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Fussball-Bundesliga

Hertha soll zum unangenehmen Gegner werden

In Stuttgart hat Hertha BSC dank gesteigerter Aggressivität den ersten Auswärtspunkt der Saison geholt. Der Weg zur Rettung bleibt trotzdem lang. Trainer Friedhelm Funkel muss aus Schönspielern Klassenkämpfer formen. Am Sonntag gab es erst einmal eine harte Trainingseinheit.

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VfB Stuttgart v Hertha BSC Berlin - Bundesliga
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Auch Hertha-Trainer Friedhelm Funkel kam im Spiel beim VfB Stuttgart mal an den Ball - und zeigte sich eleganter als seine Spieler auf dem Platz, was den Umgang mit dem Ball anging...

Den Tag haben sich die Reservisten anders vorgestellt. Statt sie locker kicken zu lassen, hat Trainer Friedhelm Funkel kurzfristig eine Laufeinheit verfügt, noch dazu eine, die es in sich haben soll. Als das Grüppchen über eineinhalb Stunden später keuchend und schnaufend auf das Vereinsgelände zurückkommt, muss auch Funkel (55) erst einmal tief durchatmen. Dann erzählt er von ihrem Ausflug bis weit über die Waldbühne hinaus, von „Steigungen und Treppen“, die den Weg zusätzlich erschwerten, und dass manch einer wohl seinen inneren Schweinehund ganz schön habe überwinden müssen, um durchzuhalten.

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Sechs Partien verbleiben bis Weihnachten, vier in der Bundesliga und zwei in der Europa League. Angesichts dieses noch einmal recht dichten Spielplans offerierte der Tag nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart für Funkel aus trainingsmethodischer Sicht „die letzte Gelegenheit zu einer extremen Belastung“. Der eine oder andere hätte eine solche Einheit gebraucht, um für künftige Einsätze infrage zu kommen – körperlich wie mental gleichermaßen.

Funkel ist ein Kämpfer. Und zu solchen will er auch seine Spieler machen, wenn von denen zurzeit schon kein guter Fußball zu erwarten ist. In Stuttgart lasen sich die Zahlen so: Nur 36 Prozent Ballbesitz, 1:14 Ecken – und ein Torhüter, Jaroslav Drobny, als der Spieler mit den meisten Ballkontakten (66).

Gerade in der ersten Halbzeit vermisste Funkel zum wiederholten Mal die Aggressivität potenzieller Klassenkämpfer. „Aggressiv bedeutet nicht, dumm in Zweikämpfe zu gehen oder den Gegner zu verletzen“, doziert Funkel: „Es bedeutet, die richtige Mischung zu finden zwischen Defensive und Offensive; den Gegner eher zu stören, schon in seiner Hälfte.“ Solches Auftreten gelang den Berlinern erst nach nochmaliger Ermahnung durch den Trainer in der Halbzeitpause. Prompt gingen sie in Führung (49.), nach noch ein paar Minuten mehr kippte die Stimmung im Stuttgarter Stadion, mutierte Anfeuerung zu Anfeindung.

Zu einem derart unangenehm zu bespielenden Gegner will Funkel Herthas Schönspieler mittelfristig formen. Wenn schon Spiele verloren gehen – oder zumindest nicht gewonnen werden –, dann zumindest nicht länger wehrlos. Aus der jüngsten Folge von Auswärtsspielen schöpft der Trainer Zuversicht. Alles am Auftreten und der Leistung in Nürnberg (0:3) war „katastrophal“. In Dortmund (0:2) boten sich dann schon „immerhin ein, zwei Möglichkeiten zu Toren“, ehe die Berliner in Stuttgart nach 490 torlosen Minuten in der Bundesliga wieder einmal trafen, das Spiel 90 Minuten offen hielten und am Ende den ersten Auswärtspunkt der Saison eroberten.

Es war ein langer Weg bis hierhin, viel länger, als Funkel sich das bei seinem Amtsantritt Anfang Oktober vorstellten mochte; aber: „Jeder in der Mannschaft hat jetzt zu 100 Prozent den Ernst der Lage erkannt.“ Acht Wochen ist der Absturz auf den letzten Tabellenplatz nun her. „Vor der Saison war völlig undenkbar, dass Hertha in eine solche Situation gerät“, sagt Funkel. Als es so weit war, mischte sich Ungläubigkeit mit Schockstarre, beides war – neben schwerer nachzuweisenden Faktoren wie einem Drang in den Köpfen mancher Spieler nach einer Neubesetzung der Trainerposition – mit ursächlich für die Debakel gegen Freiburg (0:4) und Hoffenheim (1:5).

Inzwischen haben die Betroffenen den Status quo verinnerlicht. Daran gewöhnen dürfe und werde man sich nicht, versichert Verteidiger Steve von Bergen. „Aber wir haben auch keine Unruhe in der Kabine. Die Stimmung ist nicht gut, weil wir wissen, dass wir bis zum Winter dringend noch ein paar Punkte holen müssen. Aber die entscheidende Phase kommt erst danach: Gegen Gladbach, Bochum und Freiburg müssen wir gewinnen, wenn wir in der Bundesliga bleiben wollen.“

Von Bergens Argumentation lässt den Schluss zu, dass sie sich bei Hertha darüber im Klaren sind, noch wenigstens bis weit in den Februar nächsten Jahres hinein auf den Abstiegsplätzen fest zu hängen. Um da herauszukommen, braucht es Siege – von denen Hertha noch immer viel zu wenige hat, nur den einen vom ersten Spieltag der Saison. Mit Funkel gelang in der Liga noch kein Dreier; auch in Stuttgart nicht, wo nur acht Minuten bis zum Spielende fehlten, als der VfB noch den Ausgleich schaffte. Sei’s drum, auch der eine Punkt „tut uns gut“, beschreibt Kapitän Arne Friedrich den positiven Aspekt des Teilerfolges; aber: „Wenn wir mit nur fünf Punkten in die Winterpause gehen, kriegen wir mächtig Probleme.“

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Trainer-Wechsel bei Hertha BSC - Ist Friedhelm Funkel die richtige Wahl?
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