Bundesliga
Hertha BSC tritt in Stuttgart weiter auf der Stelle
Sonntag, 22. November 2009 09:17 - Von Daniel StolpeImmerhin hat Hertha BSC wieder ein Tor geschossen - nach 490 Minuten. Doch alles Stochern und Wühlen half nichts, es wurde kein Sieg gegen den VfB Stuttgart. Am Ende war das 1:1-Unentschieden sogar noch schmeichelhaft für die Berliner.
Zwanzig Minuten waren gespielt zwischen dem VfB Stuttgart und Hertha BSC, da sorgte Friedhelm Funkel zum ersten Mal für so etwas wie Spielkultur. Funkel trug kein schwarz-rot längsgestreiftes Trikot, er trug grauen Anzug, weißes Hemd – und Ausgehschuhe. Als er aber aus dem Stand einem Stuttgarter den Ball zum Einwurf zulupfte, bewies er noch in dieser Dienstkleidung mehr Feingefühl als jene, die dafür auf dem Rasen vorgesehen sind.
Weitere gut zehn Minuten vergingen, ehe Funkels Berliner feststellten, dass ja auch sie berufsmäßig Fußball spielen – und siehe da, von nun an verlief die Partie zumindest ein wenig ausgeglichener. Nach 90 Minuten, die mehr und mehr an Rasanz gewannen, reichte es vor 39.000 Zuschauern trotzdem wieder nicht; im siebten Auswärtsspiel stand beim 1:1 (0:0) immerhin der erste Punktgewinn auf des Gegners Platz.
Momente später wühlten auf der Gegenseite Julian Schieber und Zdravko Kuzmanovic – mit Erfolg. „Extrem bitter“, fand das Maximilian Nicu, war aber selbstkritisch genug zu sagen: „Wir haben uns zu sehr auf unser Glück verlassen, von dem wir im Spiel schon reichlich hatten. Wir sind nach dem 1:0 zu fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen.“ Für diese Führung hatte Ramos gesorgt. Sein erstes Tor in der Bundesliga erzielte der Kolumbianer mit unerhörter Coolness. Bei Nicus Pass stand er auf gleicher Höhe mit dem letzten Stuttgarter, er löste sich blitzschnell und stand frei vor Lehmann. Ein Übersteiger und ein Schlenker nach links verluden den Ex-Nationaltorhüter, das Tor war frei, mit rechts schob Ramos ein. „Ein herrliches Tor“, lobte Funkel.
Nach Herthas erstem Ligator nach 490 Minuten (49.) begann das große Zittern: Würde der zweite Saisonsieg gelingen, der erste in der Bundesliga seit 106 Tagen? Am Ende war das Spiel acht Minuten zu lang für Hertha. „Nach den Niederlagen gegen die Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sein sollten, haben wir gesagt, dass wir nun eben Überraschungen gegen höher eingeschätzte Teams schaffen müssen“, sagte Geschäftsführer Michael Preetz. „Das ist heute leider nicht ganz gelungen, aber es kann ein Anfang gewesen sein.“
Die Hoffnung, sie hält sich mit nun fünf Punkten gerade so am Leben. Wahren Wert hatte der Teilerfolg neben der Psyche der Spieler wohl vor allem mit Blick auf den 30. November, dem Tag der Mitgliederversammlung im Internationalen Congress Centrum (ICC). Ein weiterer annehmbarer Spielausgang im folgenden Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt dürfte den Verlauf der Sitzung wohl positiv beeinflussen. Doch auch so liegen für diesen Abend wenigstens fünf Abwahlanträge vor, darunter solche für das neunköpfige Präsidium und den fünfköpfigen Aufsichtsrat.
Rein sportlich schmeichelte das Remis Hertha sogar ein wenig. „In der ersten Halbzeit haben wir zu abwartend gespielt, hatten praktisch keine Tormöglichkeit“, schimpfte Funkel. Auch sprachen insgesamt 14 zu eins Ecken zu Gunsten der Gastgeber nicht zufällig vom grundsätzlichen Verlauf des Spiels. Der VfB rannte – zumeist planlos – an, hatte aber noch immer mehr und klarere Torchancen. Berlins Torhüter Jaroslav Drobny parierte zweimal gegen Cacau (11./64.), hatte aber auch das Glück des Tüchtigen. Thomas Hitzlspergers Volleyschuss strich knapp über das Tor (25.), Mathieu Delpierre köpfte frei stehend aus drei Metern noch neben das Tor (54.). Mit Ramos‘ Führungstor kippte die Stimmung. Unterstützung wandelte sich in Murren. Nach 60 Minuten gab es ein Pfeifkonzert der VfB-Fans, das wohl noch schriller ausgefallen wäre, hätte Artur Wichniarek just in diesen Momenten zwei aufeinander folgende Konter nicht derart mutlos ausgeführt – um den irreführenden Begriff „abgeschlossen“ zu vermeiden. Für den Stuttgarter Trainer Markus Babbel brechen auf jeden Fall neue schwere Zeiten an.

























































