Bundesliga
Hertha BSC verliert in Nürnberg mit 0:3
Montag, 26. Oktober 2009 11:40 - Von Julien WolffHertha BSC Berlin findet auch nach dem Trainerwechsel keinen Weg aus der Krise. Das restlos enttäuschende Tabellenschlusslicht kassierte im Kellerduell beim 1. FC Nürnberg mit einem 0:3 (0:2) seine achte Bundesliga-Niederlage in Serie. In der Kabine soll nach dem Spiel Totenstille geherrscht haben.
Das Auslaufen war so demütigend wie die 90 Minuten zuvor. Um 17.30 Uhr joggten die Spieler von Hertha BSC am Sonnabend durch das Stadion des 1. FC Nürnberg, um ihre Muskeln zu lockern. Dabei bekamen sie die Wut ihrer Fans zu spüren. „Wir sind Herthaner und ihr nicht“ sowie „Und ihr wollt unsere Hertha sein“, riefen die Anhänger aus dem Gästeblock.
Die Mannschaft hatte nach einer seelenlosen Darbietung 0:3 (0:2) bei den Nürnbergern verloren. Es war die achte Niederlage in Folge. Mit nur drei Punkten ist Hertha weiter Tabellenletzter. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt jetzt schon fünf Punkte. „Wir sind enttäuscht, denn wir haben in keiner Weise das erfüllt, was wir uns vorgenommen haben“, stellte Trainer Friedhelm Funkel ernüchtert fest.
Vor 38.094 Zuschauern waren die Berliner von Beginn an die schlechtere Mannschaft. Funkel hatte die Startelf auf drei Positionen verändert: Als linken Verteidiger bot er Marc Stein auf, als rechten Christoph Janker, und im Sturm vertraute er Artur Wichniarek. Die Veränderungen zahlten sich nicht aus.
Wechsel machten es auch nicht besser
Hertha fehlte es an Aggressivität, Zuordnung und Mut. Daniel Gygax konnte in der 18. Minute freistehend zum 1:0 einschieben, Albert Bunjaku acht Minuten später nach einem fatalen Ballverlust von Patrick Ebert vor dem Strafraum auf 2:0 erhöhen.
Funkel reagierte: Den müden und enttäuschenden Gojko Kacar wechselte Funkel bereits nach 42 Minuten für Cesar aus, in der Halbzeitpause brachte er Ramos für den Totalausfall Raffael. Es wurde nicht besser. Im Gegenteil: Bunjaku erhöhte in der 58. Minute auf 3:0.„Nürnberg hat uns vorgemacht, auf was es im Abstiegskampf ankommt. Dem ein oder anderen Spieler ist noch nicht bewusst, in welcher Lage wir sind“, sagte Funkel. Vor allem das Defensivverhalten sei nicht akzeptabel gewesen: „Als Tabellen-18. muss man einfach beherzter in die Zweikämpfe gehen. Wir waren zu weit von unseren Gegenspielern weg.“
Schon 23 Gegentore
0:4 gegen den SC Freiburg, 1:5 bei der TSG 1899 Hoffenheim, 0:3 beim 1. FC Nürnberg, schon 23 Gegentore – Hertha blamiert sich immer weiter. Fehlt der Mannschaft die Qualität? Funkel: „Im Moment sieht es so aus, als wenn sie nicht reicht.“
„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und brauchen eine Initialzündung. Es kann nicht alles weg sein, was die Spieler können“, sagte der ehemalige Profi Preetz. In der Kabine habe nach dem Spiel Totenstille geherrscht. „Wir haben einen langen und harten Weg vor uns.“
Kapitän Arne Friedrich versuchte gar nicht erst, etwas zu beschönigen. „Ich bin geschockt und sprachlos. Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir kein Spiel mehr. Nürnberg hat uns vorgeführt. Wenn wir den Hintern nicht hochkriegen, steigen wir ab“, sagte der Nationalspieler. Und Torwart Burchert wirkte ratlos: „Es kann nur besser werden. Im Training machen wir Vieles gut. Ich weiß auch nicht, warum es im Spiel nicht klappt.“
Funkel zieht die Zügel an
Für die kommende Woche hat Funkel eine harte Gangart angekündigt. „Wir haben jede Menge Arbeit vor uns und werden sehr intensiv trainieren. So etwas können wir uns nicht gefallen lassen.“
Sein Vorgänger Lucien Favre war am Ende seiner Amtszeit ratlos. Das sei er nie, betonte Funkel. „Aber mir wurden die Augen geöffnet.“ Hertha steckt tief in der Krise, das dürfte jedem spätestens seit diesem Spiel klar sein.

















































