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Fussball

Hertha ist zu harmlos für die Bundesliga

Ein Blick auf den Kalender tut Fans von Hertha BSC derzeit richtig weh. Jetzt sind es schon fast fünf Monate, in denen ihr Klub Letzter der Bundesliga ist. Auf Rang 18 verbreiten die Berliner seit dem 20. September 2009 bei den Gegnern so viel Angst wie ein schlafendes Katzenbaby. Die Harmlosigkeit der Berliner lässt sich statistisch belegen.

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SV Werder Bremen v Hertha BSC Berlin - Bundesliga
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Hertha BSC verliert im Freitagsspiel der Bundesliga gegen Werder Bremen mit 1:2. Hier wird Mesut Özil von Herthaner Cicero (r.) bedrängt.

Steve von Bergen weiß, dass sich etwas ändern muss. „Wir müssen Druck auf die Mannschaften vor uns machen. Und zwar mit Siegen.“ Das Problem der Berliner: Sie kennen ihre Aufgabe. Doch sie schaffen es nicht, sie zu erfüllen. Herthas Abwehr ist im Vergleich zur peinlichen Hinrunde stabiler geworden, die Offensive hingegen meist weiterhin nicht bundesligatauglich. Natürlich, Pech kommt auch dazu, wie beim nicht anerkannten Tor von Theofanis Gekas beim 1:2 bei Werder Bremen. Doch insgesamt fehlt es nicht an Glück. Es fehlt an Mut.

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Die Daten belegen es: Hertha erspielt sich weniger Großchancen als der 1. FC Nürnberg, Hannover 96 und der SC Freiburg. Von den letzten fünf Klubs der Tabelle haben die Berliner zudem die wenigsten Eckbälle erzwungen. Vor allem die Spieler auf den Außenpositionen trauen sich zu wenig. Die Blau-Weißen haben in der aktuellen Saison erst 202 Flanken geschlagen, deutlich weniger als die Konkurrenten im Abstiegskampf.

Herthas Stürmer lauern oft vergebens im Strafraum des Gegners. In der Hinrunde hatte Linksverteidiger Nemanja Pejcinovic in der Defensive zu viel mit seiner Unsicherheit zu tun, um sich nach vorn einschalten zu können. Und wenn, führten die Versuche eher zu Ballverlusten denn zu Torchancen. Seit Levan Kobiashvili den Serben ersetzt hat, gelingt im Angriff zumindest etwas mehr. Doch auch er bringt seine Stärken in der Offensive noch nicht ausreichend ein.

Im linken Mittelfeld hat sich Cicero gefangen, aber noch nicht zu alter Stärke gefunden. Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek traute sich beim 3:0 in Hannover viel nach vorn, ließ zuletzt aber nach. Dabei ist er eigentlich Stürmer. Wenn über seine Seite etwas gelingt, dann dank Florian Kringe. Er ist eine Verstärkung. Patrick Ebert schlägt zwar die besseren Flanken, braucht dafür aber viel zu viele Versuche – und sitzt auch deswegen seit Wochen auf der Bank. Ebenfalls unverständlich: Eine Stärke der Vorsaison ist ins Gegenteil umgeschlagen. Da kombinierte sich Hertha pfeilschnell durchs Mittelfeld. Aktuell fehlt es dramatisch an Tempo. „Wir haben in Bremen probiert, auf Konter zu spielen“, sagt von Bergen. Doch oft waren die Zuspiele zu ungenau.

Kein Heim-Tor in 2010

Im nächsten Heimspiel gegen den FSV Mainz am Sonnabend wird Hertha gezwungen sein, das Spiel zu machen. „Vor Bremen haben wir viele Dinge trainiert, auf dem Feld dann aber nicht umgesetzt. Dass muss besser werden. Die Spiele gegen Mainz und in Freiburg sind entscheidende“, betont Kobiashvili. Allerdings sind die Berliner in der Rückrunde zuhause noch ohne Tor.

Hertha tut sich nicht als einzige Mannschaft vor heimischem Publikum schwer: Der VfL Bochum ist seit acht Heimspielen ohne Sieg – Vereins-Minusrekord. Der SC Freiburg erzielte in den vergangenen fünf Partien im eigenen Stadion kein Tor – Bundesligarekord. Und doch hat die Konkurrenz mehr Grund zur Hoffnung auf den Klassenerhalt. Sie verliert nicht immer gegen die Topteams, Bochum spielte zuletzt 1:1 gegen Bayer Leverkusen. Und sie macht aus ihren Chancen mehr Tore.

Herthas Spieler benötigen im Schnitt 15,5 Schüsse, um einen Treffer zu erzielen – harmloser ist in der Bundesliga niemand. Zum Vergleich: Tabellenführer Leverkusen braucht sieben. Abgesehen von Gekas sind die Offensivspieler nicht effektiv genug, auch Raffael gelingt derzeit wenig. „Ich habe ihm gesagt, dass er die richtige Mischung zwischen Torschüssen und Pässen finden muss“ sagte Trainer Funkel. Genützt hat es wenig. Artur Wichniarek wechselt Funkel nicht einmal mehr ein, in Bremen blieb der Pole 90 Minuten draußen.

Nürnberg setzt auf Bunjaku

Während seine Kollegen selbst aus wenigen Metern nicht ins Netz treffen, hat sich der 1. FC Köln durch eine Steigerung in der Offensive vorerst aus der Abstiegsregion befreit. Die Mannschaft von Trainer Zvonimir Soldo erzielte in den vier Rückrunden-Partien zehn Tore und sammelte sieben Punkte. Hertha traf im gleichen Zeitraum vier Mal, was für fünf Zähler reichte. Der 1. FC Nürnberg ist zwar Vorletzter, hat mit Albert Bunjaku (zehn Tore) aber einen der erfolgreichsten Stürmer der Liga in seinen Reihen. Trainer Dieter Hecking sagte, seine Mannschaft habe beim 1:2 gegen den VfB Stuttgart am Wochenende klasse gespielt: „Wenn sie so weitermacht, dann kommt sie da unten raus.“ Freiburg erkämpfte sich vorgestern gegen Schalke ein 0:0. „Wir müssen nach vorn schauen. Denn wir haben noch viele Spiele“, versucht von Bergen zu beschwichtigen.

Sofern Hertha nicht mutiger wird, dürften es allerdings in der Bundesliga erst einmal die letzten sein.

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