09.08.11

Hertha BSC

Babbel pokert um Raffael und Friend

Nach dem verpatzten Saisonstart gegen Nürnberg wächst beim BSC der Druck auf Trainer Markus Babbel: Er muss Verwendung für seine Stars finden. Andernfalls droht ihm zum Ende der Transferperiode Ärger.

Von Uwe Bremer
Foto: dpa/DPA
Hertha BSC Berlin - 1. FC Nürnberg

Hertha BSC steht vor spannenden Tagen. Nach dem desillusionierenden 0:1 zum Bundesligastart zu Hause gegen Nürnberg stellen sich grundsätzliche Fragen. Etwa die, wie der Kader nach dem 31. August aussehen wird, wenn die aktuelle Transferperiode beendet ist.

Beim Klassenneuling gibt es derzeit kein Denkverbot, zu vieles hat bei der Saisonpremiere nicht gepasst. Was das Spielsystem angeht, hat der Internettaktikblog www.spielverlagerung.de herausgefunden: "Ein flacher Aufbau über die Zentrale fand bei Hertha überhaupt nicht statt, die defensiven Mittelfeldspieler Peter Niemeyer und Andreas Ottl waren kaum ins Aufbauspiel eingebunden." Fazit: "Hertha BSC blieb in seinem ersten Saisonspiel alles schuldig. Der Spielaufbau war katastrophal, lange Bälle auf Stürmer Pierre-Michel Lasogga dürfen nicht das einzige Mittel eines Erstligavereins sein. Sollten sich solche Leistungen häufen, wird es für die Berliner schwer, in der Klasse zu bleiben." Dahinter steht die Frage, ob Hertha im 4-4-2-System spielen wird oder im 4-2-3-1.

Die Taktikfragen haben mit dem Personaltableau bei Hertha zu tun. Da drehen sich die Überlegungen unter anderem um zwei Namen: Was wird aus Raffael? Und was aus Rob Friend?

Drei Spiele im August

Das sind keine abstrakten Fragen, die Zeit drängt. Hertha BSC spielt bis Monatsende noch zweimal auswärts in Hamburg (13. August) und Hannover (21. August) sowie einmal daheim gegen Stuttgart (26. August). Personell ist Trainer Markus Babbel noch auf der Suche nach einem funktionierenden Ganzen. Bei Raffael ist die Lage ernst.

Schon in Liga zwei wusste der Trainer nicht so recht, wohin mit Raffael. Aktuell saß der Brasilianer bei der Generalprobe gegen Real Madrid (1:3) auf der Bank, im DFB-Pokal in Meuselwitz (4:0) war er gesperrt, gegen Nürnberg stand Raffael erneut nicht in der Startelf. Hertha-Manager Michael Preetz sagte Morgenpost Online: "'Raffa' hat außergewöhnliche Qualitäten. Aber er muss sich steigern. Der Trainer will 'Raffa' kitzeln, wenn er ihn mal draußen lässt."

Raffael hingegen versteht nicht, wie ihm geschieht. Er hatte im vergangenen Sommer Angebote von Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen sowie Sampdoria Genau ausgeschlagen und auf Geld verzichtet, um bei der Mission Wiederaufstieg mitzuhelfen. Er ist fit aus dem Urlaub gekommen. Öffentlich gibt Raffael den Teamplayer: "Ich will der Mannschaft helfen und spiele da, wo der Trainer mich aufstellt." Intern sieht es anders aus. Dino Lamberti, Berater des Mittelfeldspielers, sagte Morgenpost Online: "Ich habe kein gutes Gefühl. Raffael ist total verunsichert über seine Rolle. Er ist Südamerikaner, mit ihm muss man behutsam umgehen."

Seine Qualitäten hat Raffael in der Bundesliga nachgewiesen. In 80 Spielen hat er 17 Tore erzielt und 14 vorbereitet. Mehrere erfahrene Spieler in der Mannschaft haben bei Trainer Markus Babbel zugunsten des Spielgestalters vorgesprochen, der im Unterschied zu dem einen oder anderen Südamerikaner als durchaus pflegeleicht gilt. Ein aufmunternder Klaps, eine lockere Umarmung – dann fühlt sich Raffael wohl.

