22.05.13

Hertha-Trainer

Luhukay und die eine Gemeinsamkeit von Bayern und Hertha

Herthas Trainer Jos Luhukay schreibt in der Berliner Morgenpost über den Weg zum Aufstieg. In Teil zwei der Reihe geht es um das entscheidende Derby, schwierige Gespräche mit Spielern und die Bayern.

Von Jos Luhukay
Foto: AFP

Nun ist es offiziell: Hertha BSC ist Zweitligameister. Nach dem Saisonfinale gegen Cottbus können die Berliner nun endlich die Meisterschale in den Händen halten.

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Das erste Spiel, in dem ich das gesehen habe, wofür wir arbeiten, war das Derby in der Alten Försterei. Gegen Union stand ein Team in Blau-Weiß auf dem Platz. Es ging nicht nur darum, dass wir 2:1 gewonnen haben. Die Mannschaft hat Leidenschaft ausgestrahlt. Das war wichtig nach dem schlechten halben Jahr zuvor. Fans haben ein feines Gespür dafür, ob ihre Mannschaft alles gibt. Und gegen Union hat meine Mannschaft eine unglaubliche Bereitschaft gehabt.

Zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison geht es in so einem Duell nicht darum, wer besser Fußball spielt. Sondern darum, wer mehr Herz auf den Platz bringt. Im Derby hat die Mannschaft begriffen, wie wichtig Bereitschaft und Mentalität sind. Ich habe das intern immer wieder angesprochen. Wir haben nicht immer glanzvoll gespielt, wirklich nicht. Aber die Mannschaft hat stets die Mentalität gehabt, sich in den wichtigen Phasen voll reinzuhängen. Deshalb haben wir so wenige Gegentore in der ersten Viertelstunde kassiert. Deshalb haben wir so viele Spiele in der Schlussviertelstunde noch gewonnen.

Stück für Stück ist etwas gewachsen

Aber ich verstehe, dass in Berlin nicht sofort die große Euphorie ausgebrochen ist. Weil unsere Anhänger nach dem erneuten Abstieg sehr, sehr enttäuscht waren. Dass das Vertrauen nicht sofort nach drei, vier Siegen wieder da war. Das hat Zeit gebraucht. Aber die Fans haben in jedem Spiel gesehen, dass die Mannschaft Leidenschaft gezeigt hat. Dann ist da Stück für Stück etwas gewachsen. Ich fand die Unterstützung sowohl zu Hause als auch auswärts von den Fans großartig.

Die Gruppe hat sich gefunden, der Teamgeist wurde immer besser. Da tut es aus menschlicher Sicht weh, wenn ich als Trainer einem Spieler sagen muss, dass seine Perspektive nicht bei Hertha liegt. Es gab mehrere solcher Gespräche: Marco Djuricin, Fanol Perdedaj, Sebastian Neumann, im Winter dann mit Daniel Beichler, Elias Kachunga und Shervin Radjabali-Fardi. Aber das sind Entscheidungen, die wir treffen müssen, um unser Ziel, den Aufstieg mit Hertha zu erreichen. Am Ende glaube ich, dass es den Spielern mehr hilft, wenn man ihnen ehrlich sagt, wie es aussieht.

Sprechen wir über Bayern München. Ich will mich nicht mit den Bayern vergleichen. Aber die Münchener haben in der Ersten Liga, was wir in der Zweiten Liga hatten: einen sehr ausgeglichenen Kader. Bei Hertha wurde zum Jahresanfang die Gruppe noch mal größer mit der Rückkehr von Maik Franz, Pierre-Michel Lasogga, Christoph Janker, Änis Ben-Hatira und Peter Pekarik, die teilweise sehr lange verletzt waren. Jeder einzelne hatte Ansprüche, was absolut legitim ist. Die Lage ist so, deshalb mein Vergleich mit den Bayern, dass bei uns fast jeder Spieler ein Kandidat für die Startelf ist. Damit die Gruppe weiter gut funktioniert, habe ich im Trainingslager und in der Rückrunde viele Einzelgespräche mit diesen Spielern geführt.

Die Mannschaft hat nie nachgelassen

Dann ist etwas eingetreten, was ich als Trainer noch nie erlebt habe: Es ist kaum jemand der Spieler länger verletzt ausgefallen. Wir hatten kleinere Ausfälle und mussten in fast jedem Spiel etwas ändern. Aber egal, wer da rein gekommen ist, die Mannschaft hat nie nachgelassen. Und ich habe großen Respekt davor, wie die, die nicht immer am Anfang dabei waren, damit umgegangen sind. Weil sie teilweise zum ersten Mal in ihrer Karriere in eine neue Rolle gerutscht sind. Wer immer gespielt hat, der muss erst lernen, dass er mal auf der Bank sitzt. Es hört sich etwas komisch an, aber ich glaube, dass die Spieler damit etwas für ihre Zukunft gewonnen haben. Manche kamen nach einer langen Reha und dachten: Endlich fit, jetzt will ich spielen. Und dann standen sie nicht automatisch in der Startelf. Diese Seite des Geschäftes haben einige kennengelernt. Diese Erfahrung wird ihnen helfen. Sie werden gestärkt daraus herausgehen.

Ich war beeindruckt, wie sie damit umgegangen sind. Keiner hat sich hängen lassen. Es ist ja kein Zufall, dass wir die meisten Joker-Tore erzielt haben. Was mich aber noch mehr beeindruckt hat: Wir haben es zusammen hinbekommen. Alle haben sich eingeordnet. Wir sind weiter ein Team geblieben und haben unser Ziel erreicht, den Aufstieg. Das rechne ich der Mannschaft hoch an.

Aufgezeichnet von Uwe Bremer

Teil 1 der Reihe von Jos Luhukay: "Ich bin stolz auf die Mannschaft"



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