Nachwuchsspieler
Der Kleinste bei Hertha hofft auf große Karriere
Mittwoch, 25. November 2009 14:39 - Von Daniel StolpeMit Sascha Bigalke hat nach längerer Pause ein Herthaner aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die Bundesliga geschafft. Am Wochenende debütierte der 19-Jährige beim VfB Stuttgart (1:1) in der Startelf. Auch wenn er noch nicht 100-prozentig überzeugen konnte, traut ihm Trainer Funkel durchaus Großes zu.

Auf die Größe kommt es nicht an. Sagen viele Männer. Josue etwa, brasilianischer Nationalspieler und Kapitän von Meister VfL Wolfsburg. 1,69 Meter misst er - und befindet sich in prominenter Fußballer-Gesellschaft, namentlich der Spielgestalter von Werder Bremen (Marko Marin/1,70), Hamburger SV (Piotr Trochowski/ 1,69) und selbst des FC Bayern. In München genügen Franck Ribery 1,70 Meter zum Superstar-Status.
Was sind schon zwei, drei Zentimeter, mag sich da Sascha Bigalke (19) denken. In seiner Altersklasse war das Leichtgewicht der Talentakademie von Hertha BSC stets herausragend - trotz "nur" 57 Kilo bei 1,67 Meter Größe. Aktuell gehört er zum Kader der deutschen U 19-Nationalelf und war auch Teil jener U 17, die bei der WM 2007 Platz drei erreichte.
Sascha ist willig, arbeitet fleißig und ist technisch sowieso gut
Am Wochenende debütierte Bigalke beim VfB Stuttgart (1:1) in der Bundesliga in der Startelf. "Das war aufregend", gesteht Bigalke. Er rackerte, konnte aber lange keinen Zweikampf für sich entscheiden, ehe er als einleitender Ballschlepper auch Anteil am Führungstor von Adrian Ramos besaß (49.). Trainer Friedhelm Funkel bewertet Bigalkes Premiere so: "Er hätte spüren müssen, dass er spielt, denn er hatte zuvor sehr gut trainiert. Nur leider hat er trotz ein paar guter Aktionen im Spiel diese Leistungen nicht eins zu eins umsetzen können. Training und Bundesliga sind ein gewaltiger Unterschied. Aber Sascha ist willig, arbeitet fleißig und ist technisch sowieso gut." Die unausgesprochene Schlussbewertung lautet: Er darf wiederkommen.
Derzeit verzeichnet Hertha von der U 15 bis zur U 23 die stolze Zahl von 25 deutschen Jugend-Nationalspielern; elf Talente fremdländischer Staatsangehörigkeit kommen dazu. Bis ganz oben drang ihre Klasse nur noch selten durch. Zwischen Patrick Ebert (22) und dem nachfolgenden Trio klaffte eine mehrjährige Lücke. Nachwuchs-Cheftrainer Karsten Heine sagt, warum der Übergang vom Jugend- in den Männerbereich so schwer ist: "Die Jungen können schneller laufen, aber die Alten kennen den Weg."
Versäumt, junge Talente langfristig an den Klub zu binden
Für Jugend-Koordinator Frank Vogel war der Missstand außerdem "dem Marktgeschehen" geschuldet. Unter anderem zog es Jung-Nationalspieler Jerome Boateng (21/HSV) und Christopher Schorch (20/Real Madrid, jetzt 1. FC Köln) zur Konkurrenz. In Fällen wie diesen hatte Herthas Management es schlichtweg versäumt, die hoffnungsvollen Talente langfristig an den Klub zu binden, ehe sie ihr Profidebüt feiern durften. Es tröstet nur bedingt, dass durch Verkäufe von Eigengewächsen in den vergangenen Jahren über 15 Millionen Euro eingenommen wurden. Ibrahima Traore (21/FC Augsburg), der mit spektakulären Toren derzeit die Zweite Liga verzaubert, war bei Ex-Trainer Favre ohne Perspektive.
Bigalke, Hartmann und Radjabali-Fardi nähren nicht nur die Hoffnung auf ein wieder stärkeres Berliner Element in der Profi-Mannschaft. Sie kommen auch längst nicht so aufsässig und anmaßend daher wie mancher Vorgänger im selben Alter. Wenn der technisch begabte Bigalke inmitten gestandener Profis vom Feld geht, wirkt er trotz einiger wild umherstehender rotblonder Bartstoppeln wie der schüchterne Gewinner eines Feriencamps, der einige Tage mit den Großen verbringen darf.
Dagegen traut Funkel Bigalke durchaus Großes zu: "Inklusive Europa League stand er nun dreimal in der Startelf und hat nie enttäuscht. Natürlich wird er sich in einigen Situationen immer nur schwer durchsetzen, etwa im Luftkampf nach Ecken. Aber das kann er durch Laufbereitschaft und Technik ausgleichen; er kann Haken schlagen, die anderen Probleme bereiten." So, wie Marin es macht, Trochowski oder Ribery.




































