wechseln nach Frankfurt<<<

Entracht Frankfurt wusste um den Vorfall

Vereinsintern wurde über eine Suspendierung von Ben-Hatira nachgedacht oder über eine fristlose Entlassung. Stattdessen ließ Hertha auf dem Markt lancieren – das Wechsel­fenster war nur bis Montag, 18 Uhr, geöffnet – dass Ben-Hatira ab ­sofort zu haben sei.

Eintracht Frankfurt griff zu. Sport­direktor Bruno Hübner wusste laut "Bild" von dem Vorfall: "Das sollte im Mannschaftssport nicht passieren, ­passiert aber halt trotzdem. Für ihn ist Frankfurt ein Neustart, wir glauben, dass er unserer Mannschaft hilft."

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Armin Veh lobt den Neuen von Hertha

Diese Zusammenhänge erklären, warum Ben-Hatira am Montag seinen Vertrag in Berlin rasch aufgelöst – und warum er in Frankfurt ein Arbeitspapier über die Minimallaufzeit von nur fünf Monaten bis Ende Juni unterschrieben hat. Eintracht-Trainer Armin Veh sagte bei der Vorstellung: "Ich habe Ben-Hatira in Hamburg als fleißigen Spieler ­kennengelernt. Ich bin ­überzeugt dass er uns helfen kann." Auch für Yanni ­Regäsel (20), den die Frankfurter ebenfalls von Hertha verpflichteten, fand Veh freundliche Worte: "Regäsel kann durchaus schon in dieser Halbserie ­seine Chance bekommen." Und es gab ein indirektes Lob für die Trainingsarbeit bei Hertha. Veh: "Der Fitness­zustand beider Spieler ist gut."

In Berlin ist Pal Dardai enttäuscht. Der Hertha-Trainer sagte: "Es gab einen Vorfall, darauf mussten wir reagieren. Für mich ist der Teamgeist heilig."

Verhältnis Dardais zu Ben-Hatira war seit längerem gestört

Das Verhältnis zwischen Dardai und Ben-Hatira war seit längerem gestört. Der Profi war der Meinung, dass ihm im Team eine Führungsrolle zustehe. Tatsächlich hat er seit 2011, als er vom HSV zu Hertha wechselt, verletzungsbedingt durchschnittlich pro Saison aber nur die Hälfte der Pflichtspiele bestritten. Seit einem Ausflug zur tunesischen Nationalelf im April 2015 – Dardai hatte seinen Spieler gebeten, nicht zu reisen. Ben-Hatira fuhr trotzdem und kehrte verletzt zurück – hatten sich Dardai und sein Zögling nichts mehr zu sagen.

Ben-Hatira sagte in Frankfurt: "Ich freue mich sehr, auf die neue Herausforderung." In der Bundesliga ist es ­seine letzte Chance.

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