Fußball-Bundesliga
Hertha BSC spielt schon jetzt wie ein Absteiger
Sonntag, 29. November 2009 10:56 - Von Daniel Stolpe und Uwe BremerBei Hertha stellt sich mehr und mehr die Frage, mit welcher Berechtigung der Berliner Fußball-Bundesligist überhaupt noch in der ersten Bundesliga spielen soll. Das Spiel des Teams um Trainer Friedhelm Funkel gegen Eintracht Frankfurt am Sonnabend war derart enttäuschend, dass Tausende Fans das Olympiastadion schon vor dem Abpfiff verließen

Als Schluss ist, fühlt es sich schon verdammt nach Abstieg an. Nach 90 desillusionierenden Minuten Fußball gegen Eintracht Frankfurt beschreibt Jaroslav Drobny, der Torhüter von Hertha BSC, mit einem einzigen Satz die ganze Misere: „Jeder hat gesehen, wie schlecht wir sind.“
Wie wahr. Die Berliner haben ein Spiel verloren, das wohl schon der letzte Strohhalm für den verzweifelt nach dem rettenden Ufer greifenden Hauptstadt-Klub war – und nicht ganz klar ist, was an dem 1:3 (0:1) mehr erschüttern soll: Die Tatsache, dass es nun schon 13 Punktspiele in Folge sind, in denen den Blau-Weißen kein Sieg gelungen ist? Oder, dass auch biedere Frankfurter zu stark waren für Hertha?
Erschüttert stellte Trainer Friedhelm Funkel fest: „Die Mannschaft hat in keinster Weise das abgerufen, was sie unter der Woche im Training angedeutet hat. Von Beginn an war eine gewisse Verunsicherung spürbar. Wir haben nach hinten nicht gut verteidigt, haben im Mittelfeld leichtfertig Bälle verloren und uns vorn speziell in der ersten Halbzeit überhaupt nicht durchsetzen können.“
Diese Defizite, erst recht in dieser Häufung, kennzeichnen einen Absteiger. Anfang Oktober, zu Beginn von Funkels Amtszeit, war von drei oder vielleicht auch vier Spielen die Rede gewesen, die Hertha gewinnen könne – und dann, ja dann sähe die Fußballwelt gleich besser aus. Dass die Berliner nicht jedes dieser Spiele – in Nürnberg, gegen Köln, in Stuttgart und nun eben gegen die Eintracht – gewinnen würden, war abzusehen. Dass aber nicht ein einziges dieser Spiele gewonnen wurde, ist der pure Ausdruck fehlender Qualität. Auch Funkel muss sich nun eingestehen: „Es wird immer schwerer, noch den Anschluss an die Mannschaften vor uns zu finden.“
Wahrscheinlicher ist, dass Hertha absteigt. Gegen Frankfurt nutzte auch alle Unterstützung der eigens aus Karlsruhe angereisten Fanfreunde nichts. „Auch in schlechten Zeiten ist der KSC bei euch“, versicherte vor dem Anpfiff ein Dutzend Badener der Ostkurve via Spruchband.
Als nächstes waren es die Frankfurter Schlachtenbummler, die auffielen. „Hey, was geht ab – die Hertha steigt endlich ab“, sangen sie hämisch zur Melodie des Berliner Meisterschaftshits aus dem Frühjahr. Die Antwort der Herthaner ertönte in Minute 18 und richtet sich gegen die Blau-Weißen unten auf dem Rasen; sie woll’n sie kämpfen sehen. Sekunden zuvor hatte Alexander Meier nach Ochs-Flanke aus dem rechten Halbfeld einen Aufsetzer knapp über Drobnys Tor gesetzt.
Da stand es schon 0:1. Patrick Ochs hatte Nemanja Pejcinovic einfach überlaufen, frei vor Torhüter Drobny konnte sich der Frankfurter die Ecke aussuchen (11. Minute). Und die Szene war kein Einzelfall. Viel zu häufig deuteten die Berliner allenfalls an, gleich in den Zweikampf oder ein Laufduell gehen zu wollen – auch an körperliche und geistige Frische fehlt es Hertha ganz unübersehbar.
Spätestens nach dem 0:2 durch Maik Franz (70.) war die Partie entschieden. Einmal mehr hatte Ochs an Pejcinovic vorbeiflanken dürfen, in der Mitte bestaunte Steve von Bergen, wie der technisch limitierte Maik Franz in die Hereingabe rutschte und sie mit der Fußspitze ins Tor drückte. Ehe Adrian Ramos zum Endstand traf (81.), hatte Alexander Meier sechs Minuten zuvor noch ein drittes Tor für die Eintracht erzielt. Spätestens da wanderten viele Tausend Fans frustriert ab. Den Schlusspfiff bekamen sie längst nicht mehr mit.




































