Gegner Stuttgart
Hertha reist zum Gipfel der Enttäuschten
Samstag, 21. November 2009 00:00 - Von Daniel StolpeVergangene Saison fuhr Hertha noch als Tabellenführer nach Stuttgart. In diesem Jahr stehen die Berliner auf dem letzten Platz. Doch der Gegner hält sich derzeit auch nur knapp über den Abstiegsrängen. Die Stimmung bei den Schwaben ist explosiv.

287 zu 441. In jeder Sportart wäre ein solches Ergebnis ein astronomisch hoher Spielausgang. Im Fall von VfB Stuttgart und Hertha BSC sind diese Zahlen dagegen ein starker Indikator, dass am Ende ihrer Begegnung am 13. Spieltag ein trostloses 0:0 stehen könnte. 287 Minuten haben die Schwaben in der Bundesliga kein Tor mehr geschossen, sogar 441 Minuten dauert die Berliner Torflaute schon an – nicht allein deshalb gerät das Treffen beider Mannschaften zum Gipfel der Enttäuschten.
VfB-Fans könnten sich gegen ihren Verein wenden
Inmitten dieser Krise wechselte der Trainer. Am 3. Oktober folgte Funkel auf den zuvor beurlaubten – und später wegen vereinsschädigender Äußerungen fristlos entlassenen – Lucien Favre. In Stuttgart droht dem angehenden Fußballlehrer Markus Babbel bei jeder weiteren Niederlage der Rauswurf. Im Schwabenland kursiert der böse Witz, dass Babbel sich seine Arbeitspapiere abholen muss, ehe er seinen Trainerschein in Händen hält; der Ex-Profi absolviert parallel zu seiner Arbeit die Trainerausbildung in Köln.
Jetzt also Stuttgart, noch so ein Team in der Krise. Für Hertha ist das Chance und Risiko zugleich. Im Schwabenland ist die Stimmung explosiv; gelingt es den Berlinern am Sonnabend möglichst lange nicht in Rückstand zu geraten, wird die Unterstützung der VfB-Fans rasch ins Gegenteil umschlagen. Holen sich die Blau-Weißen indessen die siebte Auswärtsniederlage im siebten Auswärtsspiel ab, enteilt nach Bochum, Nürnberg und Köln der nächste direkte Konkurrent.
Hertha fehlen wichtige Spieler
Im dritten Jahr in Folge verspricht die Berliner Dienstreise zum VfB wegweisenden Charakter zu haben. Im Januar 2008, in Favres erstem Jahr als Hertha-Trainer, korrigierte ein 3:1 den völlig verpatzten Rückrundenstart (0:3 im Olympiastadion gegen Eintracht Frankfurt) und bannte so die von Favre voreilig ausgerufene „Abstiegsgefahr“. Vergangene Saison reiste Hertha sage und schreibe als Tabellenführer an, verlor 0:2 – es war der Auftakt zu drei Niederlagen in der entscheidenden Saisonphase in Folge und der Anfang vom Ende aller Meisterträume.
Diese Sorgen hätten sie nun gern. „In unserer Situation ist jedes Spiel wichtig“, sagt Funkel. Allerdings muss er auf wichtige Spieler verzichten. Neben den Langzeitverletzten (Kringe, Bengtsson) und dem Drama auf der Torhüterposition (hinter Stammkeeper Drobny sind die Ersatzleute eins bis drei verletzt oder gesperrt; auf der Bank sitzt Patrick Sobtzik) fallen von den Stammspielern auch Pal Dardai (Reha nach Knie-Operation), Marc Stein (Faserriss), Raffael (Sperre) und kurzfristig Patrick Ebert aus. Der Mittelfeldspieler meldete sich am Freitag mit einem grippalen Infekt ab, bei dem es sich aber ausdrücklich nicht um das H1N1-Virus handeln soll.
Andere werden es richten müssen. Im defensiven Mittelfeld setzt Funkel wohl auf Gojko Kacar und Fabian Lustenberger, die beide unter der Woche Länderspiele bestritten. Kacar mit Serbien gegen Südkorea, Lustenberger mit der U21 der Schweiz gegen Georgien. Von diesem Pärchen erhofft sich Funkel eine ähnliche Stabilität, die Ende Oktober im Heimspiel gegen Meister VfL Wolfsburg immerhin ein 0:0 erbrachte – ein Punkt, der mehr der Psyche der Spieler als dem Punktekonto half. Deshalb sagt Friedhelm Funkel: „Ich hoffe, dass wir hinten stabil stehen. Aber wir müssen endlich auch auswärts anfangen nach vorn zu spielen und Tore zu schießen.“


































