Hertha BSC

Nicht nur um Änis-Ben Hatira wird es frostig

Foto: Soeren Stache / dpa

Hertha sortiert zu Jahresbeginn sein Personal neu: Sinan Kurt kommt von den Bayern, Ben-Hatira, Beerens und Ronny können gehen.

Berlin.  Am Ende des Gesprächs sagt Änis Ben-Hatira zwei Sätze, die seine momentane Situation bei Hertha BSC trefflich zusammenfassen: "Ich bin kein Wappenküsser und brauche nicht extra betonen, was mir das alles hier bedeutet", sagt der 27-Jährige. In Berlin ist er geboren, bei Hertha ausgebildet. Aber dieser, sein Klub bietet ihm gerade wenig Aussichten auf Einsatzzeit.

Die Hinrunde lief ja für Hertha auch prächtig, als der Flügelspieler verletzt fehlte. Und so lautet Satz Nummer zwei über die eigene Perspektive: "Wenn der liebe Gott mir einen anderen Weg weist, werde ich das akzeptieren und diesen Weg gehen", sagt Ben-Hatira der Morgenpost.

"Nur das Heute ist entscheidend für mich"

Das klingt nach Abschied, auch wenn Änis Ben-Hatira sagt, das solle es nicht. Er wisse einfach nicht, wie es weitergeht. "Im Fußball kann man sich alles vorstellen. Ich habe mich aber davon verabschiedet, über morgen nachzudenken. Nur das Heute ist entscheidend für mich", sagt der Mittelfeldspieler.

Im Heute ist er gerade erst wiedergenesen von einer komplizierten Zehenverletzung. Im Heute trainiert er wieder mit der Mannschaft und sagt, er fühle sich "topfit".

Aber im Heute wird auch allerhand geredet. Ben-Hatiras Vertrag läuft im Sommer aus. Es ist wahrscheinlich, dass Hertha ihm keinen neuen mehr anbieten wird. Ein Weggang in der Wintertransferperiode bis zum 31. Januar ist deshalb möglich.

Der Deutsch-Tunesier hat nur die Hälfte der Spiele absolviert

Ben-Hatira hat das schon oft gehört. Eigentlich fiel sein Name immer in den vergangenen Transferperioden, wenn es darum ging, wer Hertha verlassen könnte. Weil er einerseits ein gewisses Gewicht hat, und weil Ben-Hatira sich andererseits – auch durch viele Verletzungen – nie als unentbehrlich erweisen konnte.

Der Deutsch-Tunesier hat dank seines anarchischen, unorthodoxen Einzelkämpferstils etwas Besonderes. Aber er zeigt es zu selten. Seit er 2011 aus Hamburg zurück zu Hertha kam, hat er durchschnittlich pro Saison nur die Hälfte der Partien bestritten.

Und nun sind andere da wie Genki Haraguchi, der geradliniger spielt und eine vorzügliche Hinrunde hingelegt hat. Selbst Valentin Stocker, den auffälligsten Spieler des ersten Halbjahres 2015, konnte der Japaner verdrängen. In der Hierarchie der Offensivakteure ist Ben-Hatira im Moment bestenfalls Nummer sechs oder sieben.

Preetz: "Der Teamgeist ist heilig"

Der Fußball, das ist seine besondere Logik, erzeugt fortwährend Probleme. Wenn es nicht läuft, ist dies das Problem. Läuft es aber, wie nun bei Hertha, führt der Erfolg auch zu Kollateralschäden. Spieler, die nicht spielen, sind unzufrieden, und die Verantwortlichen sorgen sich um den Fortbestand des guten Binnenklimas.

"Der Teamgeist ist heilig", sagt Manager Michael Preetz, was als eine Erinnerung an die eigenen Profis gemeint ist. Für Herthas Cheftrainer Pal Dardai ist das im Moment eine komfortable und schwierige Situation zugleich: Er hat eine funktionierende Mannschaft und kann gar nicht anders, als zunächst weiter auf das bewährte Personal zu setzen.

Will sich da jemand reinzwängen, muss er Leistung zeigen, was gleichsam dem Niveau der Mannschaft guttun würde. Gleichermaßen aber muss Dardai auch die Hinterbänkler bei Laune halten und ihnen Perspektiven aufzeigen.

Nur zwei Einsätze für Roy Beerens

Roy Beerens sieht die für sich nicht mehr bei Hertha. Über seinen Berater ließ der Niederländer verlauten, dass er in diesem Winter abwanderungswillig sei. Auch Beerens ist ein Flügelspieler wie Ben-Hatira. Und auch er war entbehrlich in der Hinrunde.

Der 28-Jährige kam nur zu Saisonbeginn zu zwei Einsätzen und würde gern innerhalb der Bundesliga wechseln. Bei ihm, ähnlich wie bei Ben-Hatira, ist Hertha gesprächsbereit, sollte sich ein Interessent melden.

Passiert bis Sonntag nichts, werden beide aber mit den bisherigen Teamkollegen ins einwöchige Trainingslager in die Türkei reisen. Obwohl der Kader mit aktuell 30 Spielern (davon fünf Torhüter) ziemlich aufgebläht ist, will Dardai nur zwei bis drei Akteure zu Hause lassen.

Beiden Seiten wäre geholfen, sollte sich noch ein Verein melden, der Interesse am Brasilianer Ronny hat. Schon im Sommer wollte Hertha den Spielmacher abgeben. Das klappte nicht. Nun beginnt das Unterfangen von vorn, und Ronnys Berater Dino Lamberti sagt der Morgenpost: "Es ist nicht einfach, eine Lösung zu finden, die für Hertha und Ronny gut ist."

Es gebe Kontakt zu verschiedenen Vereinen im Ausland – "in der Türkei und dem arabischen Raum". 1860 München, wo im Sommer Interesse bestand (Ronny aber wollte nicht), habe aktuell nicht angeklopft. Fest steht nur: Kommt ein passender Klub, geht Ronny. So sind es mit ihm, Beerens und Ben-Hatira drei Mittelfeldspieler, die Hertha ziehen lassen würde.

Sinan Kurt sollte eigentlich erst im Sommer geholt werden

Ein neuer war eigentlich erst für den Sommer geplant, kommt nun aber schon jetzt: Sinan Kurt vom FC Bayern. Der 19-Jährige wollte früher wechseln, um mehr Eingewöhnungszeit zu haben. Am Mittwoch soll der Linksaußen den Medizincheck absolvieren und danach einen Drei-Jahresvertrag bis 2019 unterzeichnen. Das berichtete der "Kicker".

Statt der geplanten Ausleihe konnte Preetz einen Kauf für etwas weniger als eine Million Euro aushandeln und geht damit nach Mitchell Weiser und Niklas Stark im Sommer weiter den Weg, auf junge, deutsche Talente zu setzen. Der FC Bayern aber hat sich eine Rückkaufoption gesichert.

Ben-Hatira will sich damit nicht beschäftigen. Er sei es leid, immer wieder zu lesen, er könne gehen. Er sagt: "Ich habe meinen Wunsch, aber ich will noch nicht darüber sprechen." Auch das klingt nach Abschied.

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