Im Krisengespräch

Doch der Trainer fremdelt mit dem 1,74-m-Dribbler: irgendwie zu klein, nicht robust genug, zu wenig torgefährlich. In der vergangenen Rückrunde stand der Brasilianer unter Babbel lediglich elfmal in der Startelf. Dieses Urteil erstaunt. Fußball-Deutschland hat gerade die kleinen flinken Mesut Özil, Marko Marin oder Marco Reus ins Herz geschlossen, die durchaus ähnlich wie Raffael spielen.

Für Donnerstag hat sich Lamberti in Berlin zu einem Krisengespräch mit Manager Preetz und dem Trainer angesagt. Obwohl Hertha den Vertrag mit Raffael erst jüngst bis 2014 verlängert hat, ist eine vorzeitige Auflösung noch in dieser Transferperiode eine Option.

Demgegenüber steht die Personalie Rob Friend. Das ist ein Spieler nach dem Geschmack von Babbel: groß (1,95 m), robust, einsatzstark. Doch er steht bei Hertha seit zehn Monaten auf dem Abstellgleis – ein Fall von "Leider ist es anders gekommen als geplant, vielleicht ist es Zeit, sich zu trennen". Zumal die Stärken von Friend im gegnerischen Strafraum bei den vielen spielenden Offensivkräften der Berliner (Ramos, Raffael, Rukavytsya) kaum zur Geltung kommen.

Doch Andreas Kirsch, der Berater des kanadischen Nationalstürmers, berichtet Gegenteiliges. Die Hertha-Verantwortlichen hätten ihm gerade wieder versichert: "Rob ist ein wichtiger Spieler für uns, der noch wichtige Tore schießen wird." Dabei mangele es nicht an Interessenten, es habe im Sommer diverse Anfragen für Friend gegeben. "Im Fall des Falles wäre eine andere Lösung innerhalb von einem Tag hinzubekommen", sagt Kirsch. Aber Babbel will den kantigen Stürmer halten, um den er sich bereits im Sommer 2009 – damals noch beim VfB Stuttgart – bemüht hatte. Friend hat sich trotz seiner schwierigen Situation stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Aber intern hat er inzwischen klar hinterlegt, dass er nicht gewillt sei, eine zweite Saison auf der Bank zu verbringen.

Trainer Babbel steht vor der Aufgabe, in den kommenden 22 Tage (und drei Spielen), viele auseinanderstrebende Kräfte zusammenzubinden. Auswärts in Hamburg am Wochenende bietet sich ein zunächst defensiv ausgerichtetes 4-2-3-1-System an. Dort könnte Raffael hinter dem zentralen Stürmer spielen. Im Erfolgsfall ließe sich diese Taktik in der Folgewoche in Hannover wiederholen.

Friend pocht auf Einsätze

Vielleicht bleibt Babbel aber bei seinem Unbehagen in Sachen Raffael. Und entscheidet sich dafür, dem 19 Jahre alten Talent Pierre-Michel Lasogga eine Pause zu geben. Stattdessen könnte Friend seine Chance bekommen, wenn Hertha wie schon gegen Nürnberg regelmäßig mit langen Pässen agiert. Den Ball zu behaupten, wäre eine Aufgabe für den robusten Kanadier.

Doch egal, ob sich der Trainer für Raffael oder für Friend entscheidet – seine Maßnahmen sollten zu deutlich besseren Leistungen führen. Hertha braucht Punkte, um als Aufsteiger nicht vom Start weg im Tabellenkeller zu stecken. Nicht gebrauchen kann der Verein ein Transfertheater in den letzten August-Tagen, weil Raffael oder Rob Friend sich anderweitig bessere Perspektiven versprechen.

>>> www.immerhertha.de - das Hertha BSC Blog von Morgenpost Online

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