08.10.09

Hertha BSC

Wichniarek gibt Favre die Schuld an seinem Tief

Stürmer Artur Wichniarek ist bei Hertha noch ohne Treffer. Der neue Trainer Friedhelm Funkel lobt ihn. Das habe Ex-Coach Lucien Favre nicht getan, sagt Wichniarek - und gibt Favre statt sich selbst die Schuld an seiner wenig beeindruckenden Leistung. Schon einmal hatte er einen Hertha-Verantwortlichen beschuldigt.

Von Julien Wolff
Foto: AP
Artur Wichniarek gibt nun Favre die Schuld an seinem Dilemma
Artur Wichniarek gibt nun Favre die Schuld an seinem Dilemma

Die Regentropfen liefen über seine Stirn, auf dem Trikot war keine Stelle trocken geblieben. Artur Wichniarek hatte alles gegeben und war klitschnass. Während des Vormittagstrainings von Hertha BSC am Donnerstag ging ein heftiger Schauer nieder. Doch dem Stürmer bereitete der glitschige Rasen keine Probleme. Er sprintete, schoss Tore und machte einen engagierten Eindruck. "Er ist im Training kaltblütig vor dem Tor. Zwar ohne Gegenspieler, aber auch die Treffer muss man erst mal machen", lobte Friedhelm Funkel.

Herthas neuer Trainer ist von dem Einsatz des 32-Jährigen beeindruckt. Und er versucht, den Polen stark zu reden. "Ich werde ihn nicht fallen lassen", sagt er.

Unterstützung, die Wichniarek dringend nötig hat. Denn seine bisherige Saisonbilanz ist erschütternd. Bundesliga: null Tore. DFB-Pokal: null Tore. Europa League: null Tore. Ein Stürmer wird an Toren gemessen – gemäß dieser Weisheit ist Wichniarek bislang ein Fehleinkauf. Er ist seit 381 Bundesligaminuten im Hertha-Trikot torlos. Nun hat nahezu jeder Stürmer mal eine Phase, in der ihm einfach kein Treffer gelingen will. Dann kann er der Mannschaft auch mit Vorlagen helfen. Doch auch eine solche ist Wichniarek noch nicht gelungen.

Er überzeugte in keinem seiner Pflichtspiele. Wichniarek kommt zu selten zum Abschluss und hält zu wenig Bälle. Er ist dementsprechend frustriert. Der neue Trainer Funkel sei vor allem für ihn eine neue Chance, glaubt mancher Vereinsmitarbeiter und mancher Fan. Er könnte die aktuelle Situation als Neuanfang sehen, gemäß dem Motto: Nach all den Wochen ohne Tore und der Kritik stelle ich alles auf Null. Doch von Selbstkritik ist bei dem Angreifer keine Spur. "Ich habe meine erste Chance nicht verhauen", sagte Wichniarek am Donnerstag Morgenpost Online und meint den Saisonstart unter Funkels Vorgänger Lucien Favre. Auf Funkels lobende Worte angesprochen, sagt er lediglich: "Der alte Trainer hat mich nicht gelobt." Am Mittwoch hatte er schon einmal Favre kritisiert. Er glaube, dass der Schweizer nicht einmal gewusst habe, dass er in der Bundesliga knapp 100 Tore erzielt habe.

Schon einmal enttäuschte er in Berlin

Eine verwunderliche Aussage. Offenbar schätzt Wichniarek seine Leistungen besser ein, als sie waren. Und scheint die Schuld an seiner Torlosigkeit beim beurlaubten Favre zu suchen. Dabei hielt der Trainer lange zu ihm: Trotz seiner schwachen Auftritte strich Favre Wichniarek erst sehr spät aus der Startelf. Sofern der Pole fit war, spielte er unter ihm stets von Beginn an – außer gegen Hoffenheim. Der ehemalige Nationalspieler leidet offenbar unter seiner öffentlichen Wahrnehmung als Flop. "Jetzt ist es eh zu spät", sagte er nun. Unklar blieb, ob er ausschließlich die Darstellung seiner Person in den Medien meint. Oder auch die Fans, bei denen er nicht zu den beliebtesten Spielern gehört. Offenbar fühlt er sich wieder in der Rolle des Sündenbocks.

Der Wichniarek in diesen Wochen erinnert an den Wichniarek vor sechs Jahren. Von 2003 bis 2005 spielte er schon einmal für Hertha und enttäuschte. In 44 Spielen erzielte er lediglich vier Tore. Damals zeigte er sich ebenso wenig selbstkritisch wie heute. Der damalige Manager Dieter Hoeneß habe seine Karriere zerstört, sagte er später in einem Interview.

Herthas Verantwortliche hatten vor dem Transfer im Sommer gehofft, dass es diesen Wichniarek nicht mehr gibt. Sie hatten sich den Wichniarek gewünscht, dem bei Arminia Bielefeld in den vergangenen drei Jahren 33 Treffer gelungen waren. Den Wichniarek, der seine Schnelligkeit in Eins-gegen-Eins-Duellen nutzt und Spiele allein entscheiden kann. Doch den haben sie bislang nicht bekommen.

Funkel fordert Unterstützung der Fans

Dabei hat der Stürmer viel versucht, um seine erste Station in Berlin vergessen zu machen. Im Trainingslager in Österreich traf er sich mit Fans und stellte sich ihren Fragen. Er erklärte sich bereit, als erfahrener Profi in der Mannschaft Verantwortung zu übernehmen. Und trotzdem: Statt Leistungsträger ist Wichniarek derzeit nur Ersatzspieler. "Er braucht jetzt die Unterstützung aller", sagt Funkel. "Artur ist ein gestandener Bundesligaspieler, seine Qualitäten hat er in Bielefeld bewiesen. Er wird seine Chance mit Sicherheit bekommen."

Im Kampf um den Platz im Sturm neben oder ein Stück vor Raffael konnte Rivale Adrian Ramos zuletzt allerdings Argumente für sich sammeln. Beim 1:3 gegen den HSV bereitete der Zugang das 1:0 von Arne Friedrich per Kopfball vor und zeigte gute Ansätze. Obwohl der Kolumbianer erst in der nächsten Woche vom WM-Qualifikationsspiel seiner Nationalmannschaft gegen Chile zurückkehren wird, kann er sich Hoffnungen auf einen Einsatz machen. "Er ist für Nürnberg ein Kandidat", erklärte Funkel.

Artur Wichniarek hat es also weiterhin nicht leicht. Am besten helfen kann er sich selbst. Mit guten Leistungen und Toren.

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