15.08.09

Bundesliga

Hertha fährt als Außenseiter nach Gladbach

Wer in Erinnerung an das vergangene Spieljahr meint, Hertha habe bei Gladbach eine leichte Auswärtspartie, der irrt. Denn die Borussia hat über zehn Millionen Euro investiert. Allerdings könnte unter diesen Umständen Hertha-Rückkehrer Artur Wichniarek beweisen, das er ein Schnäppchen ist.

Von Uwe Bremer
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Hertha BSC Berlin
Zweiter großer Test in Gladbach: Artur Wichniarek wartet auf sein erstes Erfolgserlebnis

"Super Artur!" "Schönes Tor, Artur" – der Rückkehrer von Hertha BSC erhielt reichlich Unterstützung. Lucien Favre bedachte jede verwandelte Flanke seines Stürmers mit lautstarkem Lob. Der Trainer hatte für die Offensive eine Übung mit vielen Erfolgserlebnissen angesetzt: Vorlage von rechts oder links, die Stürmer durften den Ball ohne Verteidiger annehmen – da liegt es in der Natur der Sache, dass eine Reihe von Toren fallen.

Nicht nur Artur Wichniarek war im Einsatz, auch Valeri Domovchiyski und Raffael waren dabei. Aber die Einheit war vor allem für Wichniarek gedacht. Der hatte bei seiner Saison-Premiere am vergangenen Wochenende nach nur drei Minuten das 1:0 auf dem Fuß – rutschte aber am Ball vorbei. Der Rest ist bekannt. Wichniarek rieb sich auf und wurde, teilweise mit Pfiffen bedacht, vorzeitig ausgewechselt.

Heute im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach steht also der zweite Versuch an, die Beziehung zwischen dem Polen und Hertha BSC in glückliche Bahnen zu lenken. Wichniarek ist es leid, ständig auf seine glücklose Ära in Berlin von 2003 bis 2005 angesprochen zu werden. "Ich schaue nach vorn, ich habe gut trainiert. Das wird schon."

Das Gastspiel von Wichniarek im Borussia-Park zeigt, dass die gleiche Person manchmal völlig unterschiedlich wahrgenommen wird. Und gleichzeitig belegt diese Personalie, dass die Bundesliga im Wandel begriffen ist. So mögen einige Fans in Berlin Wichniarek kritisch sehen. Im Internet wird bereits diskutiert, ob er bei Toren für Hertha ausgepfiffen werden soll oder nicht.

Gladbach mit Respekt vor Wichniarek

Gegner Gladbach hat besonders vor einem Respekt: vor Wichniarek. "Artur muss man immer im Auge behalten. Er kann jederzeit gefährlich werden", sagt Michael Frontzeck. Der Borussen-Trainer weiß, über wen er redet. Frontzeck war in der vergangenen Saison (bis zum vorletzten Spieltag) Vorgesetzter von Wichniarek in Bielefeld. Doch trotz 13 Saison-Treffern des Stürmers stieg die Arminia ab.

Wer in Erinnerung an das vergangene Spieljahr meint, Hertha habe eine leichte Auswärtspartie, weil Gladbach ebenfalls bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern musste, der irrt. Die Gäste aus der Hauptstadt sehen sich als Außenseiter. "Die Borussia von dieser Saison hat nichts zu tun mit der von der letzten", sagt Kapitän Arne Friedrich. "Das wird eine ganz schwierige Partie." Favre holt noch etwas weiter aus. Wenn im Vorjahr Hertha BSC das Überraschungsteam gestellt, das von niemandem erwartet bis zum Ende um die Champions-League-Teilnahme gespielt hat, traut der Trainer diese Rolle aktuell Gladbach zu. "Sie haben sich sehr gut verstärkt."

Zwar haben die Gastgeber Marko Marin (für 8,5 Millionen Euro zu Werder Bremen) und Alexander Baumjohann (FC Bayern) abgegeben, konnten aber mehr als zehn Millionen investieren. Vor allem das Südamerika-Duo der Borussen hat es Favre angetan: der Venezulaner Juan Arango ( 3,3 Mio. von RCD Mallorca) und der Argentinier Raul Bobadilla (vier Mio. von Grasshopper Zürich). Um Bobadilla hatte sich Favre zu Jahresbeginn ebenfalls bemüht. Doch mit Blick auf das Gladbacher Angebot war Hertha schnell aus dem Rennen.

Die Frage ist, ob die Bundesliga sportlich so ausgeht, wie es die Geld-Rangliste nahe legt. Ginge es nur nach den Investitionen, müsste Gladbach am Ende klar vor Hertha einlaufen. Die Momentaufnahme nach dem ersten Liga-Spieltag sieht so aus: Geld schießt Tore, das "Schnäppchen" wird mental aufgepäppelt. Die Gladbacher Offensive mit Bobadilla, Arango und Roberto Colautti erzielte in Bochum drei Tore. Wichniarek, für vergleichsweise bescheidene 700.000 Euro nach Berlin gekommen, wartet auf sein erstes Erfolgserlebnis. Und bleibt trotzdem locker: "Es geht nicht um mich. Wenn ein Kollege das Siegtor für Hertha schießt, bin ich völlig zufrieden."

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Champions League „Das war für Rom eine Katastrophe“
Verhaftet vom Regime Nordkorea lässt US-Bürger frei
Champions League Dortmund lechzt nach einem Erfolgserlebnis
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großbritannien

Ein Hauch von Bauch – Auftritt von schwangerer…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote