Bundesliga

Hertha BSC krönt eine famose Hinrunde

Durch den souveränen Sieg gegen Mainz überwintert Hertha auf Platz drei der Bundesliga. Darida und Kalou treffen zum Jahresabschluss.

Fabian Lustenbeger, Vedad Ibisevic, Salomon Kalou (v.l.) und die Freude nach einem erfolgreichen Hinrundenabschluss gegen Mainz

Foto: Lukas Schulze / dpa

Fabian Lustenbeger, Vedad Ibisevic, Salomon Kalou (v.l.) und die Freude nach einem erfolgreichen Hinrundenabschluss gegen Mainz

Berlin.  Bei der Mannschaftsvorstellung von Hertha BSC machte der Stadionsprecher eine kleine Pause, bevor er die Nummer 19 präsentierte. Eigentlich war er nur verdutzt, weil die Nummer 15, Sebastian Langkamp, nicht eingespielt wurde. Im Nachhinein wirkte dies wie die perfekte Inszenierung von Vedad Ibisevic, der beide Tore der Herthaner vorbereitete und somit maßgeblich dazu beitrug, dass die Berliner nach dem 2:0 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 nicht nur im DFB-Pokal, sondern auch auf Platz drei der Bundesliga überwintern, einem direkten Champions-League-Platz.

"Für mich war es auch eine Premiere. Zwei Vorlagen ist mal ein Ding", sagte Ibisevic. In der 82. Minute gelang ihm gar der Treffer, der zum 3:0 geführt hätte, doch der Schiedsrichter hatte ihn im Abseits gesehen. "Ich habe gehofft, er sieht es nicht", sagte der Bosnier lachend, als er mit seinem Sohn auf dem Arm in den Katakomben des Olympiastadions stand. Und während dieser ihm die Nase zuhielt, sagte Ibisevic noch: "Zum Glück kommt jetzt die Pause, denn die ganze Euphorie wird für uns langsam zu viel."

Nach 32 Punkten und drei Siegen allein im Dezember gab es nämlich am Sonntagnachmittag in der Ostkurve kein Halten mehr. "Wir spielen jetzt Europacup", sangen die Fans, während in den Gesichtern der Spieler eher Zurückhaltung zu lesen war. Hertha-Trainer Pal Dardai war zunächst gar nicht mit in die Kurve gegangen, doch darauf ließen sich die Anhänger nicht ein: "Wir wollen den Trainer sehen", brüllten sie so lange, bis Dardai angejoggt kam, seine Spieler an den Händen fasste und zumindest wenige Minuten mit ihnen und den Fans feierte.

Für Dardai schließt sich der Kreis

"Wir wollten ein gutes Weihnachtsgefühl haben für unsere Fans", sagte er. Das ist ihm und der Mannschaft gelungen, mit einem großen Banner stellten sie sich nach der Partie an der Mittellinie auf: "Danke für eure Unterstützung, wir wünschen euch frohe Weihnachten". Eigentlich hätte auch jeder andere Hertha-Spieler am Sonntagnachmittag eine besondere Vorstellung verdient gehabt, denn Hertha erzielte mit dem 2:0 zwar das gleiche Ergebnis gegen die Mainzer wie am 7. Februar 2015, als Pal Dardai zum ersten Mal als Hertha-Trainer auf der Bank saß, seitdem hat sich aber einiges verändert.

"Wir sind jetzt eine andere Hertha", sagte Dardai. Am Sonntag war es eine, die von Beginn an Druck auf die Gäste aus Rheinhessen ausübte. Bereits nach zwei Minuten hatte Hertha durch Marvin Plattenhardt die erste Chance, der gemeinsam mit Salomon Kalou auf der linken Seite für Torgefahr sorgte, während Mitchell Weiser und Genki Haraguchi auf der rechten Außenbahn Tempo machten. Gesteuert wurde das Team von einem sicheren Mittelfeld um Fabian Lustenberger, Vladimir Darida und Per Skjelbred.

Hertha präsentierte sich als Einheit, die erst nach 66 Minuten den ersten Mainzer Torschuss zuließ, selbst durch einen aufmerksamen Ibisevic und einen technisch- und laufstarken Darida (34.) in Führung ging und durch perfektes Zusammenspiel zwischen Ibisevic und Salomon Kalou das zweite Tor erzielte (54.).

Inzwischen herrscht ein anderer Teamgeist

"Es ist Wahnsinn, was hier passiert, wir brauchen jetzt erst einmal einige Tage, um zu realisieren, was wir hier geleistet haben", sagte Sebastian Langkamp. Die Abwehrarbeit von ihm und John Anthony Brooks war ebenfalls ein Garant dafür, dass die 39.835 Zuschauer im Olympiastadion kein Tor der Mainzer zu sehen bekamen. Gäste-Trainer Martin Schmidt jedenfalls hatte mehr von seiner Mannschaft erwartet, die nach sechs Spielen ohne Niederlage wieder als Verlierer vom Platz ging. "Das ist eigentlich nicht unser normales Gesicht auswärts", sagte er.

"Der Teamspirit ist anders in diesem Jahr", versuchte Salomon Kalou die Veränderung zu erklären. "Zur Champions League ist es noch ein weiter Weg, aber nichts ist unmöglich", schob der Ivorer nach.

Dardai jedenfalls versprach: "Das ist kein riesiger Luftballon, den wir aufgeblasen haben und dem jetzt die Luft ausgeht." Er jedenfalls bereite sich schon auf das Spiel gegen Augsburg vor, das am 23. Januar im Olympiastadion stattfindet. Dafür erlaubte sich Michael Preetz eine kurze Rückschau: "Das war ein toller Abschluss einer bärenstarken Vorrunde", sagte Herthas Manager. "Wir haben in den letzten Spielen noch einmal gezeigt, welch rasante Entwicklung die Mannschaft genommen hat. Wir haben jetzt viel mehr Ballbesitz, spielen Fußball und sind geduldig. Und wir haben brandgefährliche Stürmer mit Selbstvertrauen." Einer davon, Vedad Ibisevic, ist inzwischen auch unter die Vorlagengeber gegangen.

Zur Startseite