Bundesliga

Hertha ist auswärts auf dem Heimweg

Hertha überwintert im DFB-Pokal. Hätte man nicht gedacht – vor der Saison, wie man vieles nicht gedacht hätte.

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Berlin.  Die Frage ist, wann das Staunen aufhört. Wann aus dem, was sich jetzt so märchenhaft anfühlt, plötzlich Alltag wird. Wann man vergisst, dass dieser Alltag vor gar nicht allzu langer Zeit noch ziemlich gruselig aussah. Die Frage ist, wann der Fußball seinen normalen Gang nimmt.

Hertha BSC überwintert im DFB-Pokal. Hätte man nicht gedacht – vor der Saison, wie man vieles nicht gedacht hätte, was die Berliner im Moment abliefern. Nicht nur in der Liga sammelt das Team von Trainer Pal Dardai jetzt wie im Vorbeigehen Siege ein. Auch im Wettbewerb, der früher immer so genervt hat, weil man ihn eigentlich umarmen wollte, aber bei ihm abblitzte wie ein Pubertierender beim schönsten Mädchen der Schule.

Auch dort gewinnt man nun wie selbstverständlich. 2:0 am Mittwoch beim bis dahin daheim ungeschlagenen Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Ob er nicht manchmal selbst staune über die Unumstößlichkeit der Vorwärtsentwicklung seiner Elf, fragt man Dardai. Er sagt: "Nein, ich staune nicht."

Vom Abstiegskandidaten zur Spitzenmannschaft

Und dann spricht der Ungar über das nächste Spiel. Das gibt es ja immer im Fußball. Ein nächstes Spiel. Diesmal ist es Mainz zum Jahresabschluss in der Bundesliga schon am Sonntag zu Hause. Da wolle er, dass das Team und die Fans gemeinsam feiern können. Da wolle er, "Bonuspunkte für die Rückrunde" sammeln. Da wolle er diese märchenhafte Hinrunde veredeln.

In der Mannschaft und in der Chefetage von Hertha BSC staunen sie aber schon manchmal ein bisschen über sich selbst: "Ich kann das nicht erklären. Und ich will das auch gar nicht erklären", sagt zum Beispiel Stürmer Vedad Ibisevic, der in Nürnberg mit einem Hackentrick das erste Tor vorbereitete. Hackentricks, die zum Erfolg führen, wann gab's das in Berlin?

Neulich, beim 4:0 gegen Darmstadt, erzählt Manager Michael Preetz, habe er seinen Nebenmann auf der Ersatzbank gefragt: "Kannst du mich mal zwicken?" Weil die Entwicklung so schnell gegangen sei, sagt der 48-Jährige. Vom Wackeldackelteam und Abstiegskandidaten im Sommer zur stabilen Spitzenmannschaft kurz vor Weihnachten. Jetzt sogar im Pokal. "Aber auch das ist schon wieder Geschichte", sagt Preetz. "Du bist im Fußball ein Getriebener."

Mit Heidenheim das einfachste Los gezogen

Dardai wird jetzt immer wieder nach seinem Pokal-Traum gefragt. Das Endspiel im eigenen Stadion am 21. Mai. Der wird jetzt weiter geträumt, und ist nur noch zwei Siege entfernt. Im Viertelfinale am 9. oder 10. Februar wartet der Zweitligist 1. FC Heidenheim.

Doch Dardai hat gar keine Lust, schon darüber zu sprechen. "Ich kenne Heidenheim nicht so gut. Aber ich beschäftige mich jetzt auch noch nicht damit. Die Träume sind jetzt andere. Ich träume von ruhigen Weihnachten", sagt er. Und die hätte er nur, wenn auch Mainz am Sonntag geschlagen werden würde. Überwintern im Pokal sowie auf einem Champions-League-Platz in der Liga. Ein Getriebener.

Seine Spieler allerdings sprechen schon über Heidenheim, den aktuellen Zehnten in Liga zwei. "Die sind gefährlich", sagt Ibisevic. Alles außer Bayern war vor der Auslosung noch Wunsch der meisten Profis. Fabian Lustenberger sagt zu Heidenheim: "Es gibt keine Diskussion: Da müssen wir unseren Job erledigen. Fertig." Sie wissen sehr wohl, dass Heidenheim an der Brenz das vermeintlich einfachste Los ist.

Nur elf Pokal-Heimspiele in 30 Jahren

Wenn aber das Besondere so langsam schon Alltag bei Hertha wird, nehmen die Dinge auch im Pokal wieder ihren gewohnten Lauf. Und das bedeutet, dass Hertha dort so gut wie nie ein Heimspiel bekommt. In den vergangenen 30 Jahren gab es 63 Pokal-Spiele der Berliner – aber nur elf davon zu Hause: "Wenn wir im Pokal ein Heimspiel haben wollen, müssen wir schon ins Finale", sagt deshalb Preetz.

Mehr und mehr glauben sie bei Hertha daran, dass das tatsächlich möglich ist – und jenes Unterfangen verdichtete Preetz auf seinem Twitteraccount mit einem Hashtag. "#Heimweg", schrieb er nach dem Sieg in Nürnberg. Das tat er schon nach der zweiten Runde in Frankfurt. Da war es noch ein zaghafter Versuch eines Brandings und ähnelte dem zaghaften Traum Dardais. Nun nimmt beides langsam Konturen an. Herthas Heimweg ins Finale ist aber einer über die Stadien der anderen.

Neuer Vertrag für Jarstein

Im neuen Jahr dann die Voith-Arena von Heidenheim. Torwart Rune Jarstein wird dann mit dem Wissen anreisen, dass er noch eine Weile länger Berliner bleiben wird. Der Norweger, der im Sommer eigentlich abgegeben werden sollte, nun aber den verletzten Thomas Kraft ersetzt und auch verdrängt hat, steht nach Morgenpost-Informationen kurz vor einer Verlängerung seines 2016 auslaufenden Vertrages. Noch geht es um die Laufzeit. Aber das ist Alltag im Fußballgeschäft.

